DAX: Erneute Konsolidierung oder Durchmarsch?
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 25. März 2009, 08:00 Uhr
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Der DAX hat sich gestern wacker geschlagen. Einen Großteil der Wall Street-Zuwächse vom Montag konnten die Bullen noch in der Sitzung am selben Tag verarbeiten. Dass nach den extremen Tagesgewinnen die US-Anleger am nächsten Tag gerne einmal wieder Gewinne mitnehmen ist durchaus verständlich. Setzte man die Korrektur vom Dienstag ins Verhältnis zu den Zuwächsen des Vortages, wird deutlich, welch starker Impuls der Plan von US-Finanzminister Geithner zur Lösung der Finanzkrise erbracht hat. Dennoch war zu erwarten, dass der deutsche Standardwerte-Index es im ersten Anlauf nicht über den Widerstand bei 4.240 Punkten schaffen würde, denn die besonders misstrauischen DAX-Investoren würden doch gerne noch eine Bestätigung des starken Aufwärtsimpulses sehen. Ein Durchmarsch bis in den Bereich um 4.400 Punkte erscheint deshalb kurzfristig unwahrscheinlich. Der Schlusskurs deutlich unterhalb von 4.200 Punkten lässt den Bären also noch die Chance, das Rad ein klein wenig zu ihren Gunsten zurückzudrehen.
VDAX unter 40 Prozent
Der VDAX-New hat gestern die Marke von 40 Prozent unterschritten. Um daraus ein nachhaltiges Signal abzuleiten, gilt aber das gleiche wie bei der Entwicklung anderer Basiswerte. Zunächst muss das Absinken der Volatilität auf das tiefste Niveau seit Oktober vergangenen Jahres durch eine Fortsetzung des Trends in den nächsten beiden Tagen abgewartet werden. Springt der VDAX hingegen wieder deutlich über die 40-Prozent-Marke zurück, wird das mit einem kräftigen Rückschlag beim DAX einhergehen. Die Diskussion darüber welcher Währungsraum derzeit instabiler ist, Europa oder die USA, hat gestern Abend durch den überraschten Sturz der tschechischen Regierung neue Nahrung erhalten. Tschechien hat zurzeit die Ratspräsidentschaft in der EU inne, der Eindruck der Handlungsunfähigkeit könnte entstehen. Dies könnte Anlass für eine kleine Korrektur im DAX bieten, die der Euro schon eingeleitet hat. Mehr als zwei oder drei Tage wird die Aufgeregtheit aber nicht andauern, dann werden die Amerikaner mit Kommentaren zur scharfen Inflationierung des US-Dollars wieder die Führung im Abwertungswettlauf übernehmen.
Terminmarkteinflüsse lassen nach
Nachdem die Einflüsse des Terminverfalls vom vergangenen Freitag heute endgültig nachlassen dürften, wird sich zeigen, auf welchem Fundament die jüngste Rallye im DAX gründet. Die schwachen Vorgaben der Wall Street und die beschriebene Verunsicherung über die politische EU-Führung spielen den Bären dabei in die Hände. Welchen Beitrag der ifo-Geschäftsklimaindex leisten kann, wird sich zeigen. Für die Bullen gilt es in jedem Fall den Unterstützungsbereich zwischen 4.053 und 4.127 Punkten zu verteidigen. Die Indikatoren MACD und Coppock zeigen noch keine Ermüdungserscheinungen, überschreitet der MACD heute seine 0-Achse, wird ein Kaufsignal ausgesendet. Erst wenn die Bullen den Widerstandsbereich zwischen 4.200 und 4.240 Punkten nachhaltig hinter sich lassen können, setzt sich die Rallye rasch bis 4.400/4.430 Punkte fort.
Zahlen von TUI, Hochtief und Rheinmetall
Noch im Januar gab sich die Tourismusbranche wenig beeindruckt von der heranziehenden Wirtschaftskrise und sinnierte sogar über Preiserhöhungen für die neue Buchungssaison. Nur knapp zwei Monate nach diesen Aussagen klangen die Töne auf der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin schon wesentlich defensiver. Der MDAX-Titel TUI, der heute seine Jahresbilanz 2008 sowie seinen Ausblick für den Geschäftsverlauf des Jahres 2009 vorstellt, hat deshalb schon erhebliche Kürzungen seiner Kapazitäten und eine engere Zusammenarbeit mit der Fluggesellschaft Air Berlin angekündigt. Damit steht die Reisebranche nur fünf Jahre nach der letzten Konsolidierungsrunde vor einem erneuten Schrumpfungsprozess. Mit steigender Arbeitslosigkeit werden die Buchungsraten deutlich zurückgehen. Auch TUI wird sich etwas einfallen lassen müssen, um die Kunden von einer Urlaubsreise auch in schwierigen Zeiten zu überzeugen.
Die Aktie von Rheinmetall hat sich im Laufe der vergangenen zwölf Monate halbiert, die Auftragslage gestaltet sich aber beim dem Hersteller von Industrie-und Rüstungsgütern noch deutlich besser als bei manch anderem Maschinenbauer. Traut sich der Vorstand eine brauchbare, nicht zu verhaltene Prognose zu, könnte das dem Aktienkurs zu etwas Leben verhelfen.
Stimmungsbild durch Ifo-Geschäftsklima-Index
Der Veröffentlichung des Ifo-Geschäftsklimaindex für den März stellt das heutige Highlight für den deutschen Aktienmarkt dar. Die Erwartung der befragten Analysten liegt auf sehr niedrigem Niveau, denn sie gehen von einem weiteren Rückgang auf 82,2 Punkte aus. Im Februar war der Indikator mit einem Wert von 82,6 Punkten auf den niedrigsten Stand seit 26 Jahren gefallen. Nun könnte man annehmen, ganz entsprechend der vielen schlechten Nachrichten aus dem Banken-und Autosektor wäre ein Fortsetzung des Abwärtstrends nur folgerichtig. Doch Vorsicht: Wie gestern bereits die Einkaufsmanager könnten auch die beim ifo befragten verantwortlichen Unternehmen bereits schon wieder ein wenig Licht am Ende des Tunnels sehen. Das Zauberwort lautet Abwrackprämie und hat den Gewerbetreibenden ein wenig Zuversicht zurückgegeben. Zudem dürften sich die zusätzlichen Kreditangebote der Bundesregierung über die KfW ebenfalls positiv auf die Stimmung der Unternehmen ausgewirkt haben. Es ist daher anzunehmen, dass der ifo-Index in den nächsten zwei bis drei Monaten seinen Abwärtstrend beendet und zu einer stärkeren Erholung ansetzt.
Konjunkturdaten: DE: 10.00 Uhr: ifo-Geschäftsklimaindex März USA: 14.30 Uhr Auftragseingänge für langlebige Güter
Unternehmen: Jahreszahlen: Rheinmetall, Hochtief, TUI
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 3.983; 4.053; 4.127
Widerstände: 4.203; 4.240; 4.331
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
