Das wahre Erbe von Greenspan
Dr. Kurt Richebächer in Baltimore in Traders Daily
vom 20. Dezember 2005 12:00 Uhr
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Nachdem ich so viele Lobeshymnen auf den Vorsitzenden der Fed, Alan Greenspan, "den größten Zentralbanker aller Zeiten" gelesen hatte, kamen mir zwei andere Namen in den Sinn. Der eine ist John Law mit dessen rigoroser Wertschöpfung indem er die Preise für die Anteile der Mississippi Company in die Höhe trieb. Und der andere Name ist Paul Volcker und sein letzter Artikel in der Washington Post unter dem Titel "Eine Wirtschaft auf dünnem Eis". In diesem Artikel verleiht er seiner Verzweiflung Ausdruck, über die wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklungen in den USA. Wenn auch der Name seines Nachfolgers nicht fällt, ging es doch nur um ihn.
Nur ein paar Beispiele aus dem Artikel.
Unter der stillen Oberfläche gibt es einige verstörende Entwicklungen: riesige Ungleichgewichte, Risiken – wie auch immer man sie nennen will. Alles in allem wirkt die Situation auf mich gefährlich und widerspenstig. Aber was mir wirklich Sorgen macht ist der geringe Wille oder die geringe Fähigkeit, etwas dagegen zu unternehmen.
Ich weiß nicht, ob die Änderung schlagartig oder nach und nach kommen wird, ob eher früher oder später. Aber so wie die Dinge im Moment aussehen, ist es wahrscheinlicher, dass eine Finanzkrise eine Änderung bewirkt, als politische Weitsicht.
Was sind denn die wahren Verdienste eines Mr. Greenspan, wenn man auf die verbreiteten Lobreden hört? Man sieht sie eigentlich in zwei Bereichen. Erstens: Im beachtlichen Erfolg seiner Politik und zweitens in seinen Beiträgen zur Theorie und Praxis der Geldpolitik.
Seine politischen Erfolge scheinen, tatsächlich, fast zu unübersehbar: geringere Inflationsraten als erwartet trotz starkem Wachstums des Bruttoinlandsprodukts, mehr Arbeitsplätze und geringe Arbeitslosenzahlen. Und dennoch bislang nur zwei milde Rezessionen, von denen die zweite von 2001 so mild war, dass sie verschwindet, wenn man die Daten für ein Quartal auf das Jahr aufschlägt.
Seinen besonderen Erfolg schreibt man normalerweise seinem radikal neuen Vorgehen in der Geldpolitik zu. Die Financial Times widmet ihm einen ganzseitigen Artikel unter der Überschrift; "Greenspans Ruf: Ein Aktivist ohne Scheu von den Regeln abzuweichen." Weiter heißt es: "Die Politik unter diesem Vorsitzenden zeichnet sich durch die Ausübung von Umsicht von Phase zu Phase aus, mit minimaler strategischer Einschränkung und maximaler taktischer Flexibilität zu allen Zeiten und nur geringen Erklärungen."
Es ist wahr, dass Meister Greenspan fast jede etablierte Regel der Zentralbanken missachtete. Um den Konsequenzen einer Aktienblase in den späten Neunzigern zu entkommen, erzeugte er eine ganze Bandbreite neuer Blasen, die das Wachstumsmuster der amerikanischen Wirtschaft radikal veränderten. Damit hat er die größte Inflation bei den Preisen für Vermögenswerte im Laufe der Geschichte erzielt, was zum neuen Motor des Wirtschaftswachstums wurde. Wie steht es mit den unvermeidlichen Spätfolgen?
Wenn Alan Greenspan wirklich alle überlieferten Regeln über Bord wirft, dann hat er sich doch entschlossen, die vorherrschende Regel zu berücksichtigen, es ist vielleicht seine einzige Regel: ein strikt asymmetrisches Verfahrensmuster. Jeder Zentralbanker hat zwei Hebel zur Verfügung. Der große Hebel verändert die Reserven der Bank, die Liquiditätsbasis des Banksystems. Der kleinere Hebel verändert die kurzfristigen Zinssätze.
Mehr dazu demnächst, hier im Trader's Daily.