Das übliche Ende einer Konjunkturerholung nach der Krise
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 24. September 2009, 07:30 Uhr
ENL5454
David Rosenberg:
Die eben hereinkommenden Wirtschaftszahlen für die Vereinigten Staaten sowie für Kanada haben sich verbessert und sind weitestgehend besser als erwartet. Das Dilemma ist, dass die Marktpreise sich weit über die Grundlagen hinaus bewegt haben. Trotz der Versuchung, auf die durch die Liquidität hervorgerufene Erholung aufzuspringen... kann diese nicht ohne beständige und organische Wirtschaftsexpansion halten. Das Problem ist, dass die weltweite Wirtschaft im Allgemeinen und die amerikanische Wirtschaft im Besonderen unter so starker Medikation arbeiten, dass es zum aktuellen Zeitpunkt schwer ist, eine aussagekräftige Untersuchung am Patienten vorzunehmen. Wir wissen nur, dass die Märkte jetzt scheinbar sehr schnell eine Erholung im Umfang von drei Jahren eingepreist haben."
Der S&P 500 ist jetzt gegenüber den Tiefstwerten um mehr als 60% gestiegen, was wirklich erstaunlich ist und Hut ab vor denen, die es kommen sahen. Aber die Frage ist, ob die Grundlagen jemals einem solchen Wertniveau nachkommen können - normalerweise sind wir, nach einer Rally von 60% vollständig im nächsten Geschäftszyklus verwurzelt. Niemals zuvor haben wir in einer so kurzen Zeit einen solchen Anstieg gegenüber einem Tiefpunkt am Aktienmarkt erlebt und normalerweise hat die Wirtschaft zu diesem Zeitpunkt bereits Millionen neuer Stellen geschaffen - während dieser extrem auffälligen Bewegung waren die Vereinigten Staaten mit dem Verlust von 2,5 Millionen Stellen konfrontiert (so viele, wie während der gesamten Rezession im Jahr 2001 verloren gingen.)"
Der Markt steigt. Die Wirtschaft fällt. Sie fällt nicht so schnell wie zuvor. Aber es geht immer noch bergab. Monat für Monat steigt die Zahl derer, die keinen Arbeitsplatz mehr haben. Sogar Paul Krugman sagt, dass die Arbeitslosigkeit ihren Gipfel bis 2011 noch nicht erreicht haben wird.
Und bei den Hauspreisen? Es ist schwer zu sagen, was dort los ist. Wie Rosenberg sagt, steht dieser Patient so sehr unter Drogen, dass es nicht möglich ist, eine Diagnose zu finden. Trotzdem sieht es nicht gut aus. Es gibt Millionen von Hypotheken, die immer noch nicht getestet wurden. Hier werden nur die Zinsen gezahlt... hier passt die Kreditsumme nicht zum Einkommen... oder es sind kommerzielle Kredite... sogar bei besser bewerteten Hypotheken. Sie stehen vor einer Neubewertung... und vor der Refinanzierung... wobei der Preis der Kreditsicherheit um 20%, 30% oder sogar 40% eingebrochen ist.
Wie kann man refinanzieren, wenn einem so sehr das Wasser bis zu Hals steht.
Wir wollen uns einmal die Grundlagen ansehen. Es lief wirklich gut. Zwischen 1945 - 2007 sind die Verbraucherausgaben und die Kredite gestiegen. Solange die Kreditgeber bereit waren zu leihen... und die Verbraucher bereit waren, sich noch weiter zu verschulden... hat die Wirtschaft expandiert.
Gegen Ende wurde es ein wenig verrückt. Und dann ging die Sache in die Luft.
Wie vorhergesagt, ist die Regierung herbeigeeilt, um die Situation zu retten. Aber sie kennen nur einen Trick - noch mehr Bargeld und Kredite hinzuzufügen. Das hat bislang noch immer funktioniert... bis es aufhörte zu funktionieren. Und seit dem Jahr 2008 funktioniert gar nichts mehr.
Die Banken wollen nicht gegen fallende Hauspreise Geld verleihen. Und die Verbraucher wollen kein Geld leihen, solange ihre Einkommen fallen.
Also... das Ende der Expansion bei den Verbraucherkrediten. Kommen Sie darüber weg.
Aber die Regierung bleibt dabei. Und mit ihrer Hilfe sind die Märkte zurückgeprallt. Sicher, ein Rückprall ist das zuverlässigste Merkmal einer Markterholung. Eine kurzfristige Kurserholung von 50% beim Dow - was ungefähr der Kurserholung von 1929 entspricht - würde den Index auf 10.300 Punkte bringen. Wir sind immer noch nicht da.
Also ist an der Situation nichts ungewöhnlich oder unerwartet. Die Märkte haben getan, was sie tun mussten. Die Regierungen haben getan, was sie tun sollten.
Was kommt als nächstes?
