DAX: 200-Tage-Linie bremst
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 12. Mai 2009, 08:00 Uhr
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Nach dem fulminanten Wochenabschluss gestaltete sich der Wochenauftakt durchwachsen bis enttäuschend. Erneute Unsicherheit über den tatsächlichen Kapitalbedarf der US-Banken zum Bestehen des von der US-Notenbank initiierten „Stresstests" ließ die Märkte wieder in negativem Terrain verharren. Der DAX schaffte es erst gar nicht bis in die positive Zone, konnte sich aber am Ende noch von seinem Tagestief bei 4.832 Punkten lösen. Scheinbar benötigen die Marktteilnehmer nun doch ein paar Tage mehr, um über die Nachhaltigkeit der vergangenen Rally nachzudenken. Die Bewertung der Banken und die Beurteilung über die Tragfähigkeit ihrer Kapitaldecke dürfte dabei aber weniger im Vordergrund stehen. Der Umfang der Gewinnmitnahmen in diesem Sektor deutet lediglich eine normale Konsolidierung und eine keine neuen Zweifel über die langsame Genesung der Branche an. Hingegen wird unter den Fondsmanagern intensiv diskutiert, ob das Szenario einer Erholung im Euro-Raum doch schon früher stärkere Konturen annehmen könnte als bisher vermutet. Der Anstieg bei vielen Industrieaktien weicht zumindest von den fundamentalen Einschätzungen erheblich ab. Im Wettbewerb zwischen Analysten und Börse behielt regelmäßig die Börse die Oberhand. Es wäre deshalb überraschend, wenn es diesmal anders wäre.
Nach Siemens jetzt MAN
Jedem deutschen Industrieunternehmen sein Korruptionsfall: Nach den Verwerfungen einer Korruptionskrise bei Siemens sieht nun der LKW-Hersteller MAN mit massiven Vorwürfen dieser Art an einen Kreis seiner Mitarbeiter ausgesetzt. Verwunderlich ist dabei weniger die Erkenntnis dass auch MAN zur Zuteilung von Aufträgen auf unsaubere Methoden setzte, sondern das Ausmaß, das der Fall umfasst. Wie so oft finden sich dann ausgerechnet in Krisenzeiten Hinweise auf ein mögliches Korruptionssystem. Mit Zufall dürfte die Offenlegung der Affäre wohl dann auch kaum etwas zu tun haben, sondern eher mit Hinweisen durch einen enttäuschten Mitarbeiter. Den Schaden hat jetzt in jedem Fall das Unternehmen, dessen steiler Aufwärtstrend an der Börse abrupt abbrach. Bei Siemens kann sich der Vorstand von MAN erkundigen was es braucht, um den Makel der Korruption zu tilgen. Die Antwort wird man aber auch so wissen: Viel Zeit und Geld. Für ein Unternehmen das in den vergangenen Monaten stark vom Abwärtssog der Wirtschaftskrise getroffen wurde, stellt diese zusätzliche Belastung eine schwere Hypothek dar. Ein gutes Management meistert allerdings auch diese schwere See. Die nächsten Tage schon werden zeigen, ob es schnell gelingt.
Konsolidierung weitet sich aus
Das erneute Abtauchen unter die 4.900er Marke lässt zwar sowohl Bullen als auch Bären alle Optionen, kurzfristig könnte sich die begonnene Konsolidierung aber fortsetzen. Der DAX müsste heute deutlich über 4.913 Punkte schließen, um die 200-Tage-Linie bei 4.950 Punkten zu überwinden. Fällt der Index hingegen unter 4.800 Punkte, dies ist die zu favorisierende Variante, könnte es zu einem Test des unteren Randes des aktuellen Aufwärtstrendkanals bei 4.680 Punkten kommen. Der ultimative Test dieser Unterstützung würde aber wahrscheinlich nur Trend bestätigenden Charakter tragen, dass sich dort viele Schnäppchenjäger günstig mit neuen Papieren eindecken würden. Eine Konsolidierung könnte auch schon bei 4.744 Punkten enden, den der überkaufte Zustand wurde schon mehr als die Hälfte korrigiert. Für stärker fallende Kurse fehlt es dem Markt einfach an Abwärtsmomentum und es ist nicht ersichtlich, dass sich das kurzfristig ändern wird. Die Konsolidierung dürfte also spätestens Mitte der Woche zu Ende gehen.
Zahlreiche MDAX-Werte mit Neuigkeiten
Nachdem das Gross der DAX-Werte über seinen Geschäftsverlauf in den ersten drei Monaten Bericht erstattet hat, folgen nun vermehrt die Titel aus der zweiten Reihe mit ihren Bilanzen. Ob ausgerechnet deshalb der MDAX mit einem Kursverlust von fast vier Prozent gestern nach unten aus der Reihe tanzte bleibt offen. Mit EADS tauchte dabei bereits ein Titel ab, dessen Zahlen zum ersten Quartal 2009 für wenig Begeisterung sorgen dürften. Noch düsterer wird aber der Ausblick des Managements sein. Die Wirtschaftskrise hat nämlich schon voll auf die Reisebranche durchgeschlagen, die Neubestellungen von Flugzeugen laufen auf äußerst niedrigem Niveau, bestehende Aufträge werden in die Zukunft verschoben. Zwar steuert EADS schon seit einiger Zeit mit einem größeren Sparprogramm gegen, noch härtere Maßnahmen werden aber nicht mehr auszuschließen sein. Spannungen und Unruhen bei dem europäischen Flugzeughersteller werden deshalb zunehmen. Kein ideales Umfeld für Anleger und Investoren.
US-Handelsbilanz weiter negativ
Der sinkende Importhunger der US-Verbraucher hat den Negativsaldo der US-Handelsbilanz seit Oktober von -60 auf -40 Milliarden US-Dollar reduziert. Analysten gehen für den Monat März aber erstmals wieder von einem leichten Anstieg des Defizits aus. Damit würde eine weiterer wichtiger Konjunkturindikator eine Trendwende schaffen, der auf eine Entspannung der Wirtschaftskrise hindeuten könnte. Haupttreiber dürfte aber noch weniger eine neue Bestellwut der Amerikaner als die bessere Stimmung unter den US-Einkaufsmanagern sein. Da diese ihre leer geräumten Läger langsam wieder etwas nachfüllen, nehmen die Importe leicht zu. Ein Abbau des hohen Handelsbilanzdefizit in den USA bliebe dennoch wünschenswert, denn damit würden auch die hohen Ungleichgewichte mit anderen Ländern stärker ausgeglichen. Um das zu erreichen, müssten andere Länder aber einen höheren Bedarf an US-Produkten außerhalb der Landwirtschaft haben. Da allerdings mit der Autoindustrie gerade ein weiterer großer Industriezweig viel Federn lassen muss und die Lücke durch ausländische Fabrikate geschlossen wird, dürfte das Defizit mittelfristig erst einmal wieder zunehmen. Nur ein Ausbau der eigenen internationalen Wettbewerbsfähigkeit könnte für eine langfristige Reduzierung des Defizits sorgen.
Konjunkturdaten: USA: 14.30 Uhr: Handelsbilanz März
Unternehmenszahlen: Q1: Aareal Bank, Douglas, Fraport, Kuka, Q-Cells, EADS; HV:Bayer
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 4.709; 4.744; 4.813
Widerstände: 4.870, 4.870; 4.980
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
