Das war es für dieses Jahr
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 30. Dezember 2005 12:00 Uhr
ENL5454
*** Was wird der Dollar ... oder, genauer gesagt: das Währungspaar Euro/Dollar ... im nächsten Jahr machen?
Mehrere Faktoren spielen da eine Rolle. Hier nur die Wichtigsten:
- Der Zinsunterschied zwischen Euro und Dollar, die Richtung der Zinsentwicklung
- Die Geldmengenentwicklung in Euroland und in den USA
- Die Konjunkturentwicklung in beiden Währungsräumen
- Die Kapitalzu- bzw. Abflüsse
- Die Höhe des US-Außenhandelsdefizits
- Die Höhe der Haushaltsdefizite
Da unter Volkswirten viel von den amerikanischen "Zwillingsdefiziten" (twin deficits) die Rede ist, möchte ich heute kurz auf einen dieser beiden Zwillinge eingehen.
Das US-Handelsbilanzdefizit. Das steht mehr oder weniger auf Rekordhoch. Wird sich dieses Defizit verringern, was einen Vorteil für den Dollar bedeuten würde?
Ich meine: Nein.
Denn ein großer Teil des US-Außenhandelsdefizits kommt im Handel mit China zustande. So kauft z.B. die US-Einzelhandelskette Wal-Mart einen Großteil ihrer Waren in China. Was sollte sich daran im nächsten Jahr ändern? Das amerikanische Handelsbilanzdefizit im Handel mit China liegt bei gut 20,0 Mrd. Dollar. Damit ist diese Situation entstanden: Je stärker die US-Wirtschaft wächst, desto mehr konsumieren die amerikanischen Konsumenten (denn sie sind für 70 % des US-Wirtschaftswachstums verantwortlich). Wo konsumieren sie? Zum Beispiel bei Wal-Mart. Und das Sortiment von Wal-Mart wird zu einem großen Teil mit chinesischen Waren aufgefüllt. Hier lässt sich also die Gleichung aufstellen: Höheres US-Wirtschaftswachstum = Höheres US-Handelsbilanzdefizit.
Der Punkt "US-Handelsbilanzdefizit" spricht also tendenziell weiter GEGEN den Dollar.
*** Das war es für dieses Jahr. Ich wünsche Ihnen einen "guten Rutsch" ins Neue Jahr! Den nächsten Trader's Daily dann im Neuen Jahr, in alter Frische. Bis dahin!
Michael Vaupel