Das Verbrennen der Flagge
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 06. Juli 2005 12:00 Uhr
ENL5454
Es war ein feuchtheißer Sommernachmittag in Maryland, als ich im "Game and Fishing Club" ankam, wo meine Jungs diese Woche in einem Pfadfinderlager verbringen. Der kurze Weg vom Parkplatz bis zu dem zentralen Gelände, wo das Abendprogramm stattfinden sollte, reichte aus, um mir das Hemd am Körper festkleben zu lassen. Ich beneidete fast die Väter, die in Pfadfinder-Uniformen auf dem Gelände herumliefen. Aber nur für eine Minute. Eine überraschend große Zahl von ihnen trug zwar die doppelte Kleidungsmenge wie ich, aber nur, um ihre Wölbungen zu bedecken.
Wir waren alle aus einem Grund gekommen: Um die amerikanische Flagge zu verbrennen. Und um den schauspielerischen Fähigkeiten unseres Nachwuchs zu lauschen, oder dem Fehlen dieser Fähigkeiten. Im Zentrum des Platzes war für die erste Absicht ein passender Scheiterhaufen errichtet worden.
Wie Sie vielleicht wissen, ist der einzig angemessene Weg zur Entsorgung einer amerikanischen Flagge das Verbrennen dieser Flagge, in einer korrekten Zeremonie. Dieses Jahr war eine riesige Flagge zum Verbrennen dran. Eine Flagge, die so groß war, dass über 50 Pfadfinder notwendig waren, um sie ausgefaltet zu tragen.
Eine Flagge von dieser Größe muss in Stücke geschnitten werden, ein Stück enthält das blaue Feld mit den Sternen, und dieses Feld darf nicht weiter zerschnitten werden – wie die Union selbst. Die restlichen Stücke werden dann um Aluminiumstangen gewickelt und ins hoch schlagende Feuer gehalten.
Ein ausländischer Beobachter mag versucht sein, über dieses Ritual zu grinsen, oder über die weißen Knie der Männer und Frauen in khakifarbenen Shorts und Uniformen. Aber was mich immer wieder beeindruckt, ist die unheimliche Ruhe, in der sich dieser Prozess abspielt. Wenn 200 Jungs, schwitzend, schmutzig, erschöpft nach einem Tag voll Sport in absoluter Ruhe stehen, zwei Finger an der Stirn, salutierend.
Diese Jungen kommen aus jeder Art von Familie und ethnischem Hintergrund. Weiß, weißer, schwarz, indisch, asiatisch. Unter den Eltern findet man alles, von Rednecks und zerrissenen T-Shirts bis zu Designerhemden und Krawatten. Diese Menschen sind hier, weil sie es wollen. Ihre Jungs sind nicht deshalb Scouts, weil sie es müssen, sondern weil sie es wollen.
Wer immer einen Hinweis auf Amerikas wirkliche Hingabe an seine Werte sucht, der kann das an Plätzen und bei Gelegenheiten wie dieser finden. Diese Jungen sind die Zukunft.
Und mir gefällt, was ich sehe.
*** Der Euro bleibt unter der Marke von 1,20. Es sind nicht nur Gerüchte über eine mögliche Zinssenkung der Europäischen Zentralbank, die den Euro unten halten.
Es ist eine Kombination aus politischer Unsicherheit, zurückgehendem Wirtschaftswachstum und steigenden Schulden. Die lässt den Euro von den Hochs stürzen, auf die die Europhilen ihn gebracht hatten.
Es sieht nun so aus, als ob das deutsche Haushaltsdefizit in diesem Jahr 34 Milliarden Euro erreichen könnte. Das deutsche Wirtschaftswachstum wird in diesem Jahr laut Ifo-Institut nur bei 0,8 % liegen. Und im April sind die Auftragseingänge gefallen, damit gab es in drei von vier Monaten einen Rückgang.
Das Institut nannte "fehlende Investitionen" als Hauptgrund für diese Malaise.