Das Sterben der Technologiefonds
unserem Korrespondenten Eric Fry in New York City in Investors Daily zum Thema Fonds
vom 08. Mai 2003 18:00 Uhr
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Gestern hat Bill Bonner auf eine kontroverse neue Übersetzung des Islam verwiesen. Demnach können islamische Selbstmordattentäter nicht mit "Jungfrauen mit großen Augen" als Belohnung für ihre Tat rechnen (nach ihrem Tod), sondern nur noch mit einem Korb voll Früchten. Laut der Übersetzung, die ein deutscher Philologe angefertigt hat, könnten Standardausdrücke im Koran wie "großäugige Jungfrauen" auch "Früchte weiß wie ein Kristall" bedeuten.
Wie auch immer – an den seelenlosen Finanzmärkten existiert eine solche Debatte nicht. Weder Hölle noch Himmel – noch holde Maiden oder Melonen – üben einen Einfluss aus auf die Geschehnisse an der Wall Street. An den Finanzmärkten hat der Darwinismus das Sagen – die Starken überleben und die Schwachen gehen unter.
"Der Bärenmarkt hat in den letzten 12 Monaten dazu geführt, dass sich von 5 Technologieaktienfonds einer aufgelöst hat", so USA Today. "Die Verlustrate ist damit (fast) vier Mal so hoch wie die bei anderen Fonds ... 21 % der gesamten Technologieaktienfonds haben in den letzten 12 Monaten entweder liquidiert, oder sie sind mit anderen verschmolzen worden. Bei anderen Aktienfonds waren es 6 %."
USA Today weiter: "Unter den Überlebenden änderten 23,3 % ihre Anlagepolitik so stark, dass man sie nicht länger als Technologieaktienfonds bezeichnen kann."
Einige Fonds – mögen sie in Frieden ruhen – betraten die Welt zu so widrigen Umständen, dass sie noch in ihrer Kindheit untergingen. Zum Beispiel der "Zero Gravity Internet Fonds", der gerade im März 2000 aufgelegt wurde und schon kurz vor seinem ersten Geburtstag wieder eingestampft wurde. Dieser Fonds verlor in seinem kurzen Leben 40 %, und sein Volumen überschritt niemals 6 Millionen Dollar.
Auch der "Van Wagoner Technologiefonds" war für einen Bärenmarkt schlecht ausgerüstet. Dieser Fonds hat in den letzten 3 Jahren 90 % verloren – und auch er existiert nicht mehr auf dieser Erde. Die Fondsmanager haben angekündigt, dass sie den Fonds nächsten Monat auflösen werden, was den Fondsbesitzern zusätzliche Schmerzen und Leiden ersparen wird.
"Das ist für einige Fonds eine Todesspirale", so Russel Kinnel von Morningstar gegenüber USA Today.
"Aha!" sagen die Bullen, "ein todsichereres Zeichen dafür, dass der Technologiesektor reif für eine Erholung ist, wenn man das Sterben der Fonds als Contra-Indikator nimmt ... also ist es Zeit zu kaufen!" Vielleicht. Aber vielleicht werden auch noch mehr Technologieaktienfonds ihren Wundern erliegen, die sie in den letzten 3 Jahren erlitten haben. "Das Blutbad könnte noch nicht vorbei sein", so USA Today weiter. "Von den existierenden 358 Technologieaktienfonds (laut Lipper) hat nur ein Drittel ein Anlagevermögen von mehr als 25 Millionen Dollar."
Unglaublicherweise boomt der Technologiesektor derzeit wieder, was die Hoffnung der Kleinanleger wieder geweckt hat, die an ihren Technologieaktien durch dick und dünn festgehalten haben ... und zunehmend durch dünner. Der Silicon Valley High Tech Index von Bloomberg ist in weniger als 2 Monaten um 20 % gestiegen, was frisches – wenn auch temporäres Leben in viele Technologieaktienfonds geblasen hat. Ich glaube hingegen, dass der Schmerz noch nicht vorbei ist.
Der Technologiesektor könnte an der Wall Street weiter steigen, aber in der realen Welt geht es ihm weiter schlecht. Die Jobaussichten für IT-Profits sind für das nächste Jahr so schlecht wie nie seit 2000 (Quelle: Information Technology Association of America), und mehr als 10 % der IT-Gesellschaften wollen Arbeitsplätze in Länder mit geringeren Arbeitskosten verlegen.
Vielleicht sind die Anleger, die jetzt Technologieaktien kaufen, etwas zu optimistisch geworden ... das wäre nicht das erste Mal.