Das "Weltuntergangs"-Portfolio (Teil 2)
Alexander Green (US-Korrespondent) in Investoren Wissen
vom 25. Juni 2010, 16:00 Uhr
ENL5454
eigentlich wollte ich heute etwas zu BP und zur BP-Aktie schreiben. Nachdem mich gestern jedoch sehr viele Zuschriften wegen Herr Greens "Weltuntergangs-Portfolio"-Artikel erreichten, komme ich natürlich Ihrem Wunsch entgegen und bringe die Fortsetzung bereits heute (werde ich zukünftig bei Fortsetzungsartikeln jetzt immer so handhaben, dass die Fortsetzung direkt am nächsten Tag kommt).
Der BP-Artikel kommt dann eben erst am Montag.
Alexander Hahn
(Fortsetzung des Artikels von gestern)
Der Unterschied heute ist, dass diese Leute eben gerade keine notorischen Weltuntergangspropheten sind, welche die gleiche Botschaft schon seit über 30 Jahren vor sich hin blubbern. Es handelt sich bei diesen Leuten um sehr optimistische Leute, die aber inzwischen soweit sind, dass sie begreifen, dass die westlichen Regierungen die Weltwirtschaft ernsthaft in den Ruin fahren, wenn sich hier nichts ändert.
Der K.O.-Schlag gegen die Demokratien in Griechenland und Rom vor ein paar Jahrtausenden war u.a., als die Wählerschaft erkannte, dass sie ihre Vertreter nutzen konnte, um für sich in die Staatskasse greifen zu lassen. Neuerdings erscheint dieser Hinweis sehr vorherwissend.
Einer meiner Freunde fasste es wie folgt zusammen:
"Schau her, Alex. Es ist mir egal, ob ich mit dem finanziellen Weltuntergang nicht Recht habe und meine Gewinne vielleicht niedriger sind als das, was sie hätten sein können. Sag mir einfach, was ich mit meinem Geld machen kann, so dass ich mit der Inflation Schritt halten kann oder diese vielleicht ein wenig schlagen."
Wie Sie Ihr Vermögen im "Weltuntergangs"-Portfolio aufteilen sollten
Mit diesem oben genannten, bescheidenen Ziel vor Augen ist mein Vorschlag, wenn Sie sich auf einen großen Crash einrichten wollen (was mir zum jetzigen Zeitpunkt doch noch etwas früh erscheint), die folgende Aufteilung:
- Stecken Sie 40% Ihres liquiden Portfolios in extrem kurzlaufende Staatsanleihen mit AAA-Rating
- Stecken Sie 40% in inflationsindizierte Staatsanleihen. Dies sollte Sie vor Inflation schützen.
- Stecken Sie 20% in defensive Dividendenaktien (Nahrungsmittelhersteller, Goldminen, Rüstungsfirmen, etc.). Das sollte etwas Wachstum und Einkommen bringen.
Warum überhaupt Aktien? Weil eine 200-jährige Geschichte zeigt, dass dies sicherer ist als ein reines Anleihenportfolio.
Eine persönliche Anmerkung: Ich würde mein Geld nicht so investieren, da ich das Ende der Welt nicht kommen sehe.
Aber meine Freunde scheinen dankbar für einen klaren Plan zu sein.
Ich hoffe nur, unsere "Vertreter" in den Parlamenten begreifen, auf was wir zusteuern, bevor es zu spät ist.
Erfolgreiches Investieren,
Alexander Green
KOMMENTAR ZUM ARTIKEL VON HERRN GREEN:
Leider muss ich hier ganz offen sagen, dass mich Herr Greens Weltuntergangsportfolio nicht überzeugt (ich hoffe, er möge es mir verzeihen...), da es viel zu Anleihen lastig ist. Diese gehören aus meiner Sicht in kein Krisenportfolio.