Ach... liebe Leser... wenn wir doch nur eine Antwort auf diese Frage hätten.
In unbekannten Gefilden
Hier befinden wir uns in einem noch nicht kartographierten Territorium... in einem unbekannten Land.
Nie zuvor gab es ein internationales monetäres System, das ausschließlich auf Papier basierte. Und nie zuvor wurde es von Leuten geführt, die glauben, dass sie den Markt dazu zwingen können, dass er tut, was sie wollen. Sie sind überzeugt, dass sie eine Situation wie in Japan vermeiden können - wo die sich die Wirtschaft über 20 Jahre dahingeschleppt hat - indem man immer mehr Bargeld und immer mehr Kredite hinzugefügt hat. Bernanke sagte, er würde das Geld von Helikoptern abwerfen, wenn es nötig wäre.
Nur ein Problem. Bernanke kann inflationieren... aber nur, bis die Chinesen ihm sagen, dass er aufhören soll. Wenn China den Stopfen aus dem Anleihenmarkt zieht, dann ist die Party zu Ende. Das ist der Grund, warum die Helikopter immer noch am Boden sind. Und das ist der Grund, warum sie nur dann abheben werden, wenn die Situation verzweifelt wird.
In der Zwischenzeit rechne ich mit dem Üblichen... d.h. mit dem üblichen Ende einer kurzfristigen Kurserholung nach einer Krise. Das wird mit einer weiteren Krise kommen. Und dann noch einer. Und noch einer. Bis die Aktien irgendwann den Boden erreichen... und die Täuschungen der Blasenära zu guter Letzt alle zermalmt sind.
Die Steuern steigen. Die Regierungen haben sich selbst in eine neue Falle manövriert. Nun, in verschiedene Fallen.
Wenn man sich in einem Land wie Irak einmischt, dann ist das wie eine schlechte Ehe. Die ersten Nächte waren lustig. Aber schon bald sucht man nach einem eleganten Ausweg. Das Problem ist, dass es keinen einfachen Ausweg gibt. Also bleibt man dabei. Die Zeit verfließt. Und die Kosten häufen sich an. Ehe man sich versieht, liegen die Kosten für das irakische Abenteuer bei mehr als einer Billion... und dann steigt es auf zwei Billionen Dollar.
Jetzt ist sind die Regierungsvertreter eingeschritten. Und sie stecken ebenso sehr in der Falle. Indem sie Billionen von Dollar gepumpt haben - nicht nur Amerika sondern auch in Großbritannien und China (die beide sogar noch kräftiger eingeschritten sind) - ließen sie es so aussehen, als sei alles in Ordnung. Sie haben die Zombieunternehmen am Leben gehalten. Die großen Banken mussten sich nicht ihren eigenen Fehlern stellen. Die Unternehmen mussten sich nicht so weit einschränken wie sie es hätten tun sollen.
Wie mein Freund Nassim Taleb sagt, hat das Finanzsystem immer noch die gleiche alte Krankheit."
Doch es wird durch gewaltige Dosen teurer Medizin am Leben gehalten - die von der Regierung zur Verfügung gestellt wurde.
Was werden sie also jetzt tun? Sie behaupten, dass sie eine Katastrophe verhindert hätten. Sie sagen, sie hätten die Erholung entwickelt. Doch wenn sie weniger Medikamente geben, wird der Patient sterben.
Sie stecken in der Falle... sie müssen über Jahre weiter Geld in das System pumpen... bis das Geld ausgeht.
Natürlich wollen die Regierungen so viel Geld wie möglich aufbringen. Also gehen sie, wie die Bankräuber, dahin, wo das Geld ist - zu den Reichen."
Steve Sjuggerud erzählt mir, was in der Heimat passiert ist... in Maryland.
Der Staat Maryland konnte im vergangenen Jahr seinen Haushalt nicht ausgleichen. Also hat der Staat entschieden, dass die beste Möglichkeit, Dollar aufbringen, darin besteht, die Millionäre zu rupfen... Die Politiker haben in Maryland eine eigene Steuerklasse für Millionäre geschaffen."
Martin O'Malley, Gouverneur aus Maryland, hat natürlich damit gerechnet, dass die Steuereinkünfte steigen. Er sagte, dass Marylands 3.000 Millionäre bereit seien, den gerechten Anteil zu bezahlen. Die Baltimore Sun sagte, die Reichen würden grinsen und es erdulden."
Doch das Gegenteil ist passiert..."
Anstelle von 3.000 Millionären, die im April ihre Steuererklärung einreichten, waren es nur 2.000. Laut dem Wall Street Journal: Flossen anstelle von zusätzlichen 106 Millionen Dollar, die die Politiker vorhersagten, durch die Millionäre 100 Millionen Dollar weniger an Steuern in die Staatskasse als im vergangenen Jahr - und das bei höheren Steuersätzen."
Mehr dazu im morgigen Beitrag