DAX: Erste Gegenwehr der Bullen
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 30. Oktober 2009, 08:00 Uhr
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So einige Regeln halten die Zykliker schon ab und zu ein. Zum Beispiel wenn ein Basiswert oder Index fünf Tage hintereinander fällt, hat die Wahrscheinlichkeit einer charttechnischen Reaktion schon so stark zugenommen, dass besondere Bedingungen vorliegen müssen, die eine Fortsetzung der Verlustserie rechtfertigen. Bei Märkten oder Einzelwerten mit höheren Umsätzen gilt diese Regel im Besonderen. So haben sich die Marktteilnehmer gestern also brav an den technischen Marken orientiert und drehten den DAX das erste Mal seit fünf Tagen wieder ins Plus. Es erübrigt sich nahezu von selbst daraus ein Ende der Abwärtsbewegung abzuleiten. Einen kleinen Hoffnungsschimmer dürfen die Bullen aber schon daraus für sich ableiten.
Wie vermutet zeigte dass US-BIP im dritten Quartal eine deutlich höhere Dynamik als vom Durchschnitt der Analysten zuvor vermutet. Obwohl es sich um einen Wert aus der Vergangenheit handelte, reichte das aus, um die triste Stimmung an den Märkten in eine schwungvolle Party zu verwandeln. Die Erholung endete in der Nähe der Tageshoch leicht unterhalb des Widerstandsbereichs um 5.610 Punkte. Technisch Faktoren wie der extrem überverkaufte Markt und die Schließung von Short-Positionen halfen dem DAX aus der ärgsten Bedrängnis. Ob es sich dabei um mehr als eine Eintagsfliege der Bullen gehandelt hat, wird sich heute zeigen.
Deutsche Bank und BASF überzeugen
Zu den weiteren Stützen des DAX gehörten die positiv aufgenommenen Zahlen der Schwergewichte BASF und Deutsche Bank. Beide Unternehmen hatten wegen der besser als erwarteten Entwicklung im dritten Quartal die Veröffentlichung von Eckpunkten schon in der vergangenen Woche vorgenommen. Die detaillierten Bilanzen zeigen aber, dass die Befürchtungen des Frühjahres im Hinblick auf ein rabenschwarzes Geschäftsjahr übertrieben waren. Natürlich bleiben die Manager bei ihren Prognosen vorsichtig, in der Hauptsache aber nur um nicht gleich wieder in die Schusslinie zu geraten und um genügend Spielraum für flexibles Handeln zu haben. Das erste Halbjahr 2010 könnte wesentlich besser ausfallen, als das bisher kalkuliert wird.
Plötzliches Wendemanöver braucht weiteren Schub
Das plötzliche Wendemanöver kam, genau um 13.30 Uhr erhoben sich die Bullen und zeigten den Bären ihre Grenzen auf. Noch eine Fußnote, mehr muss darin nicht gesehen werden. Um der Wende auch das Prädikat ihres Wortsinns zu verleihen, braucht es schon deutlich mehr Schub. Die Bullen dürfen es zwar schon als kleinen Erfolg verbuchen, dass es nicht zu einem Test der 5.442 Punkte kam und sie schon bei 5.461 Punkten dagegenhielten. Der technischen Gegenbewegung von gestern muss aber jetzt in jedem Fall ein Anstieg über 5.610 und ein Schlusskurs im Bereich oberhalb von 5.700 Punkten folgen. Alles andere bleibt reine Kosmetik und belässt den Bären alle Chancen.
Es gilt also nach wie vor: Fällt die Unterstützung bei 5.442 Punkten doch noch, stehen Indexstände von 5.300 oder 5.200 Punkten auf dem Programm. Kommt es zu einem weiteren Schlusskurs um oder unter 5.500 Punkten, ab er oberhalb von 5.442 Punkten könnte damit die Voraussetzung für eine kleine kurzfristige Wendeformation geschaffen werden. Auch wenn es noch gut für die Bären aussieht, die Gefahr einer klassischen Bärenfalle ist nicht von der Hand zu weisen.
US-Konsumentenstimmung im Fokus
Ist der US-Verbraucher tatsächlich für lange Zeit außer Gefecht gesetzt? Keine Frage die Arbeitslosenzahlen haben der jahrelangen Stütze der Weltwirtschaft tatsächlich hart zugesetzt. Doch trotzdem überraschte die leicht erwachende Konsumfreudigkeit der US-Verbraucher zur Jahresmitte. Hatten diese nicht ihre Sparquoten erheblich nach oben geschraubt? Die grundsätzliche Neigung der US-Bürger zum konsumieren wird trotz knapper Kassen nicht so schnell verschwinden. Das sich aber ausgerechnet zu Weihnachten ein neuer Kaufrausch entwickelt ist er unwahrscheinlich.
Um das zu erreichen, müssen sich die mittelfristigen Aussichten der US-Wirtschaft erst wieder verbessern. Hierzu werden aber noch einige Monate ins Land ziehen. Deshalb gehen Analysten sowohl bei den Konsumentenausgaben im September als auch beim der Verbraucherstimmung, erhoben durch die Uni Michigan, von leichten Rückgängen aus. Nach den enttäuschenden Konjunkturzahlen zu Wochenbeginn wird das die Märkte wohl nicht mehr schrecken.
Konjunkturdaten: 11.00: EU: Arbeitslosenquote Oktober; USA: 13.30 Uhr: Konsumausgaben September, 14.45 Uhr: Einkaufsmanagerindex Chicago Oktober, 15.00 Uhr: Verbraucherstimmung Uni Michigan.
Unternehmenszahlen: Zahlen (Q3): Sanofi-Aventis, Samsung, Sony (Q2).
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 5.414; 5.442; 5.557
Widerstände: 5.610; 5.624; 5.695
Viel Glück, Erfolg und ein schönes Wochenende!
Andreas Wolf
