DAX: Bollinger-Band bremst noch
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 7. April 2009, 08:00 Uhr
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So ganz ohne Konjunkturnachrichten scheinen sich die Anleger an der Börse auch nicht wohl zu fühlen. Zumindest die Widerstandszone 4.430/4.459 Punkte konnte wie schon am Freitag nicht überschritten werden. Als Konsequenz zogen sich die zahlreichen ängstlichen Hände wieder aus dem Markt zurück und überließen den Bären wieder ein Stück des Spielfeldes. Konnte am Freitag noch von einem leicht überkauften Markt sprechen und sich mit dem normalen Gewinnmitnahmeargument behelfen, fällt die Bewertung des zweiten fehlgeschlagenen Versuchs der Bullen, den nächsten Widerstand aus dem Weg zu räumen, deutlich negativer aus. Es ist zwar nicht auszuschließen, dass ein dritter Anlauf heute erfolgreich verlaufen könnte, allerdings wird es nicht viele Marktteilnehmer geben, die das unterstützen werden. Qua der bevorstehenden Osterfeiertage haben sich die Umsätze nämlich deutlich verringert, so dass die Schwankungsanfälligkeit auf kurze Sicht wieder größer geworden ist. Zudem unterbot das gestrige Tagestief jenes vom Freitag, so dass zunächst mit einer Ausweitung der Konsolidierung zu rechnen ist. Vor allem die nachlassende Dynamik bei den Finanzaktien zeigt den Bedarf nach einer Atempause an.
Autos und Banken runter, Industriewerte gefragt
Neben Banken und Versicherungen müssen auch Automobilwerte die Zugewinne der vergangenen Tage verarbeiten. Von einer Trendwende sollte deshalb nicht gesprochen werden, denn es zeichnen sich keinerlei Umkehrformationen auf der Oberseite ab. Eine gewisse Vorsicht im Hinblick auf die startende Quartalssaison ist aber in jedem Fall zu spüren. Ein Comeback erleben hingegen die Industriewerte wie Linde oder Thyssen. Im Schatten der Abwrackprämie und der Hoffnung, dass Chinas Wirtschaft sich eher wieder berappelt als andere Volkswirtschaften, traut man auch diesen Unternehmen eine bessere Performance zu. Dieses Rotationsspiel mag dem einen oder anderen zwar etwas verwirrend vorkommen, gehört aber zu einem gesunden Aufwärtstrend dazu. Im Wesentlichen kommt damit eine intakte Marktbreite zum Ausdruck, die Gefahr eines größeren Einbruchs nimmt dadurch deutlich ab. Gut zu erkennen auch am weiter sinkenden VDAX, der sich immer weiter von der 40er Marke entfernt und jetzt nur noch bei etwas mehr als 37 Punkten notiert.
Schwächephase nicht von längerer Dauer
Der DAX hat gestern sein gesamtes, kurzfristig vertretbares Konsolidierungspotenzial ausgenutzt, die Unterstützung bei 4.331 Punkten im Handelsverlauf aber nicht verteidigen können. Insbesondere die erhöhte Abwärtsdynamik am Nachmittag lässt deshalb vermuten, dass die eingeleitete Konsolidierung sich heute fortsetzt. Bei 4.457 Punkten stößt der DAX zudem auf die obere Begrenzung des Bollinger-Bandes, in deren Begrenzung der Index unter normalen Bedingungen für gewöhnlich schwankt. Zwar kann es durchaus zu einem freundlichen Handelsauftakt kommen, im weiteren Verlauf ist dann aber mit einem Test der Unterstützungsniveaus bei 4.272 und 4.240 Punkten zu rechnen. Nur ein zügiger Anstieg über 4.457 Punkten würde sofortiges zusätzliches Aufwärtspotential bis 4.527 Punkten erschließen. Von einer längeren Konsolidierungsphase sollte aber angesichts des nach wie vor vorhandenen Anlagezwangs der institutionellen Investoren nicht ausgegangen werden.
Wieder ein ökonomischer Ausblick..
Der Wettbewerb um den schwärzesten Konjunkturausblick hat sich mittlerweile wieder etwas beruhigt. Ein niedrigere BIP-Entwicklung als jene Minus 5 Prozent vom Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Walter wurde nicht mehr unterboten. Umso interessanter dürfte sein, welches Ergebnis die gemeinsame Konjunkturprognose des deutschen ifo-Instituts, der französischen INSEE und der europäischen ISAE zum diesjährigen Verlauf der europäischen Konjunktur erbringt. Eins lässt sich jetzt schon sagen: Die Märkte werden es mit Gelassenheit aufnehmen. Die nicht unerheblichen Fehlerquoten sämtlicher Prognosen der Vergangenheit und die ersten Hoffnungszeichen aus den USA reichen als Gegenargumente für eine zu negative Prognose aus. Jedem Prognose-Modell ist zudem zueigen, dass es einige vielleicht aktuell nicht wichtige Faktoren außer Acht lässt, die für die spätere deutliche Abweichung zur realistischen Entwicklung verantwortlich sind.
Welche Entwicklung die Realität in jüngster Vergangenheit genommen hat, wird die europäische Statistikbehörde EUROSTAT heute mit der Veröffentlichung des Bruttoinlandsprodukts in der Eurozone für das vierte Quartal 2008 bekannt geben. Vermutlich wird die Zahl eine der Schlechtesten seit Bestehen der EU sein. Gewiss ist aber auch, dass noch ein schlechteres Quartal direkt im Anschluss folgen wird. Am Ende bleibt die Hoffnung, dass es von dort aus eigentlich nur noch aufwärts gehen kann.
Konjunkturdaten: 11.00 Uhr: EU: Bruttoinlandsprodukt in Europa/ viertes Quartal
Unternehmen: ------------------------------
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 4.203; 4.240; 4.331
Widerstände: 4.430; 4.531; 4.627
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
