DAX: Bären zurück in die Box
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 11. Mai 2009, 10:16 Uhr
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Es blieb beim Zwischenspiel für die Bären. Gleich zu Handelsbeginn gingen die Bullen am Freitag wieder zum Gegenangriff über, überwanden im Laufe des Vormittags die wichtige Hürde um 4.870 Punkte und nahmen dann auch rasch die 4.900er Marke. Ein klassischer Rebreak, sauber und ohne doppelten Boden. Der Korrekturauslöser, die Furcht vor der den veröffentlichten Ergebnissen des Stresstests für die US-Banken durch das US-Finanzministerium, erwies sich als überzogene Reaktion. Im Endeffekt waren die Investoren zunächst einmal froh, dass die bisherige Phase der Unsicherheit in der Finanzbranche vorläufig beendet ist. Ob die Finanzierungshilfen für die unterkapitalisierten Institute ausreichen werden, muss sich in den nächsten Monaten zeigen. Unter Strich zählt aber, dass die US-Regierung den Anlegern den Eindruck vermittelt, dass ihr strukturiertes Vorgehen auch zu entsprechenden Konsequenzen und einer Verbesserung der Lage führt. Hierin besteht ein großer Unterschied zur Regierung Bush. Kritisch wird es für die Obama-Administration allerdings dann wieder, wenn sich herausstellen sollte, dass die unterstellten Zahlen in den Bank-Bilanzen in drei oder sechs Monaten wieder nur Makulatur sein sollten. Ein erneuter Vertrauensschock würde nicht nur das Finanzsystem an den Rand seiner Existenzfähigkeit bringen.
VDAX nähert sich neuem Jahres-Tief
Der Schwankungsmesser für den DAX, der VDAX, nähert sich unterdessen seinem tiefsten Stand seit Ende September 2008. Mit 34,5 Punkten liegt er nur noch 5 Punkte oberhalb dieser Marke, das heißt, die Erholungsrally am Aktienmarkt geht einher mit der Rückführung der Märkte zu historisch langfristigen Schwankungszuständen. Das rasche Aufholen der Kursverluste vom Donnerstag hat einen wesentlichen Teil zu dieser Entwicklung beigetragen. Es muss deshalb nochmals erwähnt werden: Rückschläge sind derzeit durchaus als Einladung zum Schnäppchenkauf zu verstehen. Dieses Kursmuster dürfte bis in den Juli hinein andauern, erst dann wird sich die Großwetterlage wieder etwas umstellen. Wer kann, sollte die Sommermonate wirklich zur Erholung nutzen, denn ab August werden wieder starke Nerven und ein klarer Blick an der Börse gebraucht.
5.000er Marke steht zur Disposition
Mein Misstrauen in die Stärke der Bullen erwies sich als unbegründet, zuviel neue Liquidität such noch immer nach viel versprechenden Renditemöglichkeiten. Zwar konnten die Bullen das Verlaufshoch während der Woche im Bereich bei 4.980 Punkten am Freitag noch nicht knacken (Tageshoch : 4.965 Punkten), aber der Schlusskurs bei 4.913 Punkten lässt kaum daran Zweifel, dass die Widerstandszone um 5.000 Punkte im Laufe dieser Woche ernsthaft angegriffen werden soll. Schlusskurse über 4.980 Punkte würden eine Fortsetzung der Rally bis 5.056 und darüber bis 5.113 Punkte auslösen. Ein kurzfristig unwahrscheinlicheres Abtauchen unter das Tagestief vom Freitag bei 4.846 Punkten und der Unterstützung bei 4.813 Punkten könnte hingegen die Bären wieder ins Spiel bringen. Ein Test des Unterstützungsbereich zwischen 4.709 und 4.744 Punkten würde danach nicht lange auf sich warten lassen.
Das Ende der umfangreichen Engagements von Hedge Fonds und zahlreiche Änderungen beim Führungspersonal der zweiten und dritten Reihe haben bei der Deutschen Börse zu einem Kurs nach dem Motto „Zurück in die Zukunft" gesorgt. Zwar wollten auch die Fonds ein Steigerung des Unternehmenswerts über eine Fusion erreichen, allerdings ohne Rücksicht auf den Erhalt des gesamten Unternehmens. Wie schon zu Zeiten des Ex-Vorstandschefs Werner Seifert bastelt der aktuelle Chef Francioni wieder an einer schrittweisen Ausdehnung der Deutsche Börse auf andere Länder und Erdteile. Im Auge hat das Unternehmen vor allem den Bereich Russland, Osteuropa und Mittlerer Osten. Die nachhaltige Erschütterung des Vertrauens der dortigen Investoren in die Risikokontrollfähigkeit der Amerikaner erhöht die Chancen der Deutschen Börse, ihr bewährtes XETRA-Handelssystem weiter zu vermarkten. Daneben kann der deutsche Börsenbetreiber aber auch auf zahlreiche Dienstleistungen zur Wertpapierabwicklung, Börsengängen und Risikokontrolle verweisen. Wie bereits in Kooperationen mit anderen westeuropäischen Börsenbetreibern muss aus neuen Geschäftsverbindungen nicht gleich eine Fusion entstehen, zumindest aber die Wachstumskennzahlen kann das Unternehmen damit aber wieder auf Vordermann bringen. Die heute zur Veröffentlichung anstehenden Umsatzzahlen für das erste Quartal führen vor Augen, dass die Deutsche Börse selbstverständlich unter der Baisse an den Aktienmärkten zu leiden hat. Überraschungen größerer negativer Art dürften aber ausbleiben, da bereits zu Beginn der vergangenen Woche die monatlichen Umsatzzahlen des Xetra-Handelssystems veröffentlicht wurden. Mit Spannung wird aber die Hauptversammlung in der nächsten Woche erwartet, denn dann werden die Aktionäre etwas über die Zukunftsplanung ohne Hedge-Fonds-Beteiligung im Nacken hören.
Konjunkturdaten:------------
Unternehmensdaten: Q1-Zahlen: Deutsche Börse, Leoni, TUI
Wichtige Marken:
Unterstützungen:4.744; 4.844; 4.970
Widerstände: 4.973; 4.989; 5.056
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
