DAX: Aufwärtsdynamik erlahmt
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 13. Mai 2009, 08:00 Uhr
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Die immer wahrscheinlicher werdende Insolvenz des größten US-Autobauers General Motors (GM) scheint den Märkten doch mehr Sorgen zu bereiten als das bisher deutlich wurde. Mit der Pleite würde vor allem der gesamte Sektor der Zulieferindustrie ins Schlingern geraten, deshalb will die Wall Street von der US-Regierung vor allem wissen, welche Vorgehensweise sich nach dem von ihr geplanten Insolvenzfall ergibt. Ungewissheit ist etwas, was die Börsenteilnehmer überhaupt nicht mögen und es scheint derzeit so, als das diese wieder langsam Einzug hält. Damit wäre aber ein wesentlicher Stabilitätsfaktor für eine Fortsetzung der Bärenmarktrally nicht mehr gegeben. Der nächste Schritt bis zu einer Trendwende, die Rückkehr des Pessimismus, wäre dann nicht weit. Noch fehlt den Bären allerdings die Kraft die neue Schwäche der Bullen auszunutzen. Vom starken Startspurt über die Marke von 4.900 Punkten blieb zumindest zu Handelsschluss nicht viel übrig. Alleine die fällige Erholung in der Deutschen-Telekom-Aktie konnte dem Markt nicht den notwendigen Halt verschaffen. Positiv ist allerdings zu vermerken, dass die Unterstützung bei 4.800/ 4.813 Punkte noch verteidigt werden konnte. Solle der Sog des fallenden Riesen GM aber noch stärker auf die deutschen Industriewerte wirken, dürfte es deutlicher nach unten gehen. In diesem Zusammenhang wären natürlich auch die Finanzwerte wieder von der Talfahrt betroffen.
Euro-und Rohölanstieg noch ohne Wirkung
Bisher reagiert der DAX auf die Entwicklung auf den Währungs-und Rohstoffmärkten noch gelassen. Sollte sich aber der Rohölpreis bald über der 60 US-Dollar-Marke etablieren, dürfte es mit der Ruhe vorbei sein. Gerade die niedrigen Preise beim Rohöl verschafften nämlich vielen Unternehmen in der Krise ein gewisses Maß an Entlastung. Steigt der Ölpreis nun aber im Vorgriff auf eine zu erwartende Wirtschaftserholung, könnte diese selbst wieder in Gefahr geraten. Das rein spekulative Element über die Terminmärkte darf dabei nicht außer Acht gelassen werden. Konjunktursensible Unternehmen wie die Lufthansa beobachten die Entwicklungen durch ihre Finanzabteilung deshalb ganz genau und versuchen sich damit vor unliebsamen Überraschungen zu schützen. Auffällig ist vor allem, dass die mögliche Insolvenz von GM den Rohölmarkt überhaupt nicht zu tangieren scheint. Eine weitere Gefahr droht vom Währungsmarkt, denn es fehlt dem Euro im Verhältnis zum US-Dollar nicht mehr viel und die nächste größere Aufwertungsrunde steht an. Die daraus entstehenden zusätzlichen Belastungen für die zurzeit ohnehin arg gebeutelten deutschen Exporteure dürften sich dann schon rasch in fallenden Aktienkursen ablesen lassen.
Verkaufssignal im MACD droht
Die 200-Tage-Linie ist für die Bullen ein noch zu starkes Hindernis. Die langsam abnehmenden Hochpunkte (gestern 4.926 Punkte, am Freitag noch 4.965 Punkte) und die Annäherung an die Unterstützung bei 4.800 Punkte könnten Vorzeichen einer erweiterten Konsolidierung sein. Setzt sich die Schwäche im DAX heute fort, droht zudem ein Verkaufssignal im MACD. Kursverluste von 3 bis 4 Prozent würde die Rally dann abrupt beenden. Noch bleibt den Bullen heute aber ein letzter Anlauf um das Blatt noch einmal zu wenden. Hierzu muss allerdings ein deutlicher Schlusskurs über der 200-Tage-Linie bei 4.950 Punkten her. Dies wäre darüber hinaus gleichbedeutend mit einem neuen Jahreshoch und würde dementsprechend wieder Schwung in die Rally bringen. Eine Alternative für die Bullen gibt es nicht. Entweder sie mobilisieren jetzt alle Kräfte oder die Bären schwingen wieder mit ihren Pranken.
