DAX: Ein Zuckerl für die Bären
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 22. September 2009, 08:00 Uhr
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Lange haben die Bullen die Bären zappeln lassen, erst in der letzten halben Handelsstunde machten sie ihnen ein kleines Garaus. Wie erwartet schloss sich an den relativ schwankungsarmen Terminverfall eine größere Bewegung an, die die Bären zunächst auf ihrer Habenseite verbuchen durften. Im Endeffekt entwickelten sie aber nicht genug Kraft, um die Bullen zum Wochenanfang ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Der Angriff der Bären dürfte durch die Gegenwehr der Bullen zum Handelsschluss aber noch nicht beendet sein. Es blieb unter dem Strich das erste größere Minus seit fast drei Wochen. Dies gilt es zu beachten.
Die meisten Marktteilnehmer betrachten die eingeleitete Konsolidierung allerdings wohl nicht als sehr nachhaltig, denn anders lassen sich die kräftigen Kursgewinne der letzten halben Stunde nicht interpretieren. Weder im Branchenbereich noch bei Einzeltiteln ließen sich naturgemäß Gründe für stärkere Kurseinbußen finden. Einzig der im Anschluss an den Terminverfall stattfindende Bereinigungsprozess erklärt den einen oder anderen größeren Ausschlag.
Nachrichtenarme Zeit- Analystenzeit
Wenn sich wirklich keine neuen Nachrichten zu Unternehmen finden, fallen die sonst nicht so ergiebigen Analysteneinstufungen bei Einzeltiteln ins Gewicht. Die Kursverluste von K+S, Thyssen Krupp und Salzgitter litten unter Herabstufungen, so zumindest die offizielle Version der meisten Börsenkommentatoren. In Wahrheit haben die zitierten Einstufungen kaum großen Einfluss auf die Börsenkurse, denn institutionelle Investoren bedienen sich einer eignen Research-Quelle.
Als zweites kommt natürlich gerne der Begriff „Gewinnmitnahmen" auf das Tableau. Allerdings waren die Sprünge in der letzten Woche nicht so hoch, dass dies automatisch Gewinnmitnahmen nach sich ziehen müsste. Ursache für den kleinen Kursknick sind neben dem Ende des Terminverfalls strategische Erwägungen im Hinblick auf die Bundestageswahl.
Mehr als eine Minikorrektur?
An der Unterstützungszone 5.606/5.624 Punkten bissen sich die Bären zumindest gestern die Zähne aus. Mehr als ein kurzer Ausrutscher bis auf Tagestief bei 5.617 Punkten gelang ihnen nicht. Nach wie vor gilt diese Unterstützung als Schlüsselstelle für einen Wechsel von einer Konsolidierung zu einer Korrektur. Die späte Erholung kann zwar prinzipiell als positiv bewertet werden, nur ein schneller Sprung über 5.700 Punkte wendet das Blatt nun kurzfristig aber wieder zugunsten der Bullen. Als dritte Variante kommt eine Seitwärtsbewegung auf aktuellem Niveau infrage.
Dieses Szenario halte ich auf Sicht der nächsten Tage auch für das Wahrscheinlichste. Weder die US-Notenbank-Sitzung noch der G-20-Gipfel werden den Märkten wirklich den Wind aus den Segeln nehmen können. Und die Mehrheit der ausländischen Investoren wird sich kaum vor der Wahlentscheidung zu weit aus dem Fenster lehnen. Eine 100-Punkte-Seitwärtsrange zwischen 5.606 und 5.700 Punkte hätte also zunächst gute Chancen sich zu etablieren.
US-Notenbank startet Sitzung zum Zinsentscheid
Eigentlich haben die Begriffe US-Notenbank und Zinsentscheid in den vergangenen Monaten so gar nichts mehr gemeinsam. Nachdem die Federal Reserve die Zinsen im Verlauf dieses auf nahe 0 Prozent gesenkt hat, geht es bei den Treffen lediglich um die Frage, wann die Notenbanker die Zügel wieder anziehen werden. So sehr sich die Marktbeobachter auch bemühen, ein baldiges Ende der Niedrigzinspolitik auszurufen, die Notenbank wir ihnen den Gefallen nicht tun. Alle Begründungen für eine mögliche Zinsanhebung laufen fehl.
Nur eine nachhaltige Wende am Arbeitsmarkt und bei der Bewertung von Immobilien wird die Federal Reserve aktiv werden lassen. Kommentare einzelner Mitglieder des Entscheidungsgremiums zünden zwar immer wieder diverse rhetorische Nebelkerzen, um die Abwertung des US-Dollars nicht ausufern zu lassen, im Zweifel handelt die Fed aber aktuell nach der Maxime des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Helmut Schmidt aus den siebziger Jahren: Lieber fünf Prozent Inflation als 10 Prozent Arbeitslosigkeit.
Ein Zurückfahren der zusätzliche Liquiditätsmaßnahmen wie den Ankauf von Staats-und Unternehmensanleihen sollte man deshalb nicht als den Beginn einer Zinswende fehlinterpretieren. Noch ist die US-Wirtschaft nur im Anfangsprozess einer Erholung, eine mittelfristige Stabilisierung steht noch aus. Das weiß auch Fed-Chef Ben Bernanke.
Konjunkturdaten: Beginn der zinspolitischen Sitzung der US-Notenbank (bis Mittwoch)
Unternehmenszahlen: -------------
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 5.557; 5.624, 5.653
Widerstände: 5.701, 5.776; 5.853
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
