DAX: Aufwärtsdynamik ungebrochen
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 4. August 2009, 08:00 Uhr
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Wenn Börse häufiger so einfach und positiv wäre wie in den vergangenen Wochen, würden sich sicher wieder mehr private Kleininvestoren engagieren. Es ist aktuell wirklich nicht schwierig, die nächsten Schritte im DAX vorherzusagen, denn mit dem Sprung über den großen Widerstand bei 5.144/5.177 Punkten hat der deutsche Standardwerteindex eine Kurs-Zone erreicht, die nicht von vielen Widerständen (und umgekehrt auch Unterstützungen) gekennzeichnet ist. Nicht nur, dass momentan der Abschluss einer umgekehrten Schulter-Kopf-Schulter-Formation vollzogen wird, auch die im Oktober vergangenen Jahres aufgerissene Kurslücke wird nun geschlossen. Noch einmal zur Erinnerung: Der DAX fiel damals von 6.118 Punkten am 26. September auf 4.302 Punkten am 10.Oktobe 2008. Es hätte schon besonderer Bedingungen bedurft, diesen Erdrutsch im gleichen Tempo wieder auszubügeln. Aber auch so können die Bullen ganz zufrieden sein, denn sie arbeiten diese Strecke in Teilabschnitten ab und behalten so die gesamte Bewegung unter Überhitzungsaspekten unter Kontrolle. Aktuell schließt der DAX eine große Tagesabwärtsbewegung zwischen 5.293 und 5.606 Punkten, die Zielrichtung bleibt kurzfristig der Widerstand bei 5.502 Punkten. Sollte es den Bullen nach einer kleinen Verschnaufpause in der zweiten Wochenhälfte gelingen, besagten Widerstand ebenfalls zu durchbrechen, dürfte schon so etwas wie Kaufpanik aufkommen. Denn viele Investoren sind eigentlich nicht aus Hausse programmiert, sondern haben bei 5.144 Punkten nochmal fest mit einem deutlichen Abtauchen gerechnet. Sind sie jetzt immer noch nicht investiert, wird es schwer die verpassten Renditen vor den Anlegern zu rechtfertigen.
Euro, Bund und VDAX - alle in dieselbe Richtung
Ein wenig Wasser ist allerdings in den Wein zu schütten, denn auffällig ist doch das gleichzeitige Anziehen aller wichtiger Teilsegmente der Kapitalmärkte. Zuvorderst zu nennen ist dabei der VDAX, der bereits wieder bei 29 Punkten liegt. Das ist nach wie vor kein normales Maß und noch immer mit einer leicht erhöhten Temperatur beim Menschen zu vergleichen. Ein Abgleiten in Richtung 20 Prozent in den kommenden Wochen wäre wünschenswert, dürfte aber angesichts der zyklisch als nicht gerade ruhig bekannten Phase zwischen August und Oktober wenig realistisch erscheinen. Der Aufwärtstrend des Bund-Futures passt ebenfalls nicht ganz in das Bild zweier normalerweise wenig korrelierender Märkte. Allerdings gab es solche Ausnahmesituationen schon öfters, insbesondere wenn die Inflationserwartungen vorübergehend niedrig bewertet wurden. Im aktuellen Fall dürfte aber tatsächlich das überwiegend attraktive Angebot an neuen Bundes- und Unternehmensanleihen die Kurse treiben, denn Inflation wird bald wieder ein ernsteres Thema. Auch der Euro profitiert entsprechend des wieder risikofreudigeren Marktverhaltens der Anleger von den anziehenden Kursen. Für alle gilt der alte Börsenspruch: The trend is your friend!
Ein wenig Ruhepause durchaus möglich
Obwohl sich weder in der Kerzen- noch in der Formationstechnik eine echte Ruhepause abzeichnet, kann es auf Stundenbasis heute durchaus zu einer Ruhepause kommen. Immerhin zeigten die Bullen vor dem Widerstand bei 5.451 Punkten zunächst einmal den gebührenden Respekt und übertrafen die Hürde nur um 12 Punkte. Käme es zu einer kleinen Konsolidierung, würde sie wohl kaum mehr als ein Prozent in der Spitze betragen. Wahrscheinlicher ist aber ein moderater, weiterer Anstieg des DAX bis zum nächsten Widerstand bei 5.502 Punkten. Hier wird sich dann zeigen, ob die Bären mal wieder ein Lebenszeichen von sich geben oder die Bullen zum weiteren Tanz bitten.
USA: Private Einkommen und Ausgaben rückläufig
Schlechte Zahlen von der Verbraucherfront sind die US-Anleger mittlerweile gewohnt, doch bei den Einkommen und Ausgaben im Juni werden sie besonders genau hinsehen. Während sie bei den persönlichen Einkommen ein Minus von einem Prozent im Vormonatsvergleich (Mai +1,4 Prozent) prognostizieren, soll der Rücklauf bei den persönlichen Ausgaben nur moderat um ein Zehntel Prozentpunkt auf +0,2 Prozent abschließen. Beide Datenreihen spiegeln letztlich nur die schwierige Situation der privaten US-Haushalte wieder, die sich durch die rasant gestiegene Arbeitslosigkeit ergeben hat. Sofern sich keine deutlicheren Rückgänge abzeichnen, steht allerdings nicht zu erwarten, dass ein größerer Abwärtsimpuls im Markt umgesetzt wird. Noch hält sich die überaus positive Stimmung im Markt. Sie verhindert eine zu nachhaltige Erschütterung der Märkte durch schlechte Nachrichten.
Rückversicherer im Prämienglück
Quartalszahlen von Versicherungsunternehmen gehören schon seit Jahren kaum noch zu spannenden Ereignissen. Das intensive Wettbewerbsumfeld, die zementierten Angebotswelten und strengere Regulierungen lassen der Fantasie der Anleger wenig Spielraum. Die weltweite Finanz-und Wirtschaftskrise hat allerdings das Bedürfnis nach einer umfassenderen Absicherung neuer Risiken erhöht. Erster Ansprechpartner in diesem Fall sind die Rückversicherer, die Angebote von Erstversicherern im größeren Stil absichern. Neben der Ausweitung der Managerhaftpflicht dürften Produkthaftungen, gerade im Finanzbereich, deutlich stärkere Nachfrage erleben. Auch im Umweltbereich deutet sich eine Belebung an. Für die Rückversicherer gilt es neue Geschäftsfelder vor allem mit einer besseren Marge zu belegen, denn die Kapitalstöcke für einen möglichen Risikofall müssen deutlich erhöht werden. Ein wenig zittrig werden die Investoren bei dem Sektor aber kurzfristig bleiben, denn in den USA beginnt in diesen Tagen die Hurrikansaison und das führt erfahrungsgemäß zu höheren Schwankungen bei den Aktien aus der Branche.
Konjunkturdaten: USA: 14.30 Uhr: Private Einkommen und Ausgaben Juni
Unternehmenszahlen: Q2-Zahlen: BMW, Deutsche Börse, FMC, Fresenius SE, Münchner Rück, Kuka, UBS, Kraft Foods.
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 5.181; 5.212; 5.351
Widerstände: 5.451; 5.502; 5.578
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
