Das Wachstum
Daniel Fehring in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 28. September 2006 08:30 Uhr
ENL5454
Das Wachstum
Wachstum ist unser heutiges Zauberwort. Alles muss wachsen. Dies bedingt alleine schon unser Steuersystem. Wer nicht dazu kauft und grösser wird, zahlt mehr Steuern.
Die Folge davon ist klar. Die Konzerne werden grösser und die Konzentration nimmt zu. Der kleinere Einzelhandel verschwindet langsam aber sicher und die Uneffizienz der Grosskonzerne nimmt zu. Dann werden Arbeitnehmer entlassen. Das Ende vom Lied sind viele neue Arbeitslose, der Grosskonzern zahlt keine Steuern und der finanzielle Druck auf die Staatskasse steigt.
Das Verhalten der Vorstände ist vollkommen nachvollziehbar, da der Druck durch die Aktionäre sehr stark ist. Kein Wachstum, kein steigender Aktienkurs. Gewinne zählen fast nicht mehr, weil an der Börse die Zukunft gehandelt wird und nicht die Gegenwart.
Was würde denn passieren, wenn ein Status Quo gehandelt werden würde und eine Gesellschaft nicht durch Zukäufe wachsen würde, sondern durch seinen erhöhten Umsatz in seinem Kerngeschäft?
Man könnte dies als gesund bezeichnen. In der Medizin wird zu schnelles Wachstum als Krebs bezeichnet. Ein Karzinom wächst und wächst bis es platzt.
Eine der wenigen grossen Firmen in Deutschland, die nicht von diesem modernen Mittel der Vergrösserung Gebrauch macht, ist die Fa. Porsche. Porsche baut Motoren und Autos. Das kann diese Firma und verlässt sich auch darauf. Zukäufe wurden kaum getätigt. Wenn es zu Synergieeffekten kam, dann durch Joint Ventures, aber nicht durch Verschuldung für den Aufkauf für Milliarden von EUR.
Dies mag in diesem Marktsegment leichter sein, als in anderen Branchen. Aber der Fakt ist klar. Je grösser eine Firma ist, desto grösser ist auch ihre Unüberschaubarkeit. Das kostet meist Geld und schmälert die Effizienz. Ich wage zu behaupten, dass die Grosskonzerne sich wieder verkleinern werden. Siemens hat schon damit angefangen und verschmälert sich von Jahr zu Jahr.
Die Fusionswelle gibt es aber nicht nur an den Aktienmärkten. Mehr und mehr Währungen verschwinden. Demnächst werden es die osteuropäischen sein. 2015 werden es einige asiatische sein. Ich berichtete Ihnen vor einigen Wochen.
Als nächstes werden es die Südamerikaner sein, die sich wirtschaftlich zusammenschliessen werden und dann folgen die afrikanischen Staaten. Der Fehler, der in diesem Fall gemacht wird, ist, dass die Steuerungselemente für die einzelnen Wirtschaften verschwinden. Die Wirtschaften werden heutzutage nicht mehr über die Zinsen gesteuert, sondern über den Wert der Währung. Der USD ist das beste Beispiel. Die Zinsen sind in den USA 17-mal hintereinander gestiegen und die Währung fällt gegen alle „Majors".
Das heisst auf gut Deutsch: Die herkömmlichen Meinungen der Volkswirte greifen nicht mehr. Daher bin ich auf lange Sicht etwas besorgt, wenn wir unsere besten Steuerungsmechanismen verschwinden lassen.
Herzlichst
Daniel Fehring