DAX: Endlich eine Chance für Schnäppchenjäger
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 2. September 2009, 08:00 Uhr
ENL5454
Mit China hat das, was sich gestern im DAX abspielte, nicht wirklich etwas zu tun. Wenn sich ab einem bestimmten Niveau keine Käufer mehr im Markt finden, gewinnen kurzfristig die Verkäufer die Oberhand. Genau dieser technische Aspekt hat sich nun entfaltet, die Schwankungen an der chinesischen Börse waren da nur ein kleiner unwesentlicher Faktor, um den Bären einmal mehr eine Bühne für ihren Auftritt zu bereiten. Nicht lange konnte sich der DAX noch über der Marke von 5.500 Punkten aufhalten, dann ging es auch schon erwartungsgemäß abwärts in Richtung 5.400 Punkte. Wie gesagt, ein fundamentaler Grund lag für den Kursrutsch lag nicht vor. Der Handel folgte rein technischen Aspekten, im Bereich von 5.380 und 5.400 Punkten schien sich ebenfalls erwartungsgemäß eine Stabilisierung abzuzeichnen. Die Abverkaufswelle nach dem überraschend guten US-Einkaufsmanagerindex machte diese Hoffnung aber zunichte.
Die überaus guten US-Konjunkturindikatoren bringen nicht nur eine Zins-, sondern auch eine Inflationsdiskussion in Gang, die vor einer Woche noch weit weg schien. Es gehört aber zu der Eigenheit der Märkte, bereits Szenarien durchzuspielen, die andernorts noch für unmöglich gehalten werden. Den Rentenmarkt lässt diese belastende These aber zumindest noch kalt. Bei Gold regte sich hingegen ein kleines Intraday-Reversal. Es könnte also sein, dass der US-Dollar doch bald noch stärkeren Belastungen ausgesetzt wird.
Infineon definitiv wieder im DAX
Eine Reise in die Vergangenheit dürfen die Marktteilnehmer bei der DAX-Zusammensetzung machen. Wenn sich der Arbeitskreis Indexzusammensetzung der Deutschen Börse heute zu seiner turnusmäßigen Sitzung trifft, stehen viele Veränderungen mit Wirksamkeit 21. September schon fest. Herausragendes Ereignis ist die Rolle rückwärts der jüngsten DAX-Veränderung. Infineon wird die Hannover Rück wieder zurück in den MDAX schicken und deren Platz einnehmen.
Für die Deutsche Börse ist das Projekt „Stabile Zusammensetzung" damit erst einmal gescheitert. Die neuen Regeln sind gegen die erhöhte Volatilität bei Aktien machtlos. Von einer kurzfristigen Abänderung des Regelwerkes zugunsten einer gewissen Kontinuität ist nicht auszugehen, so dass die Zeiten für Fondsmanager, die sich an der Zusammensetzung orientieren müssen, unruhig bleiben. Klappt Infineon im nächsten halben Jahr wieder zusammen geht das Spielchen wieder von vorne los. Kein Ruhmesblatt für die Deutsche Börse.
Nicht täuschen lassen
Ein Abschlag von 2,5 Prozent hat schon etwas Beeindruckendes an sich, doch sollten sich Investoren nicht täuschen lassen, der seit März gültige Aufwärtstrend ist noch allemal intakt. Bei knapp 4.900 Punkten wird es erst gefährlich, zumindest auf Sicht der nächsten beiden Tage ist mit einem solchen Kursniveau aber nicht zu rechnen. Dem gestrigen Abschlag sollte zunächst einmal wieder eine Aufwärtsreaktion folgen, die es von ihrem Umgang durchaus bis 5.400 Punkte schaffen kann. Erst in deren Anschluss könnte es noch weiter bis 5.180 Punkte abwärts gehen.
Spätestens ab da werden die Bullen ihre nächste Chance suchen, den DAX doch noch in Richtung 6.000 Punkte zu katapultieren. Die für eine solche Bewegung notwendigen Grundlagen habe ich in den vergangenen Tagen benannt, an ihrer Gültigkeit hat sich nichts geändert.
EU-Finanzminister bereiten G-20-Gipfel vor
Es mag in den Augen vieler Marktbeobachter nicht gerade der wichtigste Termin der Woche sein, aber das Vorbereitungstreffen der EU-Finanzminister zum nächsten G-20 Gipfeltreffen Ende September in Pittsburgh könnte schon ein wenig die Märkte beeinflussen. Immerhin drängen die Europäer, allen voran Franzosen und Deutsche, auf eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte und die Umsetzung der Beschlüsse des Londoner Gipfels Anfang April.
Da nun auch die Briten fest entschlossen erscheinen, der bisherigen Freiheit deutliche Grenzen zu setzen, ist es an Amerikanern und Asiaten, die weltweite Verschärfung der Regulierung zu komplettieren. Es würde allerdings sehr wundern, wenn es tatsächlich zu einer einheitlichen Haltung kommen sollte, den im tiefsten Kern wiederstrebt es den USA, bisherige Vorteile des freien Handels aufzugeben. Es könnten also noch einige Überraschungen auf die Europäer warten.
US-Produktivität legt weiter zu
Die Produktivität der US-Industrie dürfte im August weiter zugelegt haben. Zwar haben die Arbeitslosenzahlen nicht mehr so stark zugelegt, die aktuelle leichte Nachfragebelebung arbeiten die US-Firmen aber mit den vorhandenen Belegschaften ab, Neueinstellungen sind noch kein Thema. Der Druck auf die Lohnstückkosten sollte deshalb ebenso erhalten geblieben sein. Zur Verbesserung der US-Wettbewerbsfähigkeit dürfte die harte Rezession der letzten 18 Monate mehr beigetragen haben, als alle Managementprogramme der fünf Jahre davor. Die Früchte dieser schmerzhaften Auslesepolitik werden sich im Laufe des nächsten Jahres an den Unternehmensergebnissen ablesen lassen.
Konjunkturdaten: USA: 14.30 Uhr: Auftragseingänge Industrie (August), Produktivität und Lohnstückkosten (August).
Unternehmenszahlen: ---------------
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 5.177; 5.223; 5.269
Widerstände: 5.351; 5.383; 5.444
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf