DAX: Erneuter Ausbruchsversuch
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 20. März 2009, 08:00 Uhr
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Gestern war die Entschlossenheit der Bullen, das Blatt zu ihren Gunsten zu wenden, schon deutlich stärker zu spüren. Hoch- und Tiefpunkt (4.137 und 4.002 Punkte) lagen diesmal deutlich über jenen der Vortage. Auch wenn es am Ende immer noch nicht zu einem Schlusskurs oberhalb von 4.060 Punkten gereicht hat, so bleibt die Chance auf einen Ausbruch nach oben weiterhin erhalten. Die meisten Investoren fragen sich, warum ausgerechnet der Ankauf von Wertpapiern und Anleihen durch die US-Notenbank den Aktienmärkten einen stärkeren Impuls verliehen hat. Die Antwort liegt in dem geplanten Umfang der Maßnahme: Über 1 Billion US-Dollar will die Federal Reserve in den Kreditmarkt pumpen, dagegen verblassen alle bisherigen Konjunkturprogramme. Diese sehr aggressive Art der Liquiditätserhöhung soll eine Deflation verhindern und für Inflation sorgen. Es kann kaum ein Zweifel daran bestehen, dass dieses Ziel mit dem jetzt verkündeten Vorgehen in absehbarer Zeit erreicht wird.
Geld- und Kreditkreislauf kommt wieder in Gang
Damit überlässt es die Welt wieder ganz allein den USA, die danieder liegende Weltwirtschaft wiederzubeleben. Die zusätzlichen Mittel, die sehr bald an den Kapitalmärkten nach Anlage suchen werden, haben entsprechend ihren Preis. Die eingeleitete, massive Abwertung des US-Dollar entwertet die Schulden in dieser Währung, während Schuldner in Euro auf der Schattenseite stehen. Zudem brechen den europäischen Exportwerten durch den teuren Euro noch mehr Aufträge weg. Was für die Realwirtschaft zunächst besonders übel ist, finden die Aktienmärkte zunächst einmal gar nicht so schlecht. Sucht Kapital aus den USA nämlich nach Anlagemöglichkeiten, ist der DAX eine der ersten Adressen. Die EZB wird aber dem Spiel der Amerikaner nicht lange zuschauen können, denn der politische und soziale Druck, es den USA gleich zu tun, wird in den nächsten Monaten immens zunehmen. Der Abwertungswettlauf ist also in vollem Gange und je nachdem, wessen Währung besonders niedrig bewertet wird, dessen Aktienmarkt darf sich als Sieger fühlen. Der deutsche und der Hongkonger Aktienmarkt gelten dabei im leichten Zeitverzug als Hebelmärkte zu den USA.
Bären wehren sich noch mit Händen und Füßen
Der Aufwärtsdruck im DAX nimmt immer stärker zu. Wie Eingangs schon beschrieben, konnten die Bären einen Ausbruchsversuch gestern gerade noch einmal abwehren. Immer noch hat die Aufwärtsdynamik des MACD aber nicht abgenommen und auch der Coppock-Indikator deutet keine Ermüdungserscheinung an. Der Ball liegt also nach wie vor im Feld der Bullen. Vorsicht ist aufgrund des heutigen großen Verfallstermins von Optionen und Futures nach wie vor angebracht. Ein Ausbruch aus der Handelsspanne muss nachhaltig sein, das heißt selbst wenn der DAX am Montag und Dienstag bei 4.200 Punkten notiert oder leicht darüber, dann kann das immer noch ein Fehlsignal sein. Erst wenn auch der Mittwoch und Donnerstag in der nächsten Woche noch positiv sind, haben die Bären kurzfristig kapituliert. Konservativ eingestellte Gemüter müssen jetzt nicht aktiv werden, in der Regel reicht es auch den Beginn des Aprils abzuwarten. Er gehört zu einen der besten Börsenmonate im Jahr.
Verschnaufpause bei Bilanzen und Konjunkturzahlen
Nach der Flut von Bilanz-und Konjunkturzahlen im Verlaufe der zurückliegenden Woche gönnt sich der Markt heute eine kleine Verschnaufpause. Lediglich die Handelsbilanz aus dem Euroraum fürdem Monat Januar wird für ein wenig Aufmerksamkeit sorgen, denn die Einbrüche bei den Auftragseingängen lassen mit Sicherheit nichts Gutes von dieser Seite erwarten. Den Euro wird's kaum wehtun, beeindruckt doch noch immer der baldige Dollar-Segen seitens der US-Notenbank.
Vom Versicherer Generali erhoffen sich die Investoren Antworten zu künftigen Neuordnung im europäischen Versicherungsgefüge. Die Italiener sind als eine der Wenigen bisher ohne größere bilanzielle Blessuren durch die Finanzkrise gekommen. Die Vielzahl vieler günstig bewerteter Wettbewerber könnte der Vorstand zu weiteren Übernahmen verleiten. Zwar wird das auf einer Bilanzpressekonferenz selten so direkt gesagt, aber zwischen den Zeilen lesen lohnt sich. Die Pharmabranche führt gerade vor, wie konsequent die Platzhirsche die Schwäche der Kleinen ausnutzen.
Konjunkturdaten: EU: 11.00 Uhr : Handelsbilanz Euroraum Januar
Unternehmen: Q4 Zahlen: Generali
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 3.912; 3.945; 3.983
Widerstände: 4.053; 4.127; 4.240
Viel Glück, Erfolg und ein schönes Wochenende!
Andreas Wolf
