DAX: Auf-und Abstieg wie im Fussball
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 1. Dezember 2008, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
verzeihen sie bitte den etwas unebenen Vergleich zwischen Börse und Sport. Für alle nicht Fußball interessierten Leser gleich zur Aufklärung: Die deutsche Fußball-Eliteklasse, Bundesliga, besteht aus 18 Mannschaften. Bis vor knapp 10 Jahren gab es immerhin noch drei Klubs, die seit der Gründung der Liga 1963 nicht abgestiegen waren, heute hält dieses Fähnchen nur noch der Hamburger SV hoch. Im DAX ist diese Situation nicht ganz so dramatisch, aber mit der Entwicklung der VW-Aktie im Oktober hat die Deutsche Börse die Spielregeln geändert. Die Möglichkeit, einen Wert aufgrund bestimmter Kriterien nun schneller auszutauschen als vorher, ist damit gegeben. Die Veränderung der DAX-Zusammensetzung hat über kurz oder lang auch zu den stärkeren Schwankungen im Index geführt. Nach der so genannten „Fast-Exit-Regel" kann ein Wert dann nach der Entscheidung der Arbeitskreises Aktienindizes sofort aus dem DAX ausscheiden, wenn seine Marktkapitalisierung deutlich gesunken ist und er damit aus der Rankliste der 30 stärksten Werte gefallen ist. Dieses Schicksal wird der Aktie von HypoReal Estate mit Sicherheit demnächst wiederfahren. Die Aktie wird in den MDAX absteigen.
Eine zweite „Fast-Exit"-Regel besagt, dass Gesellschaften deren Anteil frei verfügbarer Aktien unter 10 Prozent gefallen ist, den jeweiligen Index der Deutschen Börse sofort verlassen müssen. Hier sind die Augen der Investoren vor allem auf die Continental-Aktie gerichtet. Der Anteil der übernehmenden Scheffler-Gruppe beträgt zurzeit rund 90 Prozent, demnach könnte es für Continental also ebenfalls knapp werden. Weitere Kandidaten für einen späteren Abstieg sind die von der Deutschen Bank übernommene Postbank, die stark im Wert gefallene Infineon-Aktie, sowie besagte VW, die wohl von Porsche aufgesaugt werden dürfte. Als Aufstiegskandidaten kommen alle Unternehmen in Frage, die auf den Ranglisten in der Marktkapitalisierung und im Handelsumsatz mindestens Platz 35 erreichen. Für den DAX-Aufstieg kommen aufgrund dieser Kriterien aktuell Beiersdorf und Salzgitter in Frage. Welche Kursbewegungen vor diesem Hintergrund in den nächsten zwei Tagen in diesen Aktien noch abspielen werden ist ungewiss, Gefahr droht beiden Titeln aber nach einem tatsächlichen Aufstieg.
Das Beispiel K+S, der letzte Aufsteiger aus dem MDAX, der im September den Reisekonzern TUI ersetzte, ist kein Einzelfall. Während die Aktie des Kalihrstellers seit ihrer DAX-Aufnahme Ende September knapp 41 Prozent an Wert verlor, konnte Vorgänger Merck die Verluste seit Mitte Juni auf 28 Prozent begrenzen. Beeindruckend, im negativen Sinne, hingegen die Performance der Aktie der Postbank, die ganze 73 Prozent seit Juni 2006 im Minus liegt. Die Begründung für dererlei Entwicklung ist im Grunde ganz simpel: Professionelle Investoren wetten aufgrund vorhandener Computer-Simulationsmodelle schon weit im voraus auf bestimmte Entwicklungen bei den in Frage kommenden Kandidaten, decken sich dann bereits mit den nötigen Anteilen zur DAX-Nachbildung ein und verkaufen dann überschüssige Papiere bei Bestätigung der Aufnahme. Durch die „Fast-Exit"- Regel dürfte die Kalkulation für diese Investoren wesentlich schwieriger werden, die Schwankungen bei den Aufnahmekandidaten aber noch mehr zunehmen. Es wird sich in Zukunft noch zeigen müssen, welche langfristigen Effekte die neue Regel mit sich bringt. Bis dahin wird die Ungewissheit für die Auf- und Absteiger andauern.
