DAX: 5.000er Marke wird fallen
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 20. Mai 2009, 08:00 Uhr
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Optimismus füttert Optimismus - so lässt sich die derzeitige Lage im deutschen Standardwerte-Index beschreiben. Eine Bestätigung dieser Haltung zeigte die Veröffentlichung des ZEW-Konjunktur-Index am Vormittag, der statt der prognostizierten 20 Punkte auf 31 Zähler hoch schoss. Alle gestern genannten Widerstandsmarken zwischen 4.900 und 5.000 Punkten nahm der DAX aufgrund der positiven Stimmung vom Tisch. Sowohl im Schlusskurs (4.959 Punkte) als auch im Handelsverlauf (5.005 Punkte) produzierte der Blue-Chip-Index neue Aufwärtstrendhochs. Beides sind Signale für eine intakte Aufwärtsbewegung und stellen neue Kaufsignale dar. Die 5.000er Marke dürfte deshalb relativ bald auch auf Schlusskursbasis überwunden werden. Vermutlich wird es aber im DAX wieder die berühmten Stundenkonsolidierungen geben, die den Anschein erwecken, als könnte es zu stärkeren Gewinnmitnahmen kommen, bevor neuer Kaufdruck vom Terminmarkt wieder für steigende Kurse sorgt. Beachtenswert ist im Übrigen, dass die enttäuschenden Daten über fallende Neubaubeginne am Immobilienmarkt kaum für Druck am Markt sorgten. Nach einer kleinen Atempause setzten die Bullen ihr tun nach 14.30 Uhr verstärkt fort. Auch das ist momentan eine Ausdruck der relativen Stärke des DAX.
Zyklische Werte vor den Finanztiteln
Die Hoffnung auf ein Ende des Schrumpfungsprozesses in der Wirtschaft beflügelt mehr und mehr zyklische Werte. Mit MAN, Siemens, Salzgitter und Thyssen-Krupp gehörten vier Industriewerte zu den Zugpferden der gestrigen Aufwärtsbewegung. Die bisher führenden Finanzwerte zogen zwar auch zum Teil kräftig mit, aber nicht mehr in dem Ausmaß wie noch vor einigen Wochen. Der Wechsel des Favoritenkreises ist in diesem Stadium der Bärenmarktrally noch nicht als besorgniserregend anzusehen. Im Gegenteil: Die Aufschwünge zeigen eine zunehmende Marktbreite, die durchaus zu begrüßen ist und die Stabilität der Zugewinne zeigt. Vor diesem Hintergrund sollten auch noch „ruhende" Sektoren betrachtet werden. Die Chemiebranche hat zwar erst kürzlich von wenig Hoffnung für eine Nachfragebelebung im zweiten Halbjahr berichtet, es sei aber auch daran erinnert, dass die Vorstandschefs der betreffenden Unternehmen noch im ersten Quartal 2008 verhalten optimistisch für ihre Branche waren. Da das sehr zyklische Geschäft sehr schnelle Wechsel zwischen Boom und Flaute kennt, würde es nicht verwundern, wenn auch die Chemietitel noch stärke Erholungstendenzen zeigen würden.
Jahreshochs vom Januar im Visier
Es ist zwar schon etwas her, aber gab tatsächlich ein Verlauf-und Schlusskurshoch im DAX, die über den gestern gesehenen Höchstständen gelegen haben. Gleich in der ersten Januarwoche schloss der DAX bei 5.026 Punkten, nachdem er im Handelsverlauf bis auf 5.111 Punkte angestiegen war. Diese Widerstände werden die Bullen in den nächsten Tagen versuchen anzugreifen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass der DAX gestern zum ersten Mal seit Januar 2008 über der 200-Tage-Linie schließen konnte. Wie immer macht eine Schwalbe aber noch keinen Sommer, weshalb es nun schon zu weiteren Schlusskursen deutlich oberhalb des Durchschnitts kommen muss, um von einer gewissen Stabilität sprechen zu können. In der Regel kommt es aber häufig zu einem mehrwöchigen Kampf zwischen Bullen und Bären um die Dominanz der 200-Tage-Linie. Dabei werden die Schwankungen wieder leicht zunehmen. Bisher sieht es danach aus, als müssten sich die Bären auf noch ein paar ungemütliche Tage einstellen. Erst unterhalb von 4.860 Punkten können sie wieder hoffen, ein Test der 4.900er Marke wäre heute unproblematisch und nur als normale Konsolidierung anzusehen.
Entscheidung über Opel rückt näher
Das österreichisch-kanadische Konsortium Magna will der Bundesregierung heute sein Konzept für die Opel-Übernahme vorstellen. Es mag zwar ein optischer Unterschied zur doch recht schroffen Art von Fiat bestehen, im Endeffekt läuft aber alles darauf hinaus, dass der Bund den Großteil der Sanierungskosten tragen müsste. Ob die Wettbewerber wie BMW und Daimler das so gut finden, dürfte anzuzweifeln sein. Darüberhinaus scheint die US-Mutter General Motors sich schon mit einer Fortsetzung des Geschäftsbetriebes unter Insolvenzrecht abgefunden zu haben und rudert bei den Zugeständnissen für die deutsche Tochtergesellschaft wieder ein Stück zurück. Wie in diesem Umfeld ein für den Bund kalkulierbarer Sanierungsbeitrag errechnet werden soll, der nicht gleich der Verschwendung von Steuergeldern gleich kommen würde, bleibt fraglich. Immerhin scheint Wirtschaftsminister von Guttenberg die Tricks der subventionsbegierigen Bewerber erkannt zu haben. Eine harte Sanierung könnte auch ohne einen Partner stattfinden, nur würde dann erheb, ich mehr Geld gespart. Ob das aber in Wahlkampfzeiten akzeptiert wird, darf bezweifelt werden.
EZB entscheidet über Pfandbriefaufkäufe
Obwohl heute keine Leitzinsentscheidung ansteht, schauen die Marktteilnehmer mit Interesse zur zweiwöchigen Ratssitzung nach Frankfurt. Das Gremium entscheidet heute über die Verteilung der 60 Milliarden Euro, die zu Belebung des Pfandbriefmarktes eingesetzt werden sollen. Für die Märkte dürfte von Bedeutung sein, mit welchem ersten Einsatz die Notenbank Papiere erwerben will, sowie welche Kategorie (Öffentliche oder Hypothekenpfandbriefe) und welche Laufzeiten bevorzugt werden. Als sicher gilt, dass die Notenbanker vor allem Titel der zweiten und dritten Bonitätsstufe nachfragen werden, um so nicht nur bei den Banken für zusätzliche Umsätze zu sorgen, sondern auch privaten Unternehmen eine leichtere Kreditaufnahme zu ermöglichen. Die in deren Vermögen schlummernden Pfandbriefe, die eigentlich als Sicherheit für schlechte Zeiten gedacht waren, haben sich in den letzten Monaten wegen der Krise am Bankenmarkt als unverkäuflich dargestellt. Gelingt es der EZB die Liquidität am Pfandbriefmarkt rasch wieder zu erhöhen, dürfte das Unternehmen und Banken gleichermaßen zugute kommen.
Konjunkturdaten: DE: EZB-Ratssitzung ohne Zinsentscheidung
Unternehmenszahlen: HV: Deutsche Börse, Vossloh, Epcos
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 4.870; 4.913; 4.956
Widerstände: 4.980; 5.026; 5.111
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