Auch inflationsindizierte Staatsanleihen sind nach wie vor Anleihen, d.h. es besteht ein Gegenparteienrisiko. Darüber hinaus ist deren Zinsentwicklung an die offizielle Inflationsrate gekoppelt. Diese wird aber heute schon manipuliert und heruntergerechnet. Kapitalverlust in Krisenzeiten ist damit aus meiner Sicht vorprogrammiert und eine sichere Sache.
Ich möchte mein "Weltuntergangsportfolio" dem entgegensetzen (auch ich sehe den "Weltuntergang" aber noch nicht kommen, daher würde ich aktuell wohl meine Mittel nicht ganz auf diese Weise investieren, es aber im Hinterkopf behalten...)
- 40% physische Edelmetalle in Eigenbesitz und verschiedenen Stückelungen (Schwerpunkt auf Gold und Silber, als Beimischung etwas Palladium und Platin; bekannte und liquide Kapitalanlagemünzen, keine Exoten und keine Sammlermünzen; keine Edelmetallkonten oder sonstiges "Papiergold").
- 14% Liquidität in 10-Euro-Silbermünzen (gesetzliches Zahlungsmittel, jedoch mit innerem Wert und ohne Aufpreis erhältlich bei Banken, an sicherem Ort im Eigenbesitz verwahren)
- 8% Liquidität in Fremdwährungen auf Fremdwährungskonten außerhalb der EU (etwa klassische "Fluchtwährungen" wie der CHF und "rohstofflastigere" Währungen wie z.B. AUD, CAD)
- 8% Liquidität in Form von Bargeld (von den Büchern der Bank genommen, etwa im Bankschließfach, da dies nicht zur Konkursmasse der Bank gehört, nur kleine Scheine)
- 15% Bluechip-Aktien (ausschließlich Versorger, Nahrungsmittelproduzenten, Waffenfabriken, etablierte und finanziell solide Goldminen in westlichen Gebieten, hierbei auf entsprechende Dividenden achten), Lagerung der Wertpapiere und Wertpapierdepots außerhalb der EU und außerhalb der USA.
- 15% kurzfristiges Trading / flexible Komponente (etwa auf fallende Kurse, um von einem Crash zu profitieren oder um im Falle eines deflationären Crashs die physischen Edelmetalle etwas zu hedgen)
(Darüber hinaus kommt natürlich noch die persönliche Krisenvorsorge, aber das ist weniger ein Investmentthema).
Grundsätzlicher Tipp aus meiner Sicht: Finger weg von Anleihen, wenn Sie kein absoluter Profi in dem Segment sind. Wenn ein paar Staaten umkippen, kommt es in dieser Asset-Klasse sicher zu größeren Verwerfungen!
Wie gesagt, noch würde ich das Ende der Welt sicher nicht einläuten wollen, aber es schadet nie einen Plan für den Extremfall zu haben. Wer weiß, wo uns "unsere" Politiker noch hinbringen werden.
Beste Grüße
P.S.:
Mit meinem "Weltuntergangs"-Portfolio sind Sie übrigens sowohl gegen Deflation wie auch gegen Inflation aufgestellt. Im Falle von Deflation verfügen Sie über 30% sichere Liquidität (außerhalb des dann sicherlich stark unter Druck geratenden Bankensystems) und können durch die flexible 15%-Komponente Wertverluste im Bereich der Edelmetall-Investments verhindern bzw. vom Crash sogar noch profitieren.
Im Inflationsfall verfügen verfügen Sie über 40% Edelmetalle, 14% Liqudität mit innerem Edelmetallwert, Aktien und 15% flexibel einsetzbarem Kapital.
Sicher kann man solche Vorgehensweisen noch präziser auf die jeweiligen Situationen abstimmen, aber als eine kleine Orientierung ist das o.g. Portfolio vielleicht ja ganz nützlich, wenn es dann mal wirklich soweit sein sollte (was ich natürlich nicht hoffe und aktuell auch noch nicht in dem Maße sehe).
