Dax bricht Jahrestief (tiefster Stand seit Februar 1997)
Jochen Steffens in Investors Daily zum Thema Dax 30
vom 18. September 2002 18:00 Uhr
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Na da ist es nun passiert. Der Dax hat als erster der gestern genannten Indices sein Jahrestief gebrochen und steht nun auf einem Niveau von Anfang 1997. Wenn Sie den Markt beobachten, fällt eins auf, die Ansätze zur Erholung werden direkt zu neuen Verkäufen genutzt. Kein wirklich gutes Zeichen. Der September macht seinem Ruf alle Ehre. Im Moment frage ich mich langsam, was muss kommen, um den Markt eine neue Richtung zu geben? Wenn ich mir die einzelnen Daxwerte ansehe, wird mir leicht anders. Allianz heute bei 89 €, Infineon auf 7,95 €, Münchener Rück bei 136 €. Vor einem Jahr waren solche Kurse unvorstellbar. Es hilft alles nichts.
Nun bleibt noch das Jahrestief vom Nasdaq100 bei 856,35 Pkt. Wird das auch gebrochen, dann wird es charttechnisch richtig düster. Andererseits jetzt noch in Bearzertifikate oder Puts investieren? Dann lieber in Goldaktien, oder Emerging Markets. Oder einfach zuschauen und lächeln. Ich kenne viele Trader, die genau das machen: Zuschauen, kleine Intraday Zocks und ansonsten abwarten. Leid tun mir die, die immer noch Long in Aktien stecken. Wie viele Jahre wird es dauern, bis sie ihre Köpfe endlich wieder aus dem Sand ziehen werden, um doch mal genauer hinzuschauen, wo ihr Depot jetzt steht. Ich habe auch noch eine Leiche in meinem Keller liegen. Eine kleine Position DTE Calls, zu klein, um sie zu verkaufen, Laufzeit März 2003; mittlerweile so weit aus dem Geld, dass nicht einmal ein Nachkauf lohnt. Aber legen wir wieder das Leichentuch des Schweigens darüber.
Bis wohin der Dax noch fallen kann? Zur Zeit wird die 2500 gespielt, obwohl der nächste wirklich große Widerstand erst bei 2000 Pkt liegt. Ich selbst sehe das mögliche Tief im schlechtesten Fall bei 2650 Pkt. Es fehlt der klassische Sell Out. Doch wie viel Prozent müsste ein Sell Out machen, um bei der hohen Volatilität als solcher durchzugehen?
Warten wir ab. Zu viele sind wieder zu bearish. Eigentlich ein Kaufsignal. Die Bullen sind weit zurückgeschlagen. Wenn ich heute die amerikanischen Kommentare lesen, ein ähnliches Bild: Düstere Ahnungen und Verbindungen zum 1929 Crash. Eins beruhigt, an den Börsen geschieht selten das, was alle denken. Eines der verlässlichsten Indikatoren. Mich erinnert die Börse zur Zeit ein wenig an März 2000, nur im negativen Sinne. Selbst die seriöseren Börsenteilnehmern ließen sich damals zu unglaublichen Kurszielen verleiten. Die Mitschwimmer konnten sich gar nicht mehr einkriegen vor Euphorie. Erinnern Sie sich noch an MR. Dausend? Ich kann mich des Gefühl nicht erwehren, es ist gerade genauso. Nur umgekehrt. Dow auf 5000 sei noch zu überbewertet, heißt es und der Dax wird auf 2000 Pkt geredet. Solche Szenen sind typisch für Bereiche um Extreme.
Ein wichtiger Indikator fehlt allerdings noch. Ein deutliches Zeichen für eine Wende ist, wenn der Markt auf schlechte Nachrichten anfängt positiv zu reagieren. Wie bereits mehrfach gesagt, wir müssen vielleicht noch den September abwarten.
2 Zeitpunkte sind zu beachten: 1. der Irakkrieg, kommt er, kaufen Sie. 2. Mitte Oktober, auch hier würde ich es wagen, je nachdem wie sich der Markt bis dahin entwickelt hat, Kapital längerfristig einzusetzen. Eins darf man nie, sich der Stimmung im Markt anpassen. Schwimmen Sie gegen den Strom. Hätten Sie es doch im März 2000 getan, also denken Sie dran ...