DAX: Bereit für eine Gegenbewegung
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 4. November 2009, 08:00 Uhr
ENL5462
Der Abwärtsdruck hält an. Das Minus von 1,4 Prozent bringt den DAX allerdings nun näher an die von mir bevorzugte Trendwendespanne zwischen 5.200 und 5.300 Punkten heran. Noch gilt aber die Devise: „The trend is your friend". Solange sich keine fundamentale Kehrtwende zeigt, geht der Blick weiter nach unten in Richtung der nächsten Unterstützung. Im Grundsatz kann man sich die aktuelle Entwicklung entgegengesetzt zu jener im September vorstellen. Stieg der Druck im Topf damals auf der Oberseite an und entlud sich dann wegen abnehmender Aufwärtsdynamik nach unten, dreht sich das Spiel nun auf der Unterseite um. Das Thema der abrupten und umfangreichen Kehrtwende bleibt damit auf der Agenda.
So klar wie sich der kurzfristige Trend des DAX zeigt, so uneinheitlich fallen die Reaktionen auf einzelne Quartalsbilanzen aus. Während BMW den für die Zukunft geäußerten Optimismus nicht durch die harten Zahlen der Gegenwart untermauern konnte und dafür abgestraft wurde, legte Metro auf der anderen Seite gegen den Trend zu. Kein so schlechtes Zeichen für den Konsum. Auch die konservativen Pharmawerte Fresenius, FMC und Beiersdorf verzeichneten in einem schwachen Marktumfeld deutliche Aufschläge. Ein an sich typisches Marktverhalten, die Flucht in die Sicherheit wird aber nur von vorübergehender Dauer sein.
Schau, schau- das Gold
Kaum darauf gestern in der Analyse hingewiesen, vollzog Gold den prognostizierten Ausbruch auf neue Allzeithoch in US-Dollar. Die 1.100er - US-Dollar-Marke dürfte nun in dieser Woche noch genommen werden. Lassen sie sich nicht an der Nase herumführen, welche Begründungen nun auch immer herumgereicht werden, die Aufwärtsbewegung ist ausschließlich technischen Faktoren zu verdanken. Die in dieser Woche anstehenden Notenbankentscheidungen in Sachen Zinsen spielen da weniger eine Rolle.
Auffällig ist hingegen die deutliche Abweichung des Euro von der Goldrally. Bisher bestand zwischen dem Anstieg des Goldes und dem Euro immer eine, wenn auch zeitverzögerte, Korrelation. Diese brach gestern ab, der Euro musste sogar gegenüber dem US-Dollar deutlich Federn lassen. Das gilt es genau zu beobachten, denn vielleicht vollzieht sich hier ein altes Muster, das einer Wirtschaftserholung in den USA einen zeitlichen Vorzug gegenüber Europa gibt. Das wäre aus mittlerer Sicht eine gute Nachricht für die deutschen Exporteure.
Abwärtstrend dominiert nach wie vor
Die Kursverluste von gestern geben auch für heute die Richtung vor. Der DAX befindet sich aus kurzfristiger Sicht in einem steilen Abwärtstrendkanal, dessen untere Begrenzung schon bei unter 5.200 Punkten liegt. Auf der Oberseite begrenzt sich das Potenzial derzeit bei 5.400 Punkten.
Ziel der Bären ist nach wie vor die große Unterstützungslinie bei 5.150 Punkten. Eine Trendwende kann allerdings auch schon zwischen 5.250 und 5.300 Punkten einsetzen, denn hier finden sich einige Hoch-und Tiefpunkte vergangener Auf-und Abwärtsbewegungen. Ein zählbarer Hoffnungsschimmer für die Bullen läge in einem Kursanstieg über 5.442 Punkte.
USA: Notenbank setzt Drahtseilakt fort
Die Federal Reserve ist nicht zu beneiden. Trotz des nun schon fast ein Jahr andauernden Einsatzes einer Vielzahl von geldpolitischen Instrumenten belebt sich die Wirtschaft in den USA nur im Schneckentempo. Gleichzeitig demoliert die extrem hohe Staatsverschuldung das Ansehen des US-Dollars und fördert auf mittlere Sicht inflationäre Tendenzen. Die Rückkehr zu einer normalen Zinspolitik ist der US-Notenbank bis auf weiteres verbaut, denn der Druck der Politik bleibt bestehen. Dennoch müssen Notenbankchef Bernanke und seine Kollegen schon jetzt in etwa eine Vorstellung von einem Ausstiegsszenario haben, denn die Gefahr einer neuen Aktienmarktblase ist präsent.
Die Federal Reserve wird also zunächst mit Rhetorik versuchen, die Märkte auf ein Ende der Geldschwemme vorzubereiten. Sollte ein solches Statement heute seinen Weg zu den Nachrichtenagenturen finden, wäre das aber kaum eine Belastung für die Aktienmärkte. Die haben mit Kursverlusten in den vergangenen zwei Wochen schon vorgebaut.
Cisco bleibt realistisch
Von den Zahlen des Netzwerkausrüsters Cisco erwarten sich die Ökonomen keine neuen Aufschlüsse, wohl aber von den Prognosen für das neue Geschäftsjahr. Die absolut negative Stimmung des letzten Winters ist bei Mr. Chambers, dem Chef des Unternehmens, längst verflogen. Stattdessen gibt er sich bei allem Realitätssinn für die Schwierigkeiten in der IT-Branche für Cisco betont optimistisch.
Da das Unternehmen in seinen Prognosen schon immer ganz gern gegen den Strom geschwommen ist, dürfte Chambers bei der Präsentation der Quartalszahlen wohl doch wieder ein Stück seines Optimismus zurücknehmen und eine eher bodenständige Analyse abgeben. Dem Aktienkurs dürfte das aus mittlerer Sichtweise eher gut tun.
Konjunkturdaten: USA: 14.15 Uhr: ADP-Arbeitsmarktbericht Oktober, 16.00 Uhr: ISM-Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen Oktober, 20.15 Uhr: Zinsentscheid der US-Notenbank.
Unternehmenszahlen: Zahlen (Q3): adidas, Heideberg Zement, Loewe, Cisco Systems, Comcast, Societe Generale, Time Warner.
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 5.249; 5.288; 5.351
Widerstände: 5.386; 5.414; 5.442
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
ähnliche Beiträge:
- Börsenlinks aktuell:
- EUR/USD: eine heftige Gegenbewegung
- EUR/USD – … Fällt und fällt und fällt ...
- EUR/USD: bei 1,36 gut unterstützt
- Auf die Gegenbewegung achten!
- Zitat des Tages: Bereit sein
- Das Letzte Mal gewann diese asiatische Aktienbörse 990 %
- EUR/USD: ein wenig Range-Trading
- Nebenwerte und Eigenkapital

Artikel weiterempfehlen