Das Taxifahrerorakel zu Investitionsblasen
Investors Daily
vom 04. April 2005 18:00 Uhr
ENL5454
*** Man muss nur mit dem Taxi fahren, um festzustellen, dass der Immobilienboom zu einer Blase geworden ist. Taxifahrer werden Sie darauf hinweisen, wie weit die Hauspreise gestiegen sind. Während sie einmal Tipps für Technologieaktien gaben, erzählen sie einem heute, in welchen Gegenden die Preisinflation am stärksten ausfallen wird. Hören Sie aufmerksam zu, und Sie werden Zeuge, wie sie sich an ihren Mobiltelefonen unterhalten – sie sprechen mit ihrem Immobilienmakler über ihre neuen Wohnungen.
Die Immobilienpreise sind in den letzten vier Jahren um 40 % gestiegen. Sie steigerten das Vermögen der privaten Haushalte um ca. sechs Billionen Dollar. In vielen Gegenden beschleunigen die Preissteigerungen noch.
Aber es gibt Anzeichen dafür, dass sich dieser Trend seinem Ende nähert. Die Käufer haben ihrem Schmuck so viele Federn hinzugefügt ... und so viel 'Holz' in ihre Geweihe gebracht ... sie können sich schon fast nicht mehr bewegen. Leerstehende Mieträume haben die Zehn-Prozent-Marke erreicht – das ist ein Rekordwert. Das hat die Mieteinkünfte bis zu einem Punkt beschnitten, an dem das "KGV" der Häuser – durchschnittlicher Verkaufspreis gegenüber den Mieteinkünften aus zwölf Monaten – auf 34 gestiegen ist, was ein höherer Wert ist als der KGV von Aktien auf dem Höhepunkt der Aktienblase im Jahr 2000. Anders ausgedrückt kann man auch sagen, dass die Mieteinkünfte in den 1990ern noch durchschnittlich bei 5 % der Hauspreise lagen. Jetzt sind sie auf 3,5 % gefallen.
Ich bemitleide den armen Mieter. Er kann ebenso gut ein altes Sparauto fahren und seine Klamotten bei der Fürsorge kaufen. Er gehört zu den Leuten, mit denen man seine Tochter ungern bei einer Verabredung sähe, geschweige denn, dass er sie heiraten dürfte. Er ist der arme Verlierer, der er versäumte, in den Neunzigern Technologieaktien zu kaufen ... und jetzt verpasst er auch noch den Immobilienboom. Er ist der stille, einsame Typ, der nie zu Partys eingeladen wird ... der nichts zu sagen hat ... außer ein: "Ich habe es euch ja gesagt", das er sich schon seit Jahren hat verkneifen müssen ... aber er wartet immer noch auf den richtigen Moment.
Seine Zeit wird kommen.
*** "Das alles scheint so grausam", fuhr mein Freund während des Essens fort. "Wie die Dinge so laufen. Man verbringt sein gesamte Leben damit, so viel wie möglich anzusammeln, um die Damen zu beeindrucken. Und dann ist man auf einmal so alt und pleite, dass es einem schon fast egal ist. Aber ich danke Gott für die jüngsten Errungenschaften der Forschung. Diese kleinen blauen Pillen funktionieren wirklich ... sagt man."
*** Der Kommentar eines Lesers:
Vor ungefähr zehn Jahren hatte Wal-Mart eine Werbung geschaltet, die lautete: "Hergestellt in Amerika von Amerikanern." Heute sollte da stehen: "Hergestellt in China von Chinesen." Für die Tandhändler wie Wal-Mart hat das Geld seinen Ursprung in China. Zur Hölle mit den Amerikanern, die das Zeug vorher gemacht haben. Wenn es um Gier geht, dann steht das Unternehmen Amerika unangefochten an erster Stelle, ganz egal, welchen Einfluss die Gier auf lange Sicht für die Lebensfähigkeit des Landes hat.
*** "Du redest wohl besser mal mit Jules", sagte gestern eine Stimme am Telefon zu mir, "er ist gerade von einem der Colleges, bei denen er sich beworben hat, abgelehnt worden, er fühlt sich ziemlich miserabel."
"Aber er wollte doch eh nicht auf dieses College", sagte ich.
"Stimmt, aber dennoch fühlt es sich für ihn wie ein Rückschlag an. Er hält sich für einen Versager."
Etwas später:
"Jules, ich habe gehört, dass du den Platz nicht bekommen hast ..."
"Stimmt ..."
"Aber du wolltest doch eh nicht dorthin?"
"Aber ich wollte wenigsten die Gewissheit haben, dass ich hätte hingehen können ..."
"Aber du bist doch schon an zwei anderen Stellen angenommen worden ..."
"Ja, aber die sind nicht so angesehen ..."
"Nun ... ich weiß ja nicht ... aber ich bin mir sicher, dass sie genauso gut sind ... vielleicht sogar noch besser ..."
"Vielleicht, aber es wäre trotzdem nett gewesen, von einer echten Topp-Schule angenommen worden zu sein ..."
"Mach dir darüber keine Sorgen, Jules. Sie haben Tausende von Bewerbern, sie haben überhaupt keine Ahnung, wer von denen vielleicht mal ein guter Student wird. Es ist vermutlich eher zufällig und willkürlich. Nimm es nicht persönlich. Vergiss nicht ... du musst dir um das Endergebnis keine Sorgen machen ... Denn du hast ja keinen Einfluss darauf. Alles was du tun kannst, ist dein Bestes zu geben. Wenn du das getan hast, dann gibt es keinen Grund, sich schlecht zu fühlen oder sich Sorgen zu machen. Abgesehen davon, haben mich schlechtere Schulen als diese abgelehnt."
"Mmmh."
"Und du kannst ja immer noch im Familienbetrieb anfangen"
"Deswegen mache ich mir ja Sorgen ..."