Dax: Aufwärtstrend beharrlich ... die Warnsignale aber auch

Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Dax 30
vom


von Ronald Gehrt

Guten Morgen, sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Nichts scheint den Dax daran zu hindern, weiter stabil wie auf Schienen nach oben zu laufen. Die Aufwärtstrends sind auf kurz-, mittel- und langfristiger Ebene intakt und die Gattung des Crashpropheten ebenso in den Untergrund abgetaucht wie der vom Aussterben bedrohte ordinäre Skeptiker. Und gerade das gibt zu denken.


Ich gebe zu, dass der Wahlausgang in den USA durchaus zu gewissen Hoffnungen berechtigt. Aber mehr kann es nicht sein. Die Kräfte haben sich nicht effektiv verschoben. Es wird mehr gestritten und gestoppt, aber nicht mehr oder gar neu gestaltet. Anders formuliert: Das Ganze ist meines Erachtens kein negativer Impuls, aber eben auch kein neu hinzugekommenes Argument für steigende Kurse.

Ansonsten ist ja alles beim alten geblieben. Die Konjunktur ist in den USA schwach, die Inflation als potenzielles Problem wieder da und die Stimmung blendend – dies bestätigte auch der gestern erneut über 90 notierende Wert des Verbrauchervertrauens, ermittelt von der Universität Michigan.

Und da der Taktstock an Wall Street geschwungen wird, blieb auch in Deutschland die Lage unverändert. Der Dax konnte zwar eine erste Attacke auf den kurzfristigen Aufwärtstrend abwehren und sich in der Konsequenz im Vergleich zur Vorwoche ein Stück weiter nach oben schieben, die charttechnische Konstellation ist aber gleich geblieben:

Charttechnik wie auf Schienen

Der Index hat unmittelbar unter dem aktuellen Niveau ein dicht gewobenes Auffangnetz aus zahlreichen Unterstützungen, die sich im Bereich 6.160 bis 6.260 bewegen. So lange diese Zone nicht unterschritten wird, ist nichts angebrannt.

Wenn sie jedoch fallen sollte – und der Puffer bis an deren unteres Ende sind nur drei Prozent – öffnet sich ein gähnendes Loch ohne wirklich brauchbare Auffanglinien bis hinab in die Zone 5.730/5.800. Eine Konsequenz des schnellen Kursanstiegs im September und Oktober.

Fazit: Erst, wenn die 6.160 klar unterboten ist – auf Schlusskursbasis – ist Alarmstufe rot angebracht. Bleibt die Frage, ob und wann sie fällt.

Chart

Markttechnik ohne Elan

Die markttechnischen Indikatoren können zur Lösung dieser Frage nicht viel erhellendes beitragen. Denn wenngleich der MACD mal wieder seitwärts zu seiner Signallinie verläuft und damit ein schwacher Tag zu einem Verkaufssignal reicht; wenngleich das Momentum wieder mal negative Divergenzen zu den jüngsten Hochs zeigt: Das alles sind nur Hinweise, die sich aber erst dann richtig auswirken, wenn auch die charttechnischen Unterstützungen fallen. Die jüngste Mikro-Korrektur, am kurzfristigen Aufwärtstrend gestoppt, belegt dies klar.

Neue Warnsignale mit Blick auf das Verkaufsverhalten

Aber abgesehen von dem allgemein verbreiteten Optimismus, der meist auf bereits vorhandenen Aktienbeständen und der Hoffnung auf neue Käufer fußt, hat mich gestern eines sehr überrascht: Die Art und Weise, wie die Verlierer des Tages, Adidas und Hypo Real Estate, im Kurs nach unten gerauscht sind. Derartig hohe Abschläge in schweren Dax-Titeln – das ist schon ungewöhnlich.

Es bedarf wirklich massivster Verkaufsorders und einer zugleich ungewohnt geringen Bereitschaft, auch auf niedrigerem Niveau die Hand aufzuhalten, um solche Abschläge bei umsatzstarken Aktien wie diesen zu verursachen.

Und da die Umsätze in den letzten Wochen trotz steigender Kurse nicht angesprungen sind bedarf es nur eines Ticks mehr an Verkaufswillen, um hier auch bei anderen Aktien vergleichbare Kurseinbußen zu bewirken ... bei kleineren Dax-Titeln ebenso wie bei den Werten des MDAX.

Auch eine „normale“ Korrektur kann es in sich haben

Dabei wird es (ich wiederhole mich, ich weiß) keines gewaltigen Ereignisses bedürfen, um eine solche Lawine loszutreten. Ebenso wie im Mai startet ein solcher Prozess oft ohne Ankündigung mit kleinen Warnsignalen ... und nährt sich dann – ebenso wie eine Hausse es tut – durch die immer weiter fallenden Kurse selbst.

Um es ins rechte Licht zu rücken: Ich spreche hier nicht von einem Crash, sondern einer Korrektur, die zwischen fünf und zehn Prozent betragen könnte. Ob es eventuell mehr werden, kann man ja immer erst ermessen, wenn der Zug bereits angefahren ist. Aber immerhin sind fünf bis zehn Prozent in Dax-Punkten eine durchaus beeindruckende Größenordnung von 320 bis 640 Punkte ... ausreichend, um Vorsicht walten zu lassen!

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende – bis Montag!

Ronald Gehrt


Artikel bewerten
Durschnittliche Wertung:
0 Sterne
Wertungen:
0 insgesamt
Artikel weiterempfehlen
Kommentar abgeben

* = Pflichtfeld, bitte unbedingt ausfüllen

Kommentare Kommentar abgeben