DAX: Ausbruch gebremst
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 11. August 2009, 08:00 Uhr
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So schön die Rückgang der US-Arbeitslosenquote am Freitag auch war, die Zweifel an einer Trendwende auf dem Arbeitsmarkt bleiben bestehen. Eine genauere Untersuchung des Zahlenwerks über das Wochenende hat viele Investoren dazu veranlasst, in Teilsegmenten des Marktes Gewinne mitzunehmen. Das es die Automobiltitel besonders traf, lag allein an der Rücknahme der Branchenbewertung durch ein bekanntes Investmenthaus. Das Ausbleiben der Käufer zu Wochenbeginn lässt sich aber auch ganz einfach mit der bevorstehenden Konjunkturdaten und der US-Notenbanksitzung am kommenden Mittwoch begründen. Die zu erwartenden Daten und Kommentierungen werden darüber Aufschluss geben, ob sich der Optimismus der Börse auch durch harte Daten bestätigen lässt. Der DAX dürfte deshalb zunächst heute in der bisherigen Trading-Range zwischen 5.351 und 5.480 Punkten verbleiben. Fakt ist, die Rally ist solange intakt, bis sich ein Trendwendesignal ergibt. Darüber zu spekulieren, wann und wie sich das jetzt andeuten könnte, führte auch bin der jüngsten Vergangenheit häufig zu falschen Schlüssen. Sicherlich kann man feststellen, dass die Aufwärtsdynamik der Rally seit dem 30.Juli nachgelassen hat. Eine Topp-Bildung oder sonstige Trendwendesignale sind aber nach wie vor nicht auszumachen. Alle darüber hinausgehenden konventionellen Begründungen für einen plötzlichen Kurssturz wie die bisherige Länge der aktuellen Rally bis hin zur zyklischen Schwäche im August mögen zwar ihre Berechtigung haben, werden aber durch die bisherigen Marktreaktionen wenig gestützt.
Euro-Schwäche unterstellt Zinsanstieg
Die leichte Entspannung am US-Arbeitsmarkt wirkte sich am vergangenen Freitag gleich auf das Währungsverhältnis EUR/USD spürbar aus. Der US-Dollar konnte deutlich an Wert gewinnen, weil die Märkte von einer baldigen Zinswende in den USA ausgehen. Ich hatte bereits mehrfach an dieser Stelle erwähnt, dass die US-Notenbank ein besonderes Augenmerk auf den Arbeitsmarkt legt und bei einer Trendwende dieses Indikators die Geldschleusen schrittweise wieder schließen wird. Allerdings unterliegen die Dollar-Bullen einer fundamentalen Fehleinschätzung, wenn sie glauben, dass die kleine Entspannungsmeldung vom Arbeitsmarkt im Juli bereits den Grund für eine Zinswende darstellen könnte. Auch wenn die Terminmärkte in ihrer Rastlosigkeit ständig versuchen, einen möglichen Termin für eine Zinswende zu taxieren, so bleibt der tatsächliche Zeitpunkt weiterhin unbestimmt. Am kommenden Mittwoch jedenfalls wird die US-Notenbank allen, die auf eine detaillierte Ankündigung zur Rücknahme der üppigen Liquiditätsausstattung für den Wirtschaftskreislauf setzen, eine herbe Enttäuschung bereiten.
Zurückhaltung bleibt bis Mittwochabend bestehen
Die gestrige Handelsspanne zwischen 5.390 und 5.452 Punkten darf zunächst als Konsolidierung der Aufwärtsbewegung vom Freitag gewertet werden. Immerhin legte der DAX in der Spitze intraday um 170 Punkte zu, der vorübergehende Rückgang unter 5.400 Punkte kann als „Atem holen" interpretiert werden. Bis zur Veröffentlichung der US-Konjunkturdaten am Nachmittag wird sich die Seitwärtsbewegung im DAX auf alle Fälle fortsetzen. Die Begrenzungen von gestern könnten heute jeweils noch um 30 Punkte nach oben oder unten ausgedehnt werden. Deutlichere Kursbewegungen sollten sich erst wieder ab Donnerstag und Freitag ergeben. Bis dahin bleibt wohl Konsolidierung das Gebot der Stunde. Schaffen es Bullen oder Bären aber doch die entscheidenden Marken von 5.458 oder 5.296 Punkten zu durchbrechen gelten die mehrmals genannten Kursziele von 5.639 bzw. 5177 Punkten.
Produktivitätssprung im zweiten Quartal
Der erste konjunkturelle Paukenschlag aus den USA wird die Veröffentlichung der US-Produktivität im zweiten Quartal sein. Volkswirte erwarten eine Steigerungsrate im Vergleich zum Vorquartal von 5,3 Prozent (Vorquartal 1,6 Prozent). Der kräftige Anstieg ist allein den massiven Sparprogrammen der US-Unternehmen geschuldet, die über den umfangreichen Stellenabbau Kosten eingespart haben und bei nun leicht anziehender Nachfrage zunächst mit dergleichen niedrigen Kapazitäten weiter produzieren. Die Belegschaften vieler Unternehmen sind aber mittlerweile so stark ausgedünnt, dass selbst für einen moderaten Aufschwung neue Arbeitsplätze geschaffen werden müssten. Bevor die Unternehmen diese Entscheidung aber treffen, muss sich die Tendenz wenigstens über zwei bis drei Quartale bestätigen. Eine wesentliche Abweichung von der Prognose-Zahl nach oben würde den Märkten den nächsten Aufwärtsimpuls verleihen
MDAX-Werte geben Standortbestimmung
Die Verbesserung der Auftragslage in der deutschen Industrie hat schon positiv auf die mittelgroßen Unternehmen im MDAX abgefärbt. Seit dem März-Tief hat allein der MDAX mehr als 60 Prozent an Wert gewonnen. Von der Veröffentlichung der Quartalsbilanzen wie bei Heidelberger Druck, Leoni oder Tognum können aber immer noch positive Impulse für die Kurse der Unternehmen ausgehen, denn der Kursverfall der vergangenen 18 Monate war bei manchen Titeln wie der Heidelberger Druck wegen zeitweiser Insolvenzgefahr doch sehr hoch. Über eine Normalisierung der Nachfrage werden die betroffenen Unternehmen wohl kaum berichten, umso mehr wird die Anleger interessieren, wie weit der Weg bis dahin noch sein könnte und ob die eingeleiteten Sparmaßnahmen auch die in den Kursen zum Ausdruck gekommene Entlastung der Bilanzen erbracht hat. Rückschläge auf dem Weg zur Normalisierung sind einzukalkulieren. Das zunehmende Interesse von Private-Equity-Gesellschaften an mittelständischen, deutschen Firmen ist aber bereits wieder erwacht. Kursfantasie wird es auf mittlere Sicht also genug geben.
Konjunkturdaten: USA: 14.30 Uhr: Produktivität, Lohnstückkosten (zweites Quartal), 16.00 Uhr: Lagerbestände im Großhandel (Juni).
Unternehmenszahlen: Q2-Zahlen: Aareal Bank, Douglas, Heidelberger Druck, Leoni, Generali.
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 5.212; 5.296; 5.351
Widerstände: 5.451; 5.502; 5.578
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
