Das Wasser steigt
Von Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 09. Mai 2006 07:30 Uhr
ENL5454
Die Abwesenheit der Geschichte ist die Abwesenheit von Notsituationen. Nichts geht schief. Keine Notwendigkeit für Puts. Keine Notwendigkeit mehr für Ersparnisse. Keine für Versicherungen. Und hier zitiere ich den großen Mogambo: „Ha, Ha, Ha, Ha…“
Ab-weich-ung-en. Ich vermute, dass sie sowohl unter Preis verkauft werden, als auch zu wenig geschätzt sind. Hier muss ich eine kurze Pause einlegen, um über Gilder, Fukayama, Bernanke und Bush zu lachen. Wir danken dem gesamten Team der Träumer und Planer, der Weltverbesserer und Quacksalber, die dafür sorgen, dass meine Aufgabe so unterhaltsam ist.
Zuerst wende ich mich Paul Ford von Harper’s Weekly zu, der darüber schreibt, wie der Triumph der Demokratie Mesopotamien verändert hat.
„Dreißig geköpfte Leichen wurden in Baquba, im Irak gefunden. Weitere 10 Leichen fand man in Bagdad, wo die Mordrate mittlerweile bei 33 am Tag liegt. Schiiten ermorden Sunniten am helllichten Tag auf belebten Straßen. ‚Wenn die Amerikaner gehen’ sagt ein Sunnite (dessen Bruder vor kurzem hingerichtet wurde, nachdem man ihn mit Elektrowerkzeugen gefoltert hatte), ‚dann sind wir am Ende. Vielleicht sind wir sowieso schon am Ende.’.In Miqdadiya, in der Nähe von Baquba, haben Militante ein Gefängnis angegriffen, dabei zwanzig Leute getötet und dreißig der Inhaftierten befreit. Ein Arzt aus Bagdad hat gestanden, dass er 35 Polizisten und Soldaten getötet habe, die in seinem Krankenhaus behandelt wurden.
“Ich bin von Anfang an davon ausgegangen, dass diese Aktion im Irak nicht gut ausgehen würde. Wenn ich ein besserer Mensch wäre, dann empfände ich jetzt vielleicht nicht diese perverse Schadenfreude, weil ich Recht behalten habe.
Aber ich bin nur ein Mensch.
Und wie jeder Mensch stecke ich meinen Kopf so regelmäßig in die Schlinge von Sünde und Fehlern, wie man sich einen Pullover überzieht. Und deswegen ist auch der Dollar dem Untergang geweiht – genauso wie der Krieg gegen den Terror und das Imperium. Wir mögen zwar einen Mercedes fahren und Kabelfernsehen in unseren Wohnzimmern haben, aber wir sind immer noch die Nachfahren der gleichen schleimigen Monster, die aus dem warmen Wasser krabbelten – mit so unsteten Herzen, dass sie aus dem Garten Eden vertrieben wurden.
In der Zwischenzeit wende ich mich bei den Geldangelegenheiten wieder George Gilders Feststellung zu, dass es auf das Rekordschuldenniveau nicht ankäme – weil die Immobilien mehr wert sind. Es ist wahr, dass die Schulden kein Problem wären, wenn die Geschichte wirklich die Luft anhielte. Aber das Problem mit Schulden ist, dass sie mit Not nicht gut klar kommen.
Der Economist hat die folgenden Zahlen für den Zuwachs der Geldmenge in den letzten 12 Monaten in verschiedenen Ländern veröffentlicht: Australien: +9,1%, Großbritannien: +11,7%, Kanada: +7,7%, Dänemark +14,7%, USA +8,1%, und die Eurozone: +7,3%.
Egal wo man hinsieht: Die Geldmenge steigt doppelt bis dreimal so schnell wie das Bruttoinlandsprodukt. Wohin will das ganze Geld?
Liquidität muss, genauso wie das Regenwasser, irgendwohin fließen. Was steigt denn noch zwei- bis dreimal so schnell wie das Bruttoinlandsprodukt? Die Immobilienpreise! Mit anderen Worten, der behauptete zusätzliche „Wohlstand“, den die Amerikaner genießen, ist nicht wirklich Wohlstand. Es sind nur inflationäre Preise von Vermögenswerten. Zu blöd, dass die Verantwortlichen fürs Geld die Geldmenge nicht um 20% im Jahr aufbliesen, oder gar um hundert Prozent. Vielleicht hätten wir uns von den Argentiniern in den Achtzigern oder von den Zentralbankern der Weimarer Republik in den 20ern eine Scheibe abschneiden sollen. Sie hätten einfach alle bestehenden Dollar eingesammelt und zwei oder drei Nullen angehängt. Stellen Sie sich nur mal vor, wie reich wir dann wären.
Nein, so leicht ist es nicht. Man kann nicht reich werden, indem man einfach immer mehr Geld druckt und man kann auch nicht reich werden, indem man sich verschuldet. Je mehr man sich verschuldet, desto angreifbarer wird man gegenüber Notsituationen. Nur eine kleiner Rückschlag und das Wasser steht einem bis zum Hals. Selbst ein Hedge-Fonds, der von einem Nobelpreisgewinner geleitet wird – Long Term Capital Management – ist wie ein kleines Kätzchen ersoffen, nachdem die Manager zu viele Schulden aufgenommen haben. Alle ihre Studien deuteten darauf hin, dass die russischen Anleihen wieder in die normalen Tradingbereiche zurückkehren würden – und sie hatten Recht. Die Anleihen pendelten sich wieder auf einen Mittelwert ein. Doch die armen Typen konnten so lange nicht warten. Sie hatten sich zu viel Geld geliehen.
Die meisten Haushalte werden nicht von solchen Genies geführt. Normale Leute mit einem normalen Kreditrahmen sind hier verantwortlich. Eine normale Familie gibt so viel aus, wie sie einnimmt – und vielleicht noch ein bisschen mehr. Und schon steckt sie bis über beide Ohren in den Schulden.
Die Zinsen in den USA steigen, auch wenn die Fed diesen Mittwoch die Leitzinsen nicht noch einmal um einen Viertel Prozentpunkt erhöhen sollte.
Das Wasser steigt.
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