Das Zeitalter der Fusseln
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 22. Januar 2009, 07:30 Uhr
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Als Ben Bernanke am vergangenen Dienstag seine Rede vor der London School of Economics hielt, war auch einer meiner Reporter mit dabei. Terry Easton stellte dem amerikanischen Zentralbanker eine schwere Frage: Ob die Eingriffe die Situation nicht nur schlimmer machen würden, wollte er wissen.
Unter all dem bla...bla... bla der Antwort Bernankes fand sich auch Folgendes:
Die Tendenz der Finanzsysteme abwechselnd Booms und Krisen zu durchleben... ist ein schon lange bestehendes Problem... aber ich gehe davon aus, dass es sehr wichtig ist, dass wir zuerst versuchen, das Feuer zu löschen... und uns dann Gedanken über die Feuerschutzbestimunngen machen."
In seinem Buch "The Collapse of Complex Societies" behauptet Joseph Tainter im Jahr 1988, dass alle Gesellschaften - genauso wie alle Organismen - dem Untergang geweiht sind. Tainter befasste sich mit dem alten Rom genauso wie mit der Zivilisation der Maja.
Er stellte fest, dass die Probleme irgendwann auflodern. Jedes - egal ob klimatisch, oder politisch oder wirtschaftlich - lässt die Glocke bei der Feuerwehr läuten. Und jede Lösung - und hier dürfen die Leser das Wort "Bailout" für Lösung einsetzen - bringt weitere Herausforderungen und verbraucht weitere Ressourcen. Zuletzt sind alle verfügbaren Ressourcen verbraucht.
Tainter stellt fest, dass die Leute aufzugeben scheinen, wenn die Kosten hoch genug sind. Bis zum Ende des Römischen Zeitalters, waren die Belastungen des Imperiums so groß, dass die Leute sich selbst in die Sklaverei verkauften, um sie los zu werden. So viele Leute haben das gleichzeitig getan, dass die Autoritäten irgendwann mit einer anderen Lösung kommen mussten: Sie haben diese Praxis als gesetzeswidrig erklärt. Fortan verlangte das Gesetz von den römischen Bürgern, dass sie frei bleiben.
Ein anderer Philosoph, Giambattista Vico, schrieb im 18. Jahrhundert, dass der Anfang des Untergangs Roms ungefähr in die Zeit des Großen Feuers zur Regierungszeit Neros fällt. Nero fing an, Gold und Silber aus den Münzen zu nehmen, teilweise, um damit für seine Reformen und den Wiederaufbau nach dem Feuer zu bezahlen. Alle Zivilisationen durchlaufen drei Phasen, sagte Vico - die göttliche, die heroische und die menschliche.
Die göttliche Phase wird von den Göttern beherrscht. Die heroische Zeit schmückt sich mit Siegen und mit Statuen. Und dann kommt die menschliche Ära. (An dieser Stelle möchte ich mir erlauben, eine Fußnote zu Vicos Oeuvre hinzuzufügen: Die Münzen aus dem Reich der frühen Phasen sind Gottes Geld - Gold. Später wenden sich die Menschen dem selbst erfundenen Geld zu - dem Geld, das auf Bäumen wächst.)
In dieser letzten Phase, so sagt Vico, erheben sich die beliebten Demokratien, zusammen mit dem rationalen Denken und dem, was Vico genussvoll als "barbarie della reflessione" [Die Barbarei des Überlegung] bezeichnet. In den früheren Phasen tun die Leute das, was die Götter und ihre Führung von ihnen verlangen. In der letzten Phase fragen sie: Was springt denn für mich dabei heraus?"
Noch bis in die frühen Sechziger konnte John F. Kennedy den heroischen Trieb ansprechen, ohne dass deswegen jemand gelacht hätte. Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann", sagte er bei seiner Antrittsrede, fragt, was ihr für euer Land tun könnt."
Doch 11 Jahre später fing Richard Nixon, genauso wie Nero vor ihm, an, das Geld des Landes zu entwerten. Das war auch eine Lösung: Die Vereinigten Staaten hatten zu viel Geld ausgeben. Auch Nixon wollte sich über die Feuerschutzbestimmungen erst später Gedanken machen. Zuerst holte er die Löschschläuche, er brach Amerikas Versprechen, den Dollar zu einem festen Kurs gegen Gold zu tauschen.
Barack Obama versuchte es in der vergangenen Woche mit einem edelgesinnten Aufruf im Stile Kennedys. Wir müssen darauf bestehen, dass die erste Frage, die sich jeder von uns stellt, nicht heißt, Was ist gut für mich, sondern, Was ist gut für das Land, das ich einmal an meine Kinder vererben werde?", sagte der neu designierte Präsident. Aber heute sind solche Worte, genauso wie die dorischen Säulen in einem Wohnwagenpark, eher ornamental und nicht strukturell. Sie sind eine Hommage einer Ära an eine bessere.
Wir leben heute im 21. Jahrhundert. Barbarische Überlegungen steigen auf wie Sumpfgas. Überall stinkt es danach. Bernanke und Obama bieten Lösungen an. Aber ihre Pläne, die Welt vor einer Korrektur zu retten, sind wenig mehr als Betrug. Sie bieten an, die Fehler einer Generation mit Billionen Dollar freizukaufen, die dann der nächsten Generation aufgeladen werden.
Bedenkt man die aktuelle Finanzkrise", schreibt Rony Teitelbaum, dann ist deutlich, dass zwei Hauptfaktoren den politischen Reaktionen auf die Krise zugrundeliegen. Das eine ist der Druck, der seinen Ursprung darin hat, dass es feste Verbindungen zwischen den Gewählten in den Finanzen und in der Politik gibt. Das manifestiert sich in den Rettungen großer Institutionen mit Steuergeldern, wobei auch weiterhin Prämien an die Geschäftsführer gezahlt werden und für politische Kampagnen gespendet wird. Für diejenigen von uns, die nicht blind sind, sind das deutliche Anzeichen einer politischen Korruption, die selbst den schlechtesten römischen Kaiser hätte erröten lassen.
Der zweite Faktor ist der politische Druck, der seinen Ursprung im Massenpublikum hat. Diese Art von Lösungen, die bislang angeboten wurde, und ich möchte hinzufügen, die auch mit einer warmherzigen Begeisterung in Empfang genommen wurden, waren Steuererleichterungen und ein vorübergehendes Aussetzen der Treibstoffsteuer. Das sind Aktionen, die auf eine Öffentlichkeit abzielen, die ungeduldig auf schnelle und offensichtliche Ergebnisse wartete", um Carys Beschreibung der römischen Gesellschaft im Jahr 300 unserer Zeitrechnung zu zitieren. (A History of Rome).
Im Jahr 2009 gibt es kaum eine Seele auf der gesamten Welt, die nicht von der Barbarei der Reflektion der späten imperialen Periode korrumpiert wird. Sowohl Patrizier als auch Plebejer sind für die Rettung. Sowohl die Unternehmen als auch die Arbeiterschaft stehen hinter den Konjunkturprogrammen. Die Steuerzahler und die Politiker, die sie beherrschen, sind einer Meinung. Liberale, Konservative, Reiche, Arme, Republikaner, Demokraten, sie alle sprechen einhellig, Zur Hölle mit der nächsten Generation."
Das goldene Zeitalter ist, mit anderen Worten, vorbei. Innerhalb von nur 40 Jahren bewegte es sich von Gold zu Silber und dann zu Papier... und jetzt befindet es sich irgendwo zwischen Plastik und den Fusseln im Nabel.