DAX: 5.000er-Marke wird verteidigt
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 21. Juli 2009, 08:00 Uhr
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Es muss schon ein arges Übermaß an Liquidität im Markt sein, wenn der DAX auch nach sechs aufeinanderfolgenden Gewinntagen keine nachhaltigen Anzeichen einer Konsolidierung erkennen lässt. Auf mittlere Sicht lässt dies noch einiges für die Bullen erwarten, auf kurze Sicht steigt damit aber die Gefahr eines Rückschlags kräftig. Auch auf die Gefahr, dass ich mich wiederhole, aber es geht nicht um meine persönliche Präferenz einer Richtungsänderung, sondern ganz einfach um die wahrscheinlichen Varianten der weiteren Kursentwicklung. In der Vergangenheit wurde eine zu starke Überdehnung in eine Handelsrichtung häufig mit einem kräftigen Rückschlag wieder eingefangen. Kleine Konsolidierungen wären allerdings in einem intakten Aufwärtstrend zu bevorzugen, zeigen sie doch die Intaktheit der vorherrschenden Trendbewegung. Zu konstatieren bleibt aber zunächst der Ist-Zustand, der mit 5.030 Punkten auf Schlusskursbasis die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass es zu einem Test des Jahresschlusskurshochs vom Juni bei 5.144 Punkten kommt. Bemerkenswert am gestrigen Handelstag: Der DAX tauchte keine Minute mehr unter 5.000 Punkte (Tagestief 5.007 Punkte) ab. Insbesondere die Finanzwerte wie Allianz oder Deutsche Bank befeuerten weiter die Moral der Bullen, während außer Volkswagen, BMW und Merck fast kein Wert nennenswert im Minus endet. Da die Aufwärtsbewegung also auch noch durch eine beeindruckende Marktbreite überzeugt, steht ihrer Fortsetzung (zunächst) nichts im Wege.
Wieder Wirbel um VW
Die Freude der VW-Bullen währte erwartungsgemäß nicht lange. Die Hoffnung auf eine kostengünstige Lösung im Konflikt mit Porsche zerschlug ein Interview mit Niedersachsens Ministerpräsident Wulff. Der machte klar, dass er auf einen Verbund von Porsche und VW unter Federführung von VW setzt. Im Klartext heißt dies, VW müsste sich doch an einer Sanierung der angeschlagenen Edelmarke beteiligen. Eine schnelle Lösung des Konflikts wäre damit wohl nicht absehbar und die Verunsicherung bei beiden Automobilherstellen würde fortbestehen. Technisch deutete ich dies in meiner Analyse vom 16.Juli bereits an. Der erneute Rückstoß der VW-Aktie am starken Widerstand bei 256 Euro dürfte aber nur temporär Natur sein. Bisher hat keine der beiden Seiten aussichtsreiche Matchbälle verwerten können. Eine wettbewerbsgerechte Lösung als Idealszenario kann somit noch erreicht werden und die Aktienkurse beider Unternehmen beflügeln.
Der DAX läuft und läuft und?
Die Marschrichtung des DAX ist klar vorbestimmt: Solange es jeden Tag ein neues Hoch und ein noch höheres Tief gibt, bewegt sich der Index wie auf Schienen nach oben. Für heute heißt die Hürde 5.063 Punkte, dass Tageshoch von gestern. Wird sie von den Bullen genommen, steht dem Test des Jahreshoch bei 5.144 Punkten kaum noch etwas im Wege. Vorsicht bleibt aber angebracht, weil der Markt seit zwei Tagen stark überkauft und damit äußerst Konsolidierungsanfällig geworden ist. Mit den steigenden Kursen erhöht sich aber auch die untere Grenze für das Toleranzschwelle eines Rückschlages. Mittlerweile liegt diese Unterstützung bei 4.890 Punkten und erschwert den Bären wohl in den nächsten Wochen das Geschäft.
Nicht mehr gültig ist unterdessen der steile Aufwärtstrend der vergangenen Tage, da die gestrige schon weniger dynamische Kerze aus dem Trendkanal zur Seite hinaus gelaufen ist. Eine heftige Gegenreaktion ist zwar nicht zwingend, würde aber den Markt bereinigen und eine rasche Fortsetzung der Aufwärtsbewegung ermöglichen. Alternativ besteht die seltene, aber nicht unwahrscheinliche Möglichkeit einer weniger ausgeprägten Konsolidierung (nicht mehr als ein Prozent) mit einer anschließenden direkten Fortsetzung der Aufwärtsbewegung bis zum nächsten größeren Widerstand.
US-Notenbankchef steht Rede und Antwort
Alle sechs Monate stellt sich der US-Notenbankchef einer Anhörung im Finanzdienstleistungsausschuss des Kongresses, die Inhalt und Umfang der aktuellen Geldpolitik behandelt. Für die Finanzmärkte bedeutet das, volle Konzentration, auch wenn Bernanke bei weitem nicht mehr die Verklausulierungsrhetorik seines Vorgängers Greenspan nutzt. In den Kernpunkten wird es darum gehen, die aktuelle Situation des Finanzsystems zu beschreiben und die Länge der eingeleiteten umfangreichen Liquiditätsmaßnahmen abzuschätzen. Für die Kongressabgeordneten zählt unter dem Strich, ob Bernanke sich schon in der Lage sieht, ihnen eine Limitierung der riesigen Kreditaufnahme in Aussicht zu stellen. Bisher rechnete der Notenbankchef zwar mit einem Ende der Rezession zum Jahreswechsel 2009/2010, die aktuellen Probleme der regionalen Bank CIT deuten aber darauf hin, dass die Problematik am Kreditmarkt noch keinesfalls gelöst ist. Auch die jüngsten Zahlen von den Immobilienmärkten strotzen nicht gerade vor Optimismus. Vor diesem Hintergrund wird die Lageeinschätzung von Bernanke mit Spannung erwartet.
Apple, AMD und Yahoo- Technologie dominiert den Tag
Heute steigen die US-Unternehmen in voller Breite in die Berichtssaison ein. Im Mittelpunkt des Interesses werden die drei Technologieunternehmen Apple, Advanced Micro Devices (AMD) und Yahoo. Während die Analysten bei Apple eine Fortsetzung der Erfolgsstory erwarten, gehen sie bei AMD von Anzeichen für eine sich abzeichnende Trendwende aus. Inwieweit das zugebilligte Erholungspotenzial vor dem Hintergrund der aktuellen Zahlen schon eine Chance auf Freisetzung hat, wird sich zeigen, eine Art Signalwirkung an die Branche dürfte es allemal haben. Texas Instruments vermeldete zumindest keine überraschend negativen Zahlen, ein kräftiger Umsatz-und Gewinneinbruch waren erwartet worden. Im Falle von Yahoo steht der Erfolg verschiedener Kooperationen auf dem Prüfstand. Ohne die Partnerschaft mit Microsoft stünde es bereits wesentlich schlechter um das Unternehmen, weshalb die Übernahmethematik weiterhin heiß diskutiert wird.
Konjunkturdaten: USA: 16.30 Uhr: Beginn der Anhörung von Ben Bernanke vor dem Finanzdienstleistungsausschuss des Kongresses
Unternehmenszahlen: Q2-Zahlen: AMD, Apple, Caterpillar, Merck &Co., United Airlines, Yahoo
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 4.932; 4.989; 5.032
Widerstände: 5.144; 5.212; 5.351
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
