Dax: Das warten hat kein Ende
Till Kleinlein in Investors Daily zum Thema Dax 30
vom 12. März 2010, 18:00 Uhr
ENL5462
Lieber Leser des Investors Daily,
wie mir so erging es vielen Marktteilnehmern an den vergangenen Handelstagen. So ungeduldig man den Frühling herbeisehnt, so überfällig ist in den Augen vieler Trader eine Korrekturbewegung. Meteorologischer Frühlingsanfang hin oder her: Heute hat es wieder geschneit. Und auch für nächste Woche, wenn der offizielle, der kalendarische Frühling beginnt, soll sich am gegenwärtigen Schmuddelwetter nichts ändern. Daran können wir nichts ändern, was auch jeder Leidensgenosse akzeptiert - ein paar wenige finden ja immer noch Gefallen am Winterwetter. Nichts anderes bleibt uns auch an der Börse übrig: Akzeptieren wir also einfach, dass der Long-Modus noch immer aktiv ist.
Immer auf dem Sprung zu sein, um den Markt zu shorten, es aber nicht zu tun, dass kostet Nerven und macht mürbe. Noch schlimmer war es natürlich, wenn man seinem Bauchgefühl nachgab und gegen den vorherrschenden Trend Short-Trades einging. Da haben sich in den letzten Wochen einige Trader die Finger verbrannt. Erkennen Sie an, dass nicht sie oder jemand anderes den Startschuss für die Korrektur abgibt, sondern nur der Markt selbst. Legen Sie sich auf die Lauer und handeln Sie ganz unvoreingenommen nur das, was das Chartbild hergibt.
Dax - 30-Minuten-Chart (Quelle: CFX Trader)
Dax (DAX.I): Nur 10 Punkte trennten die bullisch eingestellten Marktteilnehmer von ihrem Ziel.
Eine wichtige Kursmarke, die erst heute Vormittag von den Bullen erobert wurde, musste am Nachmittag schon wieder aufgegeben werden. Vielmehr als an der Unterstützungslinie bei 5.952 Punkten ist der deutsche Leitindex aber bei 5.910 und 5.865/60 Punkten abgesichert. Letztgenannte Unterstützungszone ist umso bedeutender, da spätestens mit deren Bruch die von den Bären so lange erwartete Korrektur eingeleitet werden würde. Gibt diese Kurs-Zone dem Drängen der Bären nach, dann wird es auf Wochensicht nur einen Sieger geben: Das Raubtier mit den scharfen Krallen!
Eine baldige Rückeroberung des Widerstands bei 5.952 Punkten, wird dafür sorgen, dass es schon nächste Woche einen weiteren Versuch geben wird, die 6.000er-Marke zu knacken. Dann mit hoher Wahrscheinlichkeit auch erfolgreich! Danach gibt es zwei Möglichkeiten, wobei ich die erste Variante für wahrscheinlicher erachte: Mit dem Erreichen der magischen 6.000er-Marke könnten viele Marktteilnehmer, die erst vor wenigen Tagen eingestiegen sind, Kasse machen und damit endlich den Weg für eine Korrekturbewegung freimachen. Geben sich die Bullen aber mit dem einen Erfolgserlebnis nicht zufrieden, dann müssen die bärisch eingestellten Marktteilnehmer wohl noch warten, bis auch noch das Jahreshoch bei 6.094 Punkten angelaufen wurde.
Ein erholsames Wochenende wünscht Ihnen
Till Kleinlein
Chefredakteur CFX Trader Kolumne
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Werner Obermueller (12.03. 2010 19:37 Uhr):
Die Aktienblase – von Micro zur Macrobetrachtung Betrachtet man sich den Anstieg der Weltbörsen in den letzten Monaten, zeigt sich, dass wir offensichtlich nichts dazugelernt haben. Die Krise, der Kurseinbruch der Weltbörsen ist scheinbar schon wieder vergessen, und die Trader der Fonds und Investmentbanken gehen zur Tageordnung über als ob nie etwas geschehen ist. Großartig wird argumentiert, dass die Firmen ihre Hausaufgaben gemacht haben, Personal entlassen wurde, und daher die Gewinnerwartungen deutlich höher gesetzt werden können, sodass sich mühelos hohe Kursziele daraus darstellen lassen. Also lautet das Motto der Investmentbanker – Kurse rauf – denn bekommen wir wieder Geld von den vielen Kleinanlegern. Hausaufgaben wird gleichgesetzt mit Personalentlassungen, Kurzarbeit, Produktionsauslagerungen, dies wird gelobt. Die Gewerkschaften fordern höhere Löhne damit die preisspirale einigermaßen ausgeglichen werden kann, und der Staat wird aufgrund der vielen Zahlungen an die Banken und Konjunkturpakten höhere Steuern auferlegen. Fast jedes Unternehmen hat Personal abgebaut, oder Personalkosten durch Kurzarbeit dem Staat überwälzt, der Mikrobereich kurzfristig in Ordnung gebracht, aber dadurch den Makrobereich – die Volkswirtschaft – geschädigt. Eine höhere Zahl an Arbeitslosen schlägt sich aber auf die Kaufkraft über, so dass einige Monate verzögert – die Konsumneigung abnimmt, so dass die Absatzpläne der meisten Unternehmen wiederum revidiert werden müssen. Eine höhere Arbeitslosenquote führt aber auch zu einer gewaltigen Budgetbelastung bei den Staatshaushalten, so dass einer drohenden Zahlungsunfähigkeit nur mit einer höheren Steuerbelastung begegnet werden kann, und diese führt wie wir alle wissen wiederum zu einer Konsumreduktion. Es mag schon sein, dass in einigen Branchen dieser Prozess erst zeitverzögert eintritt, Entziehen kann sich dem jedoch kein Unternehmen. Dazu kommt noch, dass die Tigerstaaten wie China, Korea,….und auch Indien mit unverminderter Schnelligkeit den Industriesektor ausbauen um dem Problem der Arbeitslosigkeit Herr zu werden. Der Lohkostenvergleich zwischen den EU Staaten und den Asienstaaten zeigt wie gewaltig wir hinterherhinken; wie chancenlos die EU Staaten sind. Die Arbeitsplätze werden weiter abwandern. Dies sind Fakten und keine philosophischen Betrachtungen Zurück zum Aktienmarkt – nun soll mir einmal ein Analyst erklären warum die Aktienkurse steigen !
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