Dax: Bullen und Bären unentschieden (oder vielmehr unentschlossen)
Tom Firley in Investors Daily zum Thema Dax 30
vom 4. Dezember 2008, 18:00 Uhr
ENL5454
Ein Doji entsteht dann, wenn Eröffnung- und Schlusskurs nahe zusammen liegen oder - im Extremfall - identisch sind. Sie erkennen einen Doji an dem quasi nicht vorhandenen „Körper" der Kerze. Weiterhin deutet diese Formation auf Unentschlossenheit im Markt hin.
Positiv ausgedrückt: Bullen und Bären sind ausgeglichen. Negativ ausgedrückt: Keiner versteht aktuell den Markt, nimmt schnelle Gewinne mit oder steigt nervös aus Positionen aus, wenn er leicht im Minus liegt.
Diese „Ausgeglichenheit" wird untermalt von der Anzahl der Gewinner und Verlierer im Dax, diese lag ebenso bei 50% (15 Gewinner, 15 Verlierer).
EZB mit historisch hoher Zinssenkung
„Eigentlich" hätten wir uns von solch einem denkwürdigen Tag eine klarere Richtung erwartet. Schließlich senkte die EZB heute erstmals den Leitzins um 75 Basispunkte auf 2,5 Prozent. Und das gab es seit Bestehen der EZB noch nie. In der Regel wurden die Zinsen um 25 oder 50 Basispunkte gesenkt.
Dieser für die Börse eigentlich positiver Schritt wurde aber gleichzeitig von düsteren Prognosen für das Jahr 2009 seitens der EZB-Ökonomen relativiert. Im kommenden Jahr sehen die Experten einen weiteren wirtschaftlichen Rückgang.
Und wiederum „eigentlich" hätte diese Aussage zu weiter fallenden Kursen führen müssen. Der Punkt ist aber:
Eigentlich gibt es kein „eigentlich" mehr an der Börse. Fraglich ist, ob dieses Wort überhaupt zu Miss Börse passt, denn wirklich durchschaubar war sie (eigentlich...) noch nie und wird sie nie werden.
Weder für Analysten (die vollkommen überzogene Kursziele wieder fröhlich revidieren), noch für Bären-Experten (die bereits 2005 das Ende der Welt herauf beschwörten und damit 4000 Dax-Punkte verpennt haben) und auch nicht für die Perma-Bullen (die nicht müde wurden und werden, alle paar Tage die Trendwende einzuläuten).
Für jeden bleibt die Börse ein Mysterium.
Was wir machen können, ist Wahrscheinlichkeiten zu nutzen und Trends (egal ob kurz- oder langfristig) auszuloten. Und wenn wir wissen, dass aktuell kurzfristig kein Trend vorhanden ist, dann sind wir doch eigentlich um eine Erkenntnis reicher. Den langfristigen Trend zeigt uns einmal mehr der Blick auf den Chart und auch mein favorisierter 256-Tage-GD (roter Verlauf)
Bleiben Sie vorsichtig.
Tom Firley

