Das Verhältnis von Gold und Öl
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 7. August 2008, 20:00 Uhr
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Liebe Leser,
nun haben wir gestern viel über Inflation gesprochen. Und auch ein wenig über Gold! Denn im allgemeinen Verständnis hängt die Inflationsrate mit der Goldpreisentwicklung zusammen. Zumal dann, wenn das Inflationsniveau über den Zinsen liegt, es also zu einer negativen Realverzinsung kommt.
Mit anderen Worten genau dann, wenn die Inflation die Zinsen auf ihr Erspartes auffrisst, oder die Kaufkraft einer Währung sinkt und Sie - obwohl rein rechnerisch ihr Sparguthaben auf der Bank zwar wächst - sich schlichtweg weniger dafür kaufen können.
Nun bei einer offiziellen Inflationsrate von 5 % in den USA (knapp 8 % nach der alten Methode aus der österreichischen Volkswirtschaftslehre errechnet) und einem vorgegebenen Leitzinssatz von 2 % durch die FED, ist dieses Szenario in den USA schon erreicht. Bei uns in Euroland offiziell: 4,25 % Leitzins und 4 % Inflation.
Und nun sind wir auch schon beim Gold angelangt. Denn obwohl Gold sich auch in verschiedenen Marktzyklen, beispielsweise im gegenwärtigen Rohstoffzyklus als reines Investment anbietet, welches Renditen erzielt durch Wertsteigerung ist dies nicht die eigentliche Bedeutung die einer Investition" in Gold beikommt.
Gold ist und war zu allen Zeiten in der Geschichte der Menschheit ein Mittel zur Wertaufbewahrung, also Werterhaltung.
Ein richtiger Goldbulle kauft Gold nicht um eine schnelle Rendite zu erzielen, sondern er kauft Gold um sich gegen den Wertverfall der Papierwährungen abzusichern.
Ein richtiger Goldbulle wird Gold also als Mittel der Werterhaltung seines Vermögens betrachten und unabhängig von Preisschwankungen über einen langen Zeitraum hinweg halten. Er hat anders als Spekulanten kein kurzfristiges, Rendite orientiertes Investment im Sinn.
Warum aber nimmt ein Goldbulle, der auf physisches Gold setzt, Preisschwankungen gelassen hin?
Weil er Gold den Wert einer eigenständigen Währung beimisst, deren Kaufkraft er messen kann. Während die Kaufkraft einzelner Währungen stark nachlassen kann (Bsp.: Hyperinflation in Deutschland; oder nehmen wir Zimbabwe, niemand würde gegenwärtig Zimbabwe-Dollar anhäufen zur Werterhaltung) ist Gold eine - ich sage einmal - international anerkannte und verstandene Währung. Und zwar eine der immer Wert beigemessen wird. Die Generation meiner Urgroßeltern kann dies bestätigen. Zwar steigt der Wert der Währung Gold meist in Krisenzeiten, aber auch wenn die Welt rund läuft, bleibt Gold ein wertvolles Gut.
Aber wie hoch ist jetzt dieser Wert eigentlich? Wie stark ist die Kaufkraft von Gold?
Um dies zu ermitteln gibt es ein sehr einfaches Verfahren: die Gold-Öl-Ratio.
Hierbei ermitteln wir einfach das Verhältnis von Gold zu Öl, oder anders ausgedrückt wir fragen für wie viele Unzen Gold kann ich ein Barrel Öl erwerben (oder anders [so wird's gerechnet] wie viele Barrel Öl muss ich aufwenden um eine Unze Gold zu erstehen).
Wir teilen also den aktuellen Goldpreis von 870 US-Dollar durch den aktuellen Ölpreis bei 118 US-Dollar und erhalten eine Ratio von 7,3.
Die durchschnittliche Gold-Öl-Ratio über die vergangenen Jahrzehnte liegt übrigens bei 14,5.
Um diesen Durchschnittswert zu erhalten müsste also entweder der Ölpreis auf 60 US-Dollar fallen, unter der Bedingung, dass der Goldpreis bei 870 US-Dollar verharrt (ein unwahrscheinliches Szenario in beiden Fällen) oder der Goldpreis auf 1711 US-Dollar steigen unter der Bedingung, dass der Ölpreis bei 118 US-Dollar verharrt.
Nun gegenwärtig erleben wir den Abfluss an spekulativem Kapital in beiden Märkten, (und die Zukunft kennt natürlich niemand) aber dass der Ölpreis tatsächlich noch einmal bis auf 60 US-Dollar abfällt halte ich für sehr unwahrscheinlich. Mit anderen Worten irgendwann wird diese Phase beendet sein und dann hat der Goldpreis gegenüber Öl noch einiges aufzuholen.
Lesen Sie bitte im zweiten Teil weiter...
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