Das Yen-Stimmungsbarometer
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 10. September 2008, 11:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
typischerweise ist die Entwicklung der japanischen Währung auch ein Indikator für die Risikobereitschaft der Investoren. Wenn die Nachfrage nach mit höherem Risiko behafteten Vermögenswerten steigt, dann fällt der Yen - und umgekehrt.
In der vergangenen Woche zeigte sich der JPY deutlich festern - ein Zeichen für eine abnehmende Risikobereitschaft. USD/JPY fiel gestern bis unter 106,86. EUR/JPY erreichte gestern die 150,48. Denn nach wie vor besteht große Besorgnis in Bezug auf den Finanzsektor, was gestern auch wieder den US-amerikanischen Aktienmarkt weiter unter Druck setzte.
Und heute? Nun, der Markt ist übernervös, auch die Liquidität ist gering. Dies kann zu starken Kursveränderungen führen.
Nehmen wir das Finanzinstitut Lehman Brothers als Beispiel. Gestern hieß es noch, die Gespräche mit der Korea Development Bank die sich an der Übernahme eine 25 % Anteils interessiert gezeigt hatte seien im Sande verlaufen. Folge: der Lehman Kurs verliert 45 % an einem Tag, die Angst ist wieder da, der Yen steigt.
Heute reagiert Lehman darauf, indem das Unternehmen seinen Q3-Bericht vorzeitig veröffentlichen will. Man geht also davon aus, dass in diesem Bericht irgendetwas stehen wird, dass als positiv interpretiert werden kann. Folge: Lehman legt 36 % zu im deutschen Handel, man beruhigt sich wieder und der Yen fällt.
Ist es wirklich so einfach? Ein Stück weit schon, aber der Markt ist auch schlicht und ergreifend extrem nervös. Da bleiben fundamentale Überlegungen gegenwärtig einfach ein wenig im Hintergrund. Am besten sind dann die Gefühlsschwankungen an der Yen-Entwicklung abzulesen.
Hinzu kommt aber auch die Überlegung, dass möglicherweise einige japanische Importeure JPY gegen USD verkauft haben um ihre Rechnungen zu bezahlen.
Gegenwärtig notiert USD/JPY bei 107,46. Kurzfristig könnte die 107,50 heute noch erreicht werden.
EUR/JPY notiert gegenwärtig bei 151,78 und könnte sich zunächst in einer Range zwischen 151,58 und 152,02 bewegen.