Dax, Griechenland und der US-Schulden-Wahlkampf
Tom Firley in Investors Daily zum Thema Dax 30
vom 26. Juli 2011, 18:00 Uhr
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heute bat mich das Deutsche Anleger Fernsehen ein weiteres Mal um ein Interview. Bei den Fragen handelt es sich um einen bunten Mix aus Dax-Entwicklung, Griechenland-Schulden und Schulden-Dilemma USA.
Meine (sinngemäßen) Antworten habe ich Ihnen hier mitgebracht. Beim Thema USA habe ich mir zum Schluss zwar etwas Flapsigkeit gegönnt. Doch meines Erachtens drücke ich so in zwei Sätzen aus, was viele Analysten, Redakteure und Investoren insgeheim denken...
Hier also der Inhalt des heutigen Interviews:
1. Herr Firley, der DAX ist negativ in die Woche gestartet. Was erwarten Sie beim DAX - Wie geht es kurzfristig weiter?
Der Dax bewegt sich jetzt mittlerweile seit fast 4 Monaten, also seit Ende März in einer Seitwärtsbewegung zwischen grob gesagt 7.000 und 7.500 Punkten. Und wie ich bereits im Frühjahr sagte: Im Sommer erwartet uns eine wilde Seitwärtsphase.
Kurzfristig habe ich meinen Lesern im Investors daily versprochen über Trading-Möglichkeiten im Dax zu berichten, sobald eine dieser beiden Marken (7.000 oder eben 7.500) erreicht wird. Und genau dies bleibt erst einmal abzuwarten.
Chart Dax
Charttechnisch sieht es zwar eher danach aus, als dass die Obergrenze bei 7.500 Puntken erreicht wird. Aber mit all den Damokles-Schwertern aus Europa und USA ist eine seriöse Prognose momentan sehr schwierig bis unmöglich.
2. Die Schuldenproblematik rund um Griechenland belastet die Märkte weiter - Wie lautet Ihre Meinung zu der Unterstützung durch die EU?
Die finanzielle Unterstützung Griechenlands halte ich grundsätzlich für richtig. Nur wird es nicht reichen, einfach so die Milliarden fließen zu lassen. Wichtiger sind konkrete Vorschläge zur Stabilisierung der griechischen Wirtschaft seitens der EU-Partner. Und am wichtigsten ist dann natürlich auch die Umsetzung in Griechenland bzw. seitens der griechischen Regierung.
Und genau diese konkreten Vorschläge vermisse ich momentan. Geld als Unterstützung alleine wird das Problem der Zahlungsunfähigkeit nur zeitlich aufschieben. Ich bin sehr gespannt, welche konkreten Reformpläne, die EU-Kommission zusammen mit dem griechischen Wirtschaftsministerium erarbeiten wird.
3. Anderes Thema: USA. Stehen die USA Ihrer Meinung nach vor einer Pleite - oder wird man sich mit Mehrschulden helfen?
Wie ich bereits bei unserem letzten Gespräch sagte: Die USA hat derzeit etwa 14,4 Billionen US-Dollar Schulden... Das ist in etwa die Wertschöpfung eines ganzen Jahres in den Vereinigten Staaten. Da kann man sich die Frage stellen, ob die USA nicht eigentlich schon pleite sind... egal, welche Rating-Agentur welche Einschätzung abgibt.
In einer Woche, bis zum 2. August, muss entschieden sein, ob die Schulden-Obergrenze erhöht wird oder ob die USA den Staatsbankrott erklärt. Da erscheint es nur logisch, dass die Schulden-Obergrenze ein weiteres Mal erhöht wird.
Ähnlich wie bei unserer bzw. der europäischen Herausforderung Griechenland zu retten, geht es dann darum, wie es weitergeht. Die Entscheidung, die Schulden-Obergrenze zu erhöhen, ist die eine Sache. Konkrete Vorstellungen, die US-Schuldenlast zu reduzieren, ist die andere.
Und das, was sich momentan die beiden politischen US-Lager, also die Demokraten und die Republikaner liefern, sieht sicherlich nicht nach einer langfristig funktionierenden Lösung aus. Es wird also vermutlich ein Kompromiss gefunden werden, der zur Folge haben wird, dass wir auch im nächsten Jahr wieder vor dem Problem stehen werden, dass die Schulden-Obergrenze erhöht werden muss. Damit ist klar:
Wenn es immer wieder darum geht, die Schuldenobergrenze in den USA anzuheben, dann dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, wann das System völlig kollabiert...
4. Und was wäre, WENN die Schuldenobergrenze nicht erhöht wird?
Darüber wollen wir besser nicht nachdenken. Aber gut, mit was müssten wir rechnen, wenn keine Einigung über die Erhöhung der Schuldenobergrenze gefunden wird: Panik an den Aktien-Märkten..., Flucht in europäische Staatsanleihen (zum Beispiel in deutsche), der Schweizer Franken steigt und in Dollar notierte Rohstoffe und Edelmetalle steigen ebenso... wie zum Beispiel Gold.
Und dann, liebe Leser, sollten Sie ganz genau aufpassen, wenn Sie in Aktien investieren. Denn falls die Amis wirklich diesen Weg der vorübergehenden Staatspleite wählen sollten, dann können Sie ein paar Tage oder Wochen später aber damit rechnen, dass sich Obama und Co. doch noch einen Rettungsweg (in Anführungszeichen) ausdenken werden und dann eben gezwungenermaßen die Dollar-Druckmaschine anschmeißen.
Und dies wiederum würde vermutlich zunächst einmal eine Rally an der Wall Street auslösen, also steigende Aktienkurse. Rücken wir das Ganze doch einmal in ein etwas anderes Licht:
Schlussendlich geht es doch nicht um ein oder zwei Billionen hin oder her. Meines Erachtens hat schon jetzt der Wahlkampf in den USA begonnen. Und wer sich jetzt - Demokraten oder Republikaner - besonders stark hervortut, der holt sich für den Wahlkampf ein paar Vorschusslorbeeren. Frei nach dem Motto:
"We have had a problem. And we solved the problem. God bless America."
Zu Deutsch: Wir hatten ein Problem. Und wir haben das Problem gelöst. Gott segne Amerika.
Langfristig verlieren die USA so natürlich an Ernsthaftigkeit in der Welt. Und so stellt sich die Frage, wann sich der Rest der Welt von den USA bzw. auch vom US-Dollar lösen wird...
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Soweit also meine Darstellungen für das Deutsche Anleger Fernsehen. Morgen bringe ich Ihnen noch kurz meine Dax-Einschätzung mit (die Sie mittlerweile ja auch kennen... Dax im Sommer seitwärts, wenn sich die Wogen geglättet haben, dürfte ab September der Angriff auf das Allzeithoch starten).
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
PS: Vielen herzlichen Dank an alle Teilnehmer der gestrigen Umfrage. Sie haben mir wirklich geholfen. Klasse!
