Das sollten Sie wissen – die Medienschau im Insider Daily
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Insiderhandel
vom 16. Juli 2008, 10:00 Uhr
ENL5462
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
die Wirtschaftsseiten der deutschen Tageszeitungen werden in dieser Woche vor allem von zwei Unternehmen beherrscht - dem Automobilzulieferer Continental und der in Franken ansässigen Schaeffler-Gruppe.
Schaeffler will Conti
Wer bisher glaubte das eher schwache Börsenumfeld sei kein gutes Terrain für Übernahmen im großen Stil hat sich getäuscht. Wie gestern in der hiesigen Presse zu vernehmen war, hat die Schaeffler-Gruppe dem Management von DAX-Konzern Continental nämlich ein nicht unbeachtliches Übernahmeangebot vorgelegt. Demnach bietet Schaeffler 69,37 Euro je Conti-Aktie oder 11,2 Mrd. Euro in bar. Man strebe eine strategische Beteiligung von mehr als 30 Prozent an, wolle jedoch nicht notwendigerweise gleich die Mehrheit an dem Automobilzulieferer.
Die Aktie des DAX-Konzerns machte darauf hin einen deutlichen Satz von 53,70 Euro am Montag bis auf 73,93 Euro heute im frühen Handel. Den Aktionären scheint das Übernahmeangebot aus Herzogenaurach besser zu gefallen als Conti selbst. Das Unternehmen erteilte nämlich heute morgen in der Presse dem Familienunternehmen eine klare Absage. Oder steckt da die Hoffnung auf einen Preis treibenden Bieterkampf dahinter?
Aber Conti will nicht zu Schaeffler
Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, spricht viel dafür, dass Wennemer das Angebot heute offiziell zurückweist. Dafür gebe es gleich mehrere Gründe. Erstens will der Konzern, der fast dreimal so groß ist wie die Schaeffler-Gruppe, nicht von den Franken kontrolliert werden. Genau eine solche Kontrollposition hätte Schaeffler inne, sobald das Unternehmen über mehr als 30 Prozent der Conti-Aktien verfügt." Aus diesem Grund habe Wennemer dem Familienkonzern auch nur einen Anteil von 20 Prozent angeboten.
Zweitens fürchte der Vorstand, dass Schaeffler trotz aller Beteuerungen mittel- oder langfristig sehr wohl auf eine Zerschlagung der Conti-Gruppe hinarbeitet und das Reifengeschäft zur Disposition stellt. Drittens dürfte der Vorstand den angebotenen Übernahmepreis als viel zu niedrig erachten. Was nicht ganz unberechtigt ist, bei Kursen von aktuell über 73 Euro. Viele Analysten sehen laut F.A.Z." den fairen Wert der Aktie bei 80 bis 100 Euro.
Jede Menge Unternehmensnachrichten aus den USA
Andere wichtige Neuigkeiten kommen in dieser Woche von den Unternehmen aus den USA. Hier läuft wie bereits am Montag berichtet die Berichtssaison auf Hochtouren. Zu den Überzeugern" gehörte einmal mehr Chip-Hersteller Intel. Der US-Technologiