Dax-Aktie contra Technologie-Aktie
Tom Firley in Investors Daily zum Thema Dax 30
vom 9. September 2008, 18:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
ein großer Schritt in einem noch jungen Leben: Meine kleine Paula (17 Monate) absolvierte heute Vormittag ihre erste Stunde in der Kinderkrippe. Aus pädagogischen Gründen übernehme ich die etwa 3-wöchige „Eingewöhnungsphase" (kann auch länger dauern...).
Ich begleite unseren Sonnenschein also täglich von 10.00 bis 11.00 in die Kinderkrippe und sitze einfach nur da und beobachte sie im Zusammenspiel mit den anderen Kindern. Die beste Lebenspartnerin von allen (frei nach Ephraim Kishon) passt zwischenzeitlich auf die Börse auf...
Tja, und da (auf einem Mini-Stühlchen in der Kinderkrippe) kreisen dann auch bei einem emotionslosen Zahlenmenschen wie mir die Gedanken und ich wundere mich mit leicht melancholischen Gedanken, wie schnell die Zeit vergeht.
Schon ein Jahr Finanzkrise
In der Tat, die Zeit vergeht wahnsinnig schnell. Jetzt befinden wir uns - offiziell - schon seit einem Jahr in der Finanzkrise und obendrein wartet dann noch in Deutschland die Abgeltungsteuer ab dem 1. Januar 2009.
Was hat das eine mit dem anderen zu tun?
Die Finanzkrise lässt Anleger in den großen Indizes „zappeln" (Unsicherheit macht sich breit), die Abgeltungsteuer von 25% ab dem nächsten Jahr würde noch in diesem Jahr langfristige Investments sinnvoll erscheinen lassen. NOCH gilt die Spekulationsfrist, das heißt Aktien-Investitionen in diesem Jahr sind nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei.
Was also tun?
Warten, bis Einzelwerte aus den großen Indizes noch billiger werden?
Blind auf Hoffnungswerte setzen, nach dem Motto: „Einer wird es schon schaffen!"?
Einfach gar nichts tun und die 25% ab dem nächsten Jahr hinnehmen?
Nicht den Kopf in den Sand stecken
Heute möchte ich Ihnen eine sinnvolle Alternative zu den oben genannten Möglichkeiten aufzeigen. Natürlich könnte ich Ihnen auch zum wiederholten Male die aktuell grausame Seitwärtsphase darstellen, aber die kennen Sie bereits. Außerdem besteht überhaupt kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Ganz im Gegenteil sollten wir jetzt einmal über den Tellerrand schauen. Hierzu möchte ich Ihnen zwei Charts zeigen:
Ein erstaunlicher Vergleich
Bitte betrachten Sie die beiden folgenden Charts:
Der eine Chart präsentiert eine Dax-Aktie, der andere einen Technologie-Wert. Offenbar sehen sich die beiden Charts recht ähnlich.
Beide beginnen zunächst mit einer Abwärtsfahrt, danach setzt eine rasante Rallye ein. Dann folgt ein „Herumdümpeln auf hohem Niveau". Bei der Technologie-Aktie ist der Seitwärtstrend allerdings etwas ausgeprägter als bei der Dax-Aktie.
Wären jetzt beide Aktien "gleich gut" für ein Investment gewesen?
Ja?
Dann schauen Sie sich bitte den Vergleichschart mit genau diesen beiden Aktien in demselben Zeitraum an:
Der obige Dax-Wert ist e.on (blauer Verlauf), die Technologie-Aktie ist Solarworld (grüner Verlauf) aus dem TecDax. Sie erkennen:
Solarworld hat einen wesentlich spektakuläreren Verlauf hinter sich als e.on bzw. als der obere Chart-„Vergleich" vermuten ließe. Die Ansicht der beiden Einzelcharts hat uns also geradezu getäuscht. Bedenken Sie:
Seit Mitte 2001 verbucht die Solarworld-Aktie einen Kursgewinn von 890% (von 3,20 auf 31,58 Euro)! Bei e.on sind es (nur) etwa 80%, von 20,20 auf 37,81 Euro.
Allerdings - das müssen wir berücksichtigen - hat Solarworld erst einmal fast 90% an Kurswert verloren, bevor die Aktie zu ihrem Höhenflug antreten konnte. e.on dagegen hat von Mitte 2001 bis März 2003 nur etwa 43% verloren.
Gehen wir einen Schritt weiter:
Vom Tief aus im Mai 2003 gewinnt Solarworld sagenhafte 12.532 %, die Aktie hat sich also weit mehr als ver-hundert-facht.
e.on verbucht seit dem Tief vom März 2003 immerhin einen respektable Zugewinn von 225% (die Aktie hat sich mehr als verdreifacht, von 11,55 auf 37,62).
Ok, bleiben wir realistisch. Das Tief erwischt keiner und wenn, dann war es Glück. Ziehen wir also meinen „langweiligen" 256-Tage-GD (= Jahresdurchschnitt) zu Rate. Den Schnittpunkt der jeweiligen Aktienkurse mit dem 256-Tage-GD habe ich rot markiert (besser erkennbar in den oberen beiden Charts).
Bei Solarworld war es Anfang September 2003 bei 0,51 Euro, bei e.on erfolgte der Kursausbruch über die 256-Tage-Linie Ende Juni 2003 bei ca. 15 Euro.
Mit diesen Einstiegssignalen wären bei Solarworld über 6.000% Gewinn möglich gewesen (ja, Sie lesen richtig); bei e.on wären es 150% Gewinn gewesen.

