Das Sommerloch steht vor der Tür!
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Nebenwerte
vom 18. Juni 2009, 17:00 Uhr
ENL5462
Die Woche scheint spannender zu werden als ich es am Montag noch ahnte und befürchtete. Vor allem hatte ich ja den großen Verfalltag im Blick, der vor allem nach scharfen Trendwechseln in den Indizes für hohe Volatilität sorgt. Mittlerweile haben sich einige technische Komponenten in den Märkten stark eingetrübt. Z.B. rutschte der Dow Jones gestern unter die wichtige 200-Tage-Linie, sitzt" aber noch auf dem bedeutenden 50-Durchschnitt. Die meisten wichtigen Märkte handeln nun unter ihren gleitenden 20-Tage-Linien, die vor allem von den sehr kurzfristig agierenden Tradern mit Argus verfolgt werden.
Typischer Börsenverlauf
Falls die weltweiten Börsen nun wirklich in eine Konsolidierung hineinlaufen würden, wäre dies ein sehr typisches Verlaufsmuster. Eigentlich sogar fast zu alltäglich für die launische Börse, die ja bekanntlich den Weg des größten Schmerzes für die Masse einschlägt und kaum vorhersehbar ist. Das Kursmuster wäre in so fern typisch, da der Hausse-Impuls exakt zu dem Zeitpunkt begann, als der Konjunktureinsturz, der von den Börsen bereits antizipiert war, von den wissenschaftlichen Instituten offiziell bestätigt wurde. Nun aber, nach drei sehr festen Börsenmonaten und einer Erholung von bis zu 40 % in den Indizes, hat sich die Konstellation um 180* Grad gedreht. Mittlerweile ist die Talsohle der Konjunktur und ein zäher Aufschwung praktisch öffentlicher Konsens. Parallel dazu befinden sich die Indizes aber nach dem heftigsten Hausse-Schub seit 1939 (oder der kräftigsten Bärenmarktrallye?) auf einem Terrain, welches nicht nur die unterinvestierten sondern auch die Leerverkäufer als attraktiv erachten. Für aggressiv agierende Hedgefonds und andere Leerverkäufer ein fast idealer Nährboden. Vor allem jetzt im Sommer, der nicht gerade für steigende Kurse bekannt ist, und in dem das Handelsvolumen häufig eintrocknet. Vor allem ist es aber völlig normal, dass Börsenkurse zwischen überkauften und überverkauften Marktzuständen pendeln. Daher werden die meisten Kursbewegungen auch um etwa 30 bis 50 % korrigiert, egal ob es sich dabei um Hausse- oder Baisse-Impulse handelt. Ich will hier keine Crash-Warnung oder ähnliches aussprechen, aber es sollte nicht verwundern, wenn sich nach dem Verfalltag weiterer Verkaufsdruck durchsetzt. Eigentlich bleibt da nur anzumerken, dass eine sommerliche Seitwärtsrange zwischen z.B. 4.400 und 4.900 Dax-Punkten so alltäglich erscheint, dass man nach den blinden" Punkten in dieser Analyse suchen sollte. Dies sind diejenigen Bereiche im Chart oder Index, deren Eintrittswahrscheinlichkeit von der breiten Masse sträflich unterschätzt wird.
US Banken im Fokus
Bekanntlich ist der US-Banken Sektor seit Monaten der international dominierende Sektor, der mit seinen Bewegungen in der jüngeren Vergangenheit bereits einige Impulse ausgelöst hat. Daher sollte man die gestrigen Meldungen diesbezüglich sehr genau beachten und auf ihre Konsequenzen abklopfen. Zunächst wurde bekannt, dass nun praktisch alle bedeutenden US-Banken die Staatsgelder, die sie teils annehmen mussten, wieder zurückgezahlt haben. JP Morgan überwies 25 Mrd. zurück, bei Goldman Sach waren es 10 Mrd $! Dies macht die Banken flexibler und motiviert die Manager möglicherweise wieder zu höheren Risiken, da nun wieder exorbitante Prämien ausgeschüttet werden dürfen - bei entsprechender Ertragslage. Nachteilig ist aber, dass diese Beträge den Banken nicht mehr für Kreditausreichungen zur Verfügung stehen und im Wirtschaftskreislauf fehlen könnten.
Hauptthema der nächsten Tage und Wochen sollte aber die von Präsident Obama angekündigte radikalste Finanzplatzreform seit 80 Jahren werden, mit der künftige Krisen verhindert werden sollen. Obama will die US-Notenbank, die Federal Reserve, zum Dreh- und Angelpunkt der Kontrolle auf den Finanzmärkten machen und sagte singemäss: " Die FED solle zusätzliche Befugnisse erhalten und die Verantwortung für die Regulierung von Bankenholdings und anderen großen Unternehmen tragen, deren Scheitern ein Risiko für die ganze Wirtschaft bedeutet". Die ersten Kommentare hier in Europa waren abwartend und ich selber hatte den Eindruck, dass man hier eher den Bock zum Gärtner" macht. Denn immerhin ist die übrigens privatrechtlich geführte FED nicht ganz Unschuldig an der geplatzten Kreditblase.
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