Das wirkliche Problem der US-Wirtschaft
Investors Daily
vom 31. Januar 2005 18:00 Uhr
ENL5454
"Das wirkliche Problem mit der US-Wirtschaft", schreibt Edward Hadas, "ist nicht, dass sie mit Asien nicht wettbewerbsfähig wäre." Wer kann schon mit einem Stundenlohn von 21 Cents pro Stunde konkurrieren? Aber Amerika ist auch mit Europa nicht wettbewerbsfähig – obwohl die Arbeitskosten in Europa sogar noch höher sind als in den USA.
"Der offensichtlichste Beweis für den industriellen Rückgang der USA ist der Handel der USA mit der EU. Die Stundenlöhne in der EU sind höher als in den USA, und die Devisenmärkte sind ziemlich frei. Die USA verlieren diesen Handelskampf. In Euro gemessen ist das amerikanische Handelsbilanzdefizit mit der EU seit dem Jahr 2000 um 50 % gewachsen, darunter ein Zuwachs von 4 % im letzten Jahr. Die 40 %ige Dollarabwertung in diesem Zeitraum hatte keinen klaren Effekt."
Die EU hat dies ohne die geringste Hilfe von Seiten ihrer Zentralbanker geschafft. Dr. Kurt Richebächer erklärt:
"In den letzten paar Jahren gab es in Europa nicht die kleinsten Bemühungen, die Wirtschaft mit künstlich niedrigen Zinsen zu stimulieren, weil wir Europäer an so etwas nicht glauben. Nicht, weil wir dumm sind, sondern weil wir einfach nicht an die Effektivität davon glauben."
Die Amerikaner haben die Zinsen gesenkt, um den Konsum zu erhöhen. In den vier Jahren zwischen 2000 und 2004 stieg der Konsum in den USA schneller als das Wirtschaftswachstum. Die Amerikaner konsumierten mehr als sie selbst produzierten, und diese Lücke wurde durch Importe geschlossen. Wenn man mehr konsumiert als man produziert, dann hat man nichts übrig, um Fabriken zu bauen, die Infrastruktur zu verbessern und die Investitionen zu tätigen, die zu höheren Löhnen und höherem realen Wirtschaftswachstum führen. Nicht überraschend sind deshalb die Reallöhne in den USA im Jahr 2004 gefallen. Die Amerikaner wurden ärmer.