Das sollten Sie wissen – die Medienschau im Insider Daily
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 15. Oktober 2008, 10:00 Uhr
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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
getragen vom wieder entfachten Optimismus angesichts der weltweiten milliardenschweren Rettungsaktionen für das Finanzsystem hat der deutsche Aktienmarkt am Dienstag an seine Rekord-Erholung vom Vortag angeknüpft. Der DAX stand am Mittag mit 4,85 Prozent im Plus bei 5.308 Punkten, der MDAX gewann 5,56 Prozent auf 6.294 Zähler. Zwar gab der Deutsche Leitindex bis zum Handelsschluss wieder einige Punkte ab, schloss aber mit 5.199 Punkten dennoch deutlich mit 2,7 Prozent im Plus.
Wie lange aber wehrt dieser "neue Optimismus". Viele Analysten zeigen sich noch immer sehr skeptisch, denn die Grundprobleme der Finanz- und Wirtschaftsmisere sind noch lange nicht aus der Welt. Auch auf mich wirkt die aktuell angefeuerte Rally zu euphorisch, um von Bestand zu sein.
Dass es sich bei der aktuellen Rally durchaus nur um ein kurzes Gastsspiel handeln kann, beweist schon allein die Historie. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung gestern in einem Marktbericht nochmals betonte, ging der Dow-Jones-Index nach dem großen Börsenkrach an der Wall Street im Jahr 1929 an den beiden darauf folgenden Tagen um knapp 20 Prozent in die Höhe. Und auch auf den Krach von 1987 folgte zunächst eine kräftige Rally. Die währte allerdings nur zwei Tage. In den folgenden Wochen und Monaten zeigte der Dow Jones wieder kräftig nach unten. Sicher: Das muss nicht bedeuten, dass wir vor einer neuen Crash-Welle stehen. Aber: Heftige Ausschläge wie wir sie derzeit sehen, lassen nichts Gutes vermuten, zeigen uns, dass der Markt noch sehr anfällig ist. In den kommenden Monaten scheint also alles möglich zu sein.
Ganz oben auf meiner Skala der Befürchtungen steht die Angst, dass uns hierzulande mit der kommenden Berichtssaison noch eine Welle an Gewinnwarnungen bevorstehen könnte. Die Konjunkturabschwächung in Deutschland wird sich zusehends durch alle Branchen hindurch in den Ergebnisprognosen zahlreicher Konzerne niederschlagen.
Leoni: Von der Realität eiskalt eingeholt
Und so wundert es nicht, dass es bereits gestern aufgrund schlechter Aussichten für den Jahresgewinn zwischen all den Gewinnern mit zweistelligen Kurszuwächsen, einige herbe Verlierer zu vermelden gab.
Ganz bitter traf es den fränkischen Automobilzulieferer Leoni. Zusammen mit vielen anderen war der Kabel- und Bordnetzspezialist noch bis vor wenigen Wochen erstaunlich optimistisch, sich im Gesamtjahr operativ robust entwickeln zu können. Nun wurde das Management eiskalt von der Realität eingeholt: Leoni sieht sich gezwungen, wegen einer bevorstehenden Flaute in seinem Geschäft mit den Autobauern seine Prognose für das laufende Jahr zu kürzen.
Das Nürnberger Unternehmen gehe für 2008 nun von einem Umsatz von 2,9 Mrd. Euro statt wie bisher von über 3 Mrd. Euro aus. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern werde zwischen 110 und 120 Mio. Euro liegen. Zuletzt hatte das auf Bordnetze und Kabel spezialisierte Unternehmen noch ein Betriebsergebnis um die 140 Mio. Euro vorausgesagt.
Ein wesentlicher Grund für die Prognoseänderung sei, dass die Bordnetzsparte von einem deutlich schwächeren vierten Quartal ausgeht. Es sei zu befürchten, dass die Automobilindustrie zusätzlich zu den bereits in den letzten zwei Wochen angekündigten Drosselungen oder Aussetzungen der Produktion weitere Kürzungen vornehmen wird, hieß es in einer Presseerklärung des Leoni-Managements. Zugleich kündigte der Konzern jedoch einen Aktienrückkauf an. Die Franken wollen bis zu 10 Prozent ihrer Papiere zurück erwerben. Dem Aktienkurs half das gestern wenig. Das Minus belief sich bis zum gestrigen Handelsschluss auf 12,8 Prozent.
Leoni
Zweifel an Conti-Übernahme durch Schaeffler
Doch nicht nur an den Prognosen der Konzerne rüttelt die Finanz- und Wirtschaftskrise derzeit gehörig. Es donnert auch dort gehörig, wo man es nicht erwartet hat: Die Finanzkrise schürt nämlich Zweifel daran, ob die Übernahme von Continental durch Schaeffler gelingt. Der Familienkonzern Schaeffler bemüht sich zwar umgehend darum, aufgekommene Bedenken zu zerstreuen. Doch die Zweifel am Zusammenschluss der Unternehmen wachsen.
Angeblich sei die Kreditsyndizierung für die Übernahme des Autozulieferers Continental durch Schaeffler wegen der Verwerfungen an den Kreditmärkten ins Stocken geraten, äußerten mit dem Vorhaben vertraute Banker in London gegenüber der Presse. Der Syndizierungsprozess, bei dem die federführenden Banken Teile des Kredits an andere Institute weiterreichen, sei unterbrochen, während Schaeffler seine Situation prüfe.
"Wir haben verbindliche Finanzierungszusagen, daran hat sich nichts geändert", sagte ein Sprecher des Herzogenauracher Herstellers von Motor-, Getriebe-, Fahrwerkssystemen und Lagern für die Automobilindustrie. "Die Syndizierung hat keinen Einfluss auf unsere Finanzierung." Der Schaeffler-Sprecher verwies darauf, dass die Syndizierung in der Hand der beteiligten Banken liege. Eine an dem Deal beteiligte Investmentbank bekräftigte gegenüber dem Handelsblatt: "Wir stehen zu dem Deal." In Finanzkreisen hieß es, das Bankenkonsortium habe sich vertraglich verpflichtet, bis Jahresende eine Syndizierung zustande zu bringen. Man sei auch zuversichtlich, dass dies gelinge.
Bleiben Sie mit uns dran, denn es geht spannend weiter... Wäre ja auch langweilig, wenn jetzt plötzlich alles einfach so wieder gut wäre, oder?
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.
Ihre
Cindy Bach
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