DAX: Bullen bleiben am Drücker
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 13. März 2009, 08:00 Uhr
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Fast identisch zum Handelsverlauf am Mittwoch zeichnete sich gestern das Bild im DAX. Erneut wurde der zu Beginn der Woche überschrittene Widerstandbereich (3.820/3.830 Punkte) als neue Unterstützungszone am Vormittag erfolgreich getestet. Wie schon mehrfach auch in diesem Kommentar beschrieben führt der DAX aktuell absolut kein Eigenleben, der Blick ist auch schon am Vormittag auf die Wall Street gerichtet. Die indikative Verlässlichkeit der US-Futures hat aber schon vielen Investoren einen Strich durch die Rechnung gemacht. Bewegen sich diese am Vormittag noch tief im Minus, so ist eine plötzliche Trendwende am Nachmittag keine Seltenheit. Die aktuellen Konsolidierungen im kurzfristigen Aufwärtstrend verlaufen auf Stundenbasis, dies ist ein starkes Argument für die Bullen und sollte den Bären zu denken geben. Ein kleiner Haken findet sich aber an dem ansonsten positiven Bild noch. Der DAX schaffte es gestern im Vergleich zum Vortag nicht ein neues Hoch (Tageshoch: 3.971 Punkte) zu setzen, unterschritt aber das Vortagestief vom Vortag (Tagestief 3.802 Punkte) um 10 Punkte. Dieses Verhalten sollte sich morgen deutlich ändern.
Dominanter Einfluss der Finanzaktien
Um nicht wieder nach unten wegzukippen wäre es wünschenswert, dass der DAX den Kursanstieg noch auf eine breitere Basis stellt. Die aktuelle Dominanz der Finanzaktien im Rahmen des jüngsten Anstiegs überrascht zwar nicht, waren sie doch schließlich auch der Auslöser für den Kursrutsch unter 4.000 Punkte. Wenn aber andere Schwergewichte wie Versorger- oder Chemie-Titel jetzt nicht bald nachziehen ist das Ende der Bärenmarktrallye schnell abzusehen. Da auch Titel wie BASF aber wohl noch ganz andere Abrechnungspreise am 20. März sehen werden, als es der aktuelle Aktienkurs das unterstellt, könnte die Marktbreite in den nächsten Tagen also tatsächlich noch zunehmen.
Bullen unter Zugzwang
Nach den Vorgaben aus den USA sind die Bullen heute fraglos unter Zugzwang. Gelingt der ansatzlose Start oberhalb der 4.000er Marke geht es schnurstracks in Richtung 4.127 und mit einer weiteren kleinen Pause in Richtung 4.240 Punkte. Scheitern die Bullen hingegen erneut an der 4.000er Marke, wird sich recht schnell eine Verkaufswelle bis 3.800 Punkte anschließen. Den Bären würde dies Variante dann aber schon in ein paar Tagen die Chance auf neue Verlaufs-Tiefs bieten. Achten Sie in diesem Zusammenhang unbedingt auf den VDAX-New. Das Schwankungsbarometer das die Schwankungsintensität des DAX für die nächsten 30 Tage prognostiziert, ist mittlerweile wieder auf 43 Prozent gefallen. Werden 40 Prozent nachhaltig unterschritten, würde dies auf weiteres Aufwärtspotential hinweisen.
Allianz nimmt Stellung
Und noch ein DAX-Titel den es in dieser Woche zur Mitteilsamkeit drängt. Nach den durch die Dresdner Bank schlecht beeinflussten negativen Zahlen für das vierte Quartal geht es heute um die gesamte Jahresbilanz 2008 sowie den Ausblick 2009. Bereits in vor zwei Wochen hat der Münchner Versicherungsriese klar gemacht, dass er bei weitem nicht so negativ für den Ausblick im Jahr 2009 gestimmt ist wie ein Großteil der Branche. Nicht gerade verwunderlich, denn auch wenn viele Bundesbürger auch einmal bei den Versicherungsprämien nachrechnen müssen, der Trend zur umfangreichen, individuellen Absicherung wird gerade in Krisenzeiten sich nicht abschwächen. Zudem bietet das Unternehmen auch zahlreiche sehr konservative Anlageformen an, deren Beliebtheit in nächster Zeit auch nicht gerade sinkt. Nach dem Kursaufschlag vor zwei Wochen muss der Vorstand den Investoren aber heute noch was Besonderes bieten, um einen ähnlichen Effekt zu erzielen. Verläuft sich der Vorstand hingegen in Allgemeinplatitüden, wird das der Aktienkurs zu spüren bekommen
Veröffentlichung des Verbrauchervertrauens in den USA
Hat Barrack Obama schon Eindruck bei den US-Verbrauchern hinterlassen? Die Antwort kann heute die Universität Michigan mit ihrem Verbrauchervertrauen für den Monat März geben. Der Durchschnitt der Analysten erwartet allerdings eher einen moderaten Rückgang von 56,2 auf 55 Punkte. Sollte es so kommen, wird sich das wohl kaum eine Reaktion der Märkte provozieren. Das das Vertrauen derzeit am Boden liegt stellt vom Grundsatz her keine Neuigkeit dar, eine Trendwende wäre schon etwas anderes. Diese positive Nachricht gibt es stattdessen von der Handelsbilanz im Januar, die wegen des sinkenden Konsums der US-Bürger ihr Defizit weiter abgebaut haben dürfte. Erwartet wird ein Rückgang von -39,9 auf -38,1 Milliarden US-Dollar. Ein Abbau der extremen Handelsungleichgewichte gehört nach Ansicht vieler Ökonomen zur einer der Grundvoraussetzungen um künftige Wirtschaftskrisen der aktuellen Art weniger wahrscheinlich werden zu lassen.
Aus Brüssel werden die Ansatzzahlen für die KfZ-Neuzulassungen im Februar gemeldet. Wohl kein Anlass zum Feiern für die Automobilhersteller, dem einen oder andern stark gestiegenen Aktienkurs könnte dass ein willkommener Anlass für eine Konsolidierung sein.
Konjunkturdaten: EU: KfZ-Neuzulassungen in Westeuropa im Februar; USA: 14.55 Uhr Verbrauchervertrauen der Uni Michigan (März), Handelsbilanz (Januar)
Unternehmen: Jahreszahlen: Allianz, ENI
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 3.867; 3.912; 3.945
Widerstände: 3.994; 4.014; 4.127
Viel Glück, Erfolg und ein schönes Wochenende!
Andreas Wolf
