DAX: Atomtest sorgt für Ausrutscher
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 26. Mai 2009, 08:00 Uhr
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Im Normalfall sind Handelstage in Europa, an denen die Börsen in den USA und England geschlossen haben, relativ langweilig. Die Umsätze sind niedrig, die Neigung neue Risikopositionen aufzubauen wenig ausgeprägt. Steht allerdings auf dem Stundenplan der Chart-Techniker eine unaufschiebbare Bewegung an, braucht es nur ein dazu gehöriges Ereignis und schon wird aus dem Langweiler ein Handelstag mit erhöhter Spannung. Der erneute Atomtest von Nordkorea erfüllte die Voraussetzungen, um den Marktteilnehmern zunächst das Herz in die Hose rutschen zu lassen. Ausdruck dieser Verunsicherung war ein Kursminus von rund 1,8 Prozent und das Unterschreiten des bisherigen Konsolidierungstiefs bei 4.864 Punkten. Das Tagestief von 4.829 Punkten setzte fast genau auf dem sehr kurzfristigen 20-Tage-Durchschnitt auf, von da aus setzten die Bullen ihre Kräfte wieder in Bewegung. Die Erholung war der zunehmenden Gewissheit geschuldet, dass die USA und ihre westlichen Verbündeten auf die erneute Provokation des kleinen asiatischen Landes zunächst mit diplomatischen Mitteln antworten wollen. Die Vermeidung einer raschen Verschärfung des Konflikts ließ die Käufer schnell in den Markt zurückkehren. Voreilig aus dem Markt genommene Positionen wurden erneut auf gebaut. Der schwächer als erwartete ausgefallene Anstieg des ifo-Index führte hingegen nicht zu weiteren Kursverlusten.
Bund-Future unterschreitet wichtige Unterstützung
Auffällig negativ entwickelte sich das Gegenstück zum DAX, der Rentenmarkt mit seinem Index, dem Bund-Future. Mit dem Unterschreiten der 120er Marke wurde eine starke technischer Unterstützungslinie nach unten durchbrochen. Bestätigt sich dieser Kursrutsch in den nächsten Tagen, dürften die Kurse noch stärker unter Druck kommen. Das wiederum würde aber die Performance vieler Mischfonds, die sowohl am Anleihe- wie am Aktienmarkt investiert sind, gehörig durcheinander wirbeln. Große Alternativen würden die Manager aber nicht besitzen, weil ihnen de Investitionsquoten in die jeweiligen Marktsegmente in der Regel fest vorgeschrieben sind. Einzig eine Erhöhung der Cash-Quote könnte vor zu starken Verlusten schützen. Ein Kursverfall am Anleihemarkt muss zudem nicht unbedingt zu einem Kursanstieg bei Aktien führen, auch wenn dieses Wechselspiel in den vergangenen 12 Monaten funktioniert hat. Die erheblichen Marktverwerfungen des letzten Jahres dürfte die Verantwortlichen bei den Kapitalgesellschaften auch beim Risikomanagement mit Aktien eher Zurückhaltung üben lassen. Möglicherweise wird aber der Absatz von Short-Positionen an den Terminmärkten wieder moderat zunehmen.
Bullen zeigen sich widerstandsfähig
Der Test des unteren Randes des aktuellen Aufwärtstrendkanals verlief zunächst erfolgreich. Mit geballten Kräften gelang es den Bullen ein endgültiges Ende der Bärenmarktrally zu verhindern. Die leicht bärische Variante, der ich gestern den Vorzug gab, ist damit abgearbeitet. Die Erwartungen an die Bullen sind damit aber nicht kleiner geworden. Sie müssen in einem fundamental leicht eingetrübten Umfeld nun Gründe finden, ein weiteres Durchstarten des DAX zu bewerkstelligen. Zwar sprechen die Trendindikatoren kurzfristig nicht für einen Ausbruch über 5.000 Punkte-Marke, auf der anderen Seite gelang es dem Markt in der jüngsten Vergangenheit immer wieder in solchen Situationen die nächste Aufwärtsbewegung einzuleiten. Im Ringen zwischen Bullen und Bären an der 5.000er Marke liegen die Bullen jetzt wieder leicht vorn. Allerdings, sie müssen nun Gas geben und den DAX über 5.038 Punkten schließen lassen, ansonsten wird es knapp für die Bärenmarktrally.
GfK-Konsumklimaindex unverändert erwartet
Die Wirkung der Abwrackprämie auf das Konsumklima lässt langsam nach, hingegen rücken Kurzarbeit und steigende Arbeitslosigkeit mehr und mehr in den Mittelpunkt des Verbraucherverhaltens. Für den Mai-Wert des GfK-Konsumklimaindex, der das Vertrauen der Verbraucher in die künftige Entwicklung der Wirtschaft wiederspiegelt, erwartet der Konsens der Analysten einen unveränderten Wert von 2,5 Punkten. Zwar bemüht sich die Bundesregierung im Rahmen des bevorstehenden Bundestageswahlkampfes um weitere Entlastungen für die Bundesbürger, die aber riechen den Braten und wissen um die „ fiskalischen Grausamkeiten", die ihnen im kommenden Frühjahr dann vorgesetzt werden. Der wieder stärker anziehende Preis für Benzin an den Zapfsäulen dürfte zudem die Konsumlust bald wieder stärker belasten. Dagegen helfen dann auch um die Abwrackprämie vergünstigte neue Autos nichts.
Hauspreiseverfall schwächt sich ab
Wichtigster Konjunkturindikator aus den USA ist der Case-Shiller-Hauspreisindex. Die Mehrheit der Ökonomen erwartet eine Verbesserung von -18,6 auf -18,4 Punkten. Damit würde das bestätigt, was sich in den vergangenen Wochen schon abzeichnete: Im Durchschnitt nimmt der Druck auf die Hauspreise ab. Regional bleibt das allerdings noch sehr unterschiedlich. Während die Immobilien im Nordosten und der Mitte der USA kaum noch im Wert fallen, müssen Eigentümer in Kalifornien und Florida noch deutliche Abschläge hinnehmen. Sobald der Druck über Zwangsversteigerungen auf die Preise nachlässt, was im Laufe der zweiten Jahreshälfte der Fall sein dürfte, ist mit einer nachhaltigen Stabilisierung an der Preisfront zu rechnen. Kann der Index seinen Minuswert noch deutlicher reduzieren, dürfte es an der Wall Street zu einer entsprechend ausgeprägten positiven Reaktion kommen.
Konjunkturdaten: 08.10 Uhr: DE: GfK-Konsumentenvertrauen, 11.00 Uhr: EU: Auftragseingänge der Industrie (März), 14.30 Uhr: USA: BIP Q1, 15.00 Uhr: USA: Case-Shiller-Hauspreisindex
Unternehmenszahlen: Q1-Ergebnisse: Flughafen Wien, Sixt
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 4.833; 4.870; 4.913
Widerstände: 4.956, 4.980; 5.038
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
