DAX: Aufbegehren der Bären
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 23. Juni 2009, 08:00 Uhr
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Welche eigenen Gesetzmäßigkeiten der Terminverfall auch immer hat, die Tage danach halten sehr oft ihre eigenen Überraschungen parat. Gerne werden nun wieder Begründungen von der überfälligen Korrektur in Verbindung mit zu optimistischen Bewertungen herumgereicht. Was sind diese Aussagen aber noch wert, wenn der DAX am Ende der Woche wieder bei 4.900 oder 5.000 Punkten stünde? Im vorliegenden Fall haben wir es mit einem ganz normalen technischen Reflex auf die lange Aufwärtswelle seit März zu tun. Die Korrektur seit dem Hochpunkt Anfang Juni bei 5.177 Punkten summiert Verluste von 9,3 Prozent auf, die angesichts der Zugewinne seit dem 9. März niemanden verschrecken müssen. Auch wenn der Index damit knapp eine Woche vor dem Halbjahresultimo sich unter dem Strich wieder im Minus befindet, so ist nicht gesagt, dass dies zum tatsächlichen Stichtag so bleiben muss. Die mit 34 Punkten wieder deutlich angestiegene Volatilität wirkt in beide Richtungen. Aus diesem Grund dürfte die aktuelle Bereinigung infolge des Terminverfalls vom Freitag der vergangenen Woche spätestens am Donnerstag bereinigt sein.
Banken und zyklische Werte unter Druck
Der Abverkauf trifft vor allem Banken und zyklische Werte, also genau jene Titel die im Rahmen der Bärenmarktrally am stärksten zugelegt haben. Allerdings hat sich an der fundamentalen Situation der meisten Papieren nicht geändert, die Gewinnwarnungen von Kali und Salz sowie der Lufthansa dürften zwar nicht die letzten gewesen sein, stellen für den Markt aber keine besonderen Überraschungen dar. Inwieweit die Struktur der jüngsten Rally von starken Händen getragen wurde, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Setzt sich der Kursrutsch im gleichen Tempo wie in den vergangenen Tagen fort, wäre dies ein Beweis, dass die Mehrzahl der mittel- bis langfristigen Investoren nach wie vor kaum am Markt vertreten ist. Kommt es allerdings zu einem ausgeprägten Rebound, sollte die Korrektur nur sehr kurze Beine haben, weil die vorhandene Liquidität wieder rasch in den Markt zurückfließt und risikobewusste Investoren in den Markt einsteigen.
4.655 Punkten als Einstiegsmarke
Wie am Donnerstag und Freitag schon erwähnt, überraschte mich das Erreichen eines neuen absoluten Korrekturtiefs am „Bloody Monday", dem unbeliebtesten Börsentag der Woche, nicht. Etwas unterschätzt habe ich die Dynamik, mit der der Abverkauf von statten ging, er spielt aber eher den Bullen kurzfristig in die Hände als den Bären. Je heftiger nämlich die Reaktionen infolge des Terminverfalls ausfallen, desto kurzlebiger sind sie. Bevor allerdings eine kräftige Gegenbewegung anläuft, muss aus der aktuellen Abwärtsbewegung ein Einstiegssignal kommen. Das bietet sich an der Unterstützung im Bereich um 4.655 Punkten an. Bildet der DAX dort ein entsprechendes Umkehrsignal aus, entweder intraday oder auf Schlusskursbasis, sind die Bullen am Zug. Gefährlich wird es dann, wenn der DAX mit hoher Dynamik auch die Unterstützung um 4.655 Punkte unterschreitet. In diesem Fall dürfte ein deutlicherer Kursrutsch bis 4.460/4.400 Punkte erfolgen. Die Baisse hätte den DAX wieder voll im Griff.
gfk-Konsumklimaindex flacht sich ab
Dank der Abwrackprämie zog das gfk-Konsumklimaindex zu Beginn des Jahres an und ließ damit seinen vorläufigen Tiefpunkt vom Herbst 2008 deutlich hinter sich. Alles in Butter ist damit aber noch lange nichts, denn auch wenn die befragten Ökonomen im Durchschnitt einen Anstieg von 40,7 auf 42,1 Punkte erwarten, so signalisieren doch erst Werteüber 50 Punkte wieder die Rückkehr zu einem Wirtschaftswachstum. Nach dann sechs Anstiegen infolge dürfte sich über den Sommer ein kleiner Rückschlag beim Konsumklima ergeben, vor allem weil die Arbeitslosenzahlen weiter steigen werden. Einzig die wegen des Bundestagswahlkampfes verteilten Steuergeschenke der Regierung sollten einen stärkeren Rückschlag in der Konsumlaune der Deutschen verhindern. Wie das dann zum Jahresbeginn 2010 aussieht, wenn eine neue Regierung einen deutlich restriktiveren finanzpolitischen Kurs fahren muss und die Arbeitslosenzahlen ihrem Höhepunkt entgegentreiben, kann sich jeder selbst ausmalen.
EU-Einkaufsmanagerindex mit weiter steigender Tendenz
Die EU-Einkaufsmanagerindices für das verarbeitende und nicht verarbeitende Gewerbe werden mit weiter aufsteigender Tendenz erwartet. Während aber im industriellen Bereich eine Zunahme von 40,7 auf 42,3Punkte erwartet wird, dürfte die Stimmung im Dienstleistungsbereich mit einem Anstieg von 44,8 auf 45,8 Punkte gedämpfter bleiben. Im Vordergrund der Zahlen bleibt weiter die Diskussion um eine zügigere Erholung der europäischen Wirtschaft, während in den USA die Zweifel an einer raschen Konjunkturerholung wieder zunehmen. Größeren Aufschluss werden darüber heute neuste Zahlen vom US-Immobilienmarkt geben.
Konjunkturdaten: DE: 8.30 Uhr: gfk-Konsumklimaindex Juni; EU:10.00Uhr: Einkaufsmanagerindex verarbeitendes/nicht verarbeitendes Gewerbe Juni; USA: 16.00 Uhr: Hauspreisindex April; Verkauf bestehender Häuser April
Unternehmenszahlen: Q4-Zahlen: Oracle
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 4.551; 4.598; 4.655
Widerstände: 4.717; 4.761; 4.818
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
