Das Weltwirtschaftswachstum wird Metall-und Energieintensiver
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 21. August 2008, 20:00 Uhr
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Liebe Leser,
erinnern Sie sich noch an die deutschen Wirtschaftswunderjahre"? Persönlich, oder durch Erzählungen der Eltern oder Großeltern. Eine bedeutsame Phase der deutschen Geschichte der Nachkriegzeit! Eine Phase über die nicht zu Unrecht gerade heute noch einmal nachgedacht werden muss. Denn in der Geschichte lassen sich oft Parallelen für die Gegenwart und Zukunft entdecken.
Stellen wir also einen Vergleich an: die Wirtschaftswunderjahre", die sich ja nicht nur, aber eben in bedeutsamer Weise auch auf Deutschland beziehen, begründen eine starke Aufschwungphase. Hier wurde das starke Wirtschaftswachstum zunächst vor allem durch den Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur nach dem Zweiten Weltkrieg getragen. Aus diesem Grund war für diese Aufschwungphase vor allem eines prägend: ein hoher Verbrauch an Rohstoffen. Und gerade dies ist die Parallele die sich zur Gegenwart ziehen lässt. Heute sind die Länder mit den höchsten Wachstumsraten in der Welt die Emerging Markets. Diese Länder begründen ein hohes Wirtschaftswachstum, weil sie ihre Binnenmärkte aufbauen, in ihre Infrastruktursektoren investieren (müssen) und ihre industriellen Sektoren ausbauen. Auch dieses Wirtschaftswachstum ist dementsprechend extrem Rohstofflastig, vor allem Metall- und Energieintensiv. Nicht ganz grundlos werden die Emerging Markets als Rohstofffresser" gebrandmarkt, obgleich die zugrunde liegende negative Wertung hinter solchen Äußerungen in meinen Augen unangebracht ist. Wer wachsen muss, der wächst und verbraucht eben auch Rohstoffe, wie es die Industrienationen ja nun auch getan haben und noch immer tun.
Dieser Rohstofftrend bedeutet somit vor allem eines: das globale Wirtschaftswachstum generiert sich zunehmend durch einen hohen Metallverbrauch und kennzeichnet sich durch eine starke Energieintensität.
Interessant ist, was uns die Geschichte zudem lehren kann: solche Rohstoff verschlingenden Aufschwungphasen dauern historisch belegt Jahrzehnte. Die gegenwärtige Rohstoffhausse ist aber erst seit 1999 in Gang. Aufgrund des stabilen Nachfragewachstums und der zugleich prekären Angebotssituation ist ein Ende dieser Hausse noch lange nicht abzusehen. Im Gegenteil, auch dank der jüngsten Entwicklungen an den Finanzmärkten gehe ich davon aus, dass wir uns gerade einmal in der Mitte eines neuen Rohstoff-Superzyklus befinden, der sich noch mindestens bis in die Jahre 2015 bis 2020 erstrecken kann.
Auch die aktuelle wirtschaftliche Lage in den USA könnte pikanter Weise diese Entwicklung unterstützen.
Denn im Angesicht der nach wie vor bestehenden Problematik des US-Hypotheken- und Finanzmarkts, dürfte die US-Notenbank weiterhin genötigt sein die Geldmenge großzügig auszuweiten. Dies wird jetzt schon durch die Ausweitung des Notfall-Kredit-Programms und durch die Unterstützung der faktisch insolventen Subprime-Lender Fannie Mae und Freddie Mac deutlich. Das dürfte den Trend zu tieferen Realzinsen deutlich verstärken, was zumindest die Entwicklung des Weltwirtschaftswachstums unterstützt - da meist Kredite in Niedrigzinsregionen aufgenommen und andernorts bei höherer Verzinsung investiert werden - und auch die Nachfrage nach nicht zinssensitiven, stabilen Werten wie Rohstoffe von Seiten der Finanzinvestoren wieder antreibt.
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