Das Zeitalter des Globalismus
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 28. April 2004 12:00 Uhr
ENL5454
Sie wissen, dass Sie im Zeitalter des Globalismus leben, wenn Sie im Flieger von den USA nach England sitzen, um einer Deutsch-Costa Ricanischen Hochzeit beizuwohnen.
Entsprechend erwartete ich halbwegs, von einer Delegation alternder Schmuddelkinder mit Skimasken und antiglobalen Protestplakaten begrüßt zu werden.
Nichts da ... Eheschliessung und Empfang fanden an einem die Themsenbrücke bei Windsor überblickenden Restaurant statt ... und die von Eton zum Windsor Castle pilgerndern Touristenströme waren mindestens ebenso friedfertig wie die aus Deutschen, Engländern, Nicaraguanern, Colombianern und Polen bestehende Gruppe der Gäste.
*** Was ist in den letzten vier Wochen hier in den Staaten wirtschaftlich passiert? Wurden die Schulden geringer, das Einkommen höher, die Presie niedriger? Stehen nun gar Headhunters an den Kreuzungen, um Vorbeigehenden Jobs aufzuschwatzen?
Letzten Monat liess ich mich hier über die generelle Mehrwertfreiheit von Verbrauchervertrauensindizes aus.
Heute hätte man für eine Wiederholungstat berechtigten Anlass: Dem Consumer Confidence Index des Conference Boards zufolge stieg das amerikanische "Verbrauchervertrauen" im April auf 92,9 von einem revidierten 88,5 im März. (Sie erinnern sich, vor vier Wochen waren dieser und andere derartige Indizes noch Anlass zum sorgenvollen Stirnerunzeln.)
Natürlich hat sich nichts handfest geändert. Abgesehen vom Wetter ... und das hatte ebenfalls Einfluss auf weitere Statistiken.
Denn die amerikanische Immobiliensaison beginnt traditionsgemäß dann, wenn Frühlingsblumen und blühende Büsche das Haus so vorteilhaft aussehen lassen wie nur irgend möglich.
(Deshalb ist es meistens auch fast unmöglich, nach dem 1. März bzw. vor dem 30. Oktober einen Maler anheuern zu können ...)
Enstprechend stiegen nach Abflauen des überaus langen und nassen Winters hier an der Ostküste im März auch die Verkäufe von Altbauten ... um satte 5,7 % auf 6,48 Millionen (auf's Jahr berechnete) Einheiten.
Ein kurzes Überfliegen der britischen Finanzpresse auf meinem Weg von und nach England am Wochenende liess mich zu dem Schluss gelangen, dass der allgemeine Konsensus der Experten auf einen weiteren Abrutsch des Dollars noch über die jüngsten Tiefwerte baut ... und dass dieser durch einen plötzlichen Einbruch dee US Immobilienmarktes hervorgerufen wird.
Meine Meinung: Don't hold your breath!
Herzliche Grüße,
Ihr
J. Christoph Amberger, Executive Publisher, The Taipan Group