Stromversorger mit schwieriger Bilanz
Die weltweite Wirtschaftskrise hat auch den deutschen Versorgern in den vergangenen Monaten ihre Ergebnisse verhagelt. Besondere Belastungen ergeben sich aber aus der Expansion der Vorjahre in Süd-und Osteuropa. Schwächeres Wachstum und höhere Kreditlasten zwingen auch E.ON den Fuß etwas auf die Bremse zu stellen. Die Zusammenarbeit mit diversen Automobilherstellern zur Weiterentwicklung eines Elektroautos wird aber dennoch weiter vorangetrieben. Immerhin könnte sich mit Sicht auf ein bis zwei Jahrzehnte daraus ein erheblicher Beitrag zu Ergebnis und Umsatz ergeben. Zuviel Zukunftsmusik wird das Unternehmen bei der Präsentation der heutigen Quartalszahlen aber nicht spielen wollen. Im Zentrum des Interesses steht Vorstandschef Bernotat, der für das nächste Jahr seinen Abschied angekündigt hat. Die Aktionäre wollen deshalb nicht nur etwas über einen potentiellen Nachfolger wissen, sondern auch, mit welchen strategischen Maßnahmen der weitere Verlauf der Wirtschaftsschwäche begleitet werden soll. Immerhin könnte das Thema Atomkraft bei entsprechenden geänderten Mehrheitsverhältnissen nach der Bundestagswahl im September wieder auf die Tagesordnung gelangen. Und auch der Ausbau dieser Energieform in den europäischen Nachbarländern könnte für E.ON interessant sein.
Kommt der US-Verbraucher in Schwung?
Allein die Frage ist schon provokant, denn woher sollen die US-Verbraucher über die zusätzlichen Mittel verfügen. Immerhin sind die Analysten optimistisch, dass die heute zur Veröffentlichung anstehenden Einzelhandelsumsätze im April um 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen sind. Im März stand da noch ein Minus von 1,1 Prozent zu Buche. Auch bei den Lagerbeständen sehen sie mit -0,8 Prozent ein geringeres Minus als noch im Vormonat mit -1,3 Prozent. Der Anstieg der Einzelhandelsumsätze könnte aber von der bevorstehenden Rückzahlung aus der US-Einkommenssteuer kommen. Der Pflicht zur Abgabe der Steuererklärung ist nämlich verstrichen und viele Amerikaner erwarten wegen geringerer Einnahmen im vergangenen Jahr eine höhere Rückzahlung. Zudem dürfte trotz hoher Arbeitslosigkeit der noch über einen Job verfügende Teil der Mittelklasse von der leicht besseren Stimmung an den Finanzmärkten erfasst worden sein. Die Bereitschaft den enger geschnallten Gürtel vorübergehend einmal wieder etwas zu lockern sollte demnach zugenommen haben. Da der Erholungsprozess noch am Anfang steht, dürften sich die entscheidenden Kennziffern auch in den nächsten Monaten noch verbessern.
Konjunkturdaten: USA: 14.30 Uhr: Einzelhandelsumsätze (April), 16.00 Uhr: Lagerbestände (März)
Unternehmenszahlen: Q1: Allianz, Kali+ Salz (+HV), E.ON, MLP, Tognum, United Internet; HV: Metro
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 4.709; 4.744; 4.813
Widerstände: 4.870, 4.913; 4.980
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
