Das Wachstum des Devisenmarktes
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 29. Dezember 2010, 20:00 Uhr
ENL5454
Heute wollen wir, in Anlehnung an den gestrigen Beitrag, erneut einen Blick auf das starke Wachstum des internationalen Devisenhandels werfen.
Sie erinnern sich: gestern haben wir uns angesehen, wie stark der internationale Devisenhandel, als größter Markt der Welt, wächst. Allein in den letzten 3 Jahren ist der Markt, einer BIZ Studie zufolge, um 20% auf knapp 4 Billionen USD täglichen Handelsumsatzes angewachsen. Und das trotz Krise, weltweiter Rezession und rückläufiger Handelsaktivitäten. Allerdings haben wir schon festgestellt, dass der internationale Handel mit Gütern und Dienstleistungen tatsächlich nur einen Bruchteil des Umsatzes am weltweiten Devisenmarkt ausmacht.
Der Großteil des täglichen Umsatzes wird mittlerweile durch eine Teilnehmer-Gruppe generiert, welche die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) unter "Other Financial Institutions" zusammenfasst. Diese Gruppe umfasst alle Sorten an Fonds und Versicherungsgesellschaften, aber auch die Zentralbanken. Der tägliche Handelsumsatz am weltweiten Devisenhandel ist in dieser Gruppe seit 1998 um 533% gestiegen - und allein in den letzten 3 Jahren ergab sich ein Umsatzwachstum von 42%, während der tägliche Umsatzanteil der Non-Financial Customers, also der Unternehmen und Regierungen, in den letzten 3 Jahren folgerichtig aufgrund der Krise und ihrer Auswirkungen um 10% eingebrochen ist.
Warum also, ist der tägliche Umsatz der Fonds und Zentralbanken in den letzten 3 Jahren trotz Krise weiterhin so massiv gewachsen?
Eine Antwort darauf liefert eine Datenreihe der FED, die darüber Auskunft gibt, zu welchem Prozentsatz US-Investoren ausländische Vermögenswerte halten. Gemäß der FED ist der Anteil an ausländischen Aktien in US-Portfolios seit Mitte der 80er Jahre von knapp 2% auf mittlerweile über 22% gewachsen. Der Anteil ausländischer Staatsanleihen ist seit Anfang der 90er Jahre von knapp 8% auf mittlerweile rund 17% gestiegen.
Und natürlich halten nicht nur US-amerikanische Investoren ausländische Vermögenswerte. Im Zuge der Globalisierung ist es heute ein leichtes, Aktien und Staatsanleihen vom Fernen Osten, über Europa bis hin nach Amerika zu handeln.
Doch in Zeiten von Krisen tendieren Anleger aber auch erst einmal dazu zunächst ihre ausländischen Vermögenswerte abzustoßen und "ihr Geld heimzuholen". Und diese Prozesse laufen nie ohne eine Beteiligung der Währungsmärkte ab und liefern somit eine erste Begründung dafür, weshalb gerade die Fonds und andere Großinvestoren, in den vergangenen 3 Jahren den stärksten Anteil am täglichen Umsatz im Devisenhandel begründen.
Die zweite Begründung ist schließlich auf das Gegenteil zurückzuführen. Nach der akuten Krisenphase begannen Anleger wieder verstärkt nach renditeträchtigeren Anlagen im Ausland zu suchen. So berichtet beispielsweise die Bundesbank, dass deutsche Wirtschaftsunternehmen, Privatpersonen und Investmentfonds bereits im Jahr 2009 ihre Auslandspositionen um 12% ausgeweitet haben. Auch die Österreichische Nationalbank berichtet seit Mitte 2009 von einem wachsenden Engagement der Haushalte in ausländischen Wertpapieren. Und das sind nur 2 Beispiele die deutlich machen, wie durch das wachsende Auslands-Engagement der Investoren, das starke Wachstum der Devisenmärkte eine Begründung findet.
Sehen wir uns im 2.Teil noch an, welche Schlüsse wir daraus ziehen können..
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