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Zupfer (25.06. 2010 20:48 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn, Ihr WU-Portfolio wäre in jedem Falle vorzuziehen.Es ist gut durchdacht und mit Blick auf die heutigen Verhältnisse hervorragend strukturiert.Entspricht auch exakt meinen Vorstellungen.Ein nützlicher Ratschlag! Beste Grüsse E.Hinger
Antworten - Kommentar von Hans (25.06. 2010 20:49 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn, Ihre Kriesenvorsorge, lassen sie es mich kurz fassen, trift den Nagel auf den Kopf. Das nennt man dann wohl gleiche Wellenlänge. In der Tat ist zum jetzigen Zeitpunkt noch keine akute Gefahr zu erkennen. Aber unsere Einschätzung ist auch immer abhängig vom Grad unseres gegenwärtigen Informationsstandes. Und bei Leibe wir wissen vieleicht viel aber nicht alles. Wir dürfen auch nicht vergessen, daß ein Crash mit welchem Zenario auch immer, von den Herrschenden nicht ohne Manipulation von statten geht. Sie werden auch hier immer dafür sorgen, daß eine bestimmte Klientell sich weitesgehend schadlos halten kann und die Masse die Verlierer sind. Also was glauben sie wieviel Zeit man uns geben wird um in Deckung gehen zu können. Für die meisten Maßnahmen ist es dann zu spät. Es passt keine Herde Elefanten durch ein Nadelöhr. MFG Hans Welter
Antworten- Antwort von Brenneis (28.06. 2010 09:02 Uhr):
Das "Weltuntergangs"-Portfolio von Herrn Alexander Green ist ja wohl ein schlechter Scherz !!! Wie kann man im Moment empfehlen 80% in Staatsanleihen zu stecken??? Was ein AAA-Rating Wert ist, hat man ja in der letzten Zeit gesehen, kann auf einen Schlag 3 Stufen gesenkt werden. Fällt mir nichts mehr ein!? Herr Hahn, Ihr WU-Portfolio ist dagegen super, so in etwa könnte auch meines aussehen ;-)
- Antwort von Brenneis (28.06. 2010 09:02 Uhr):
- Kommentar von GrandCru (27.06. 2010 14:21 Uhr):
Für meinen Geschmack ist das Depot nur für speziell für die Hyper-Inflation geeignet, während eine andere Möglichkeit zu kurz kommt - die Deflation. Darüber wird in letzter Zeit mehr geredet und ich meine zurecht. Offenkundig ist die Gefahr für japanische Verhältnisse inzwischen größer als die Gefahr einer Hyperinflation. Bitte beachten Sie, wie seit 2008 die Geldmenge M3 in den USA immer weiter abgestürzt ist und sich inzwischen MINUS 6% erreicht hat. In Deutschland merkt man es nicht so stark, in anderen Ländern sehr deutlich: Die Wrtschaft läuft in die Depression hinein, nicht in die Expansion. Andererseits darf nicht übersehen werden, dass Gold bei mittlerem Inflationstempo (4% bis 10%) seinen relativen Reiz verlieren könnte und sich dann konträr zu den "logischen" Erwartungen entwickeln könnte.
Antworten - Kommentar von Franc (28.06. 2010 17:58 Uhr):
Sehr geehrter Herr Hahn, ich schätze Ihre fundierten, gut recherchierten Artikel durchaus sehr. Die grundsätzliche Ausrichtung Ihres "Portfolios- kann ich im Wesentlichen teilen. Aber was ist mit der Praxis? Wie schaut es mit nennenswerten Beträgen aus. z.B. T€ 500(hab ich leider nicht). Wollen Sie 200 T€ im Garten vergraben? Wo bewahren Sie T€ 70 Silbermünzen auf und wo kriegen Sie die Stücke her? T€ 40 Bargeld im Bankschließfach; bei einer wirklichen Krise kommen Sie sicherlich nicht mehr an Ihren Safe. Konten und Depots im Ausland, logistisch durchaus ein Problem. Theorie und Praxis, da fehlt es weit und breit an durchführbaren, realistischen Scenarios.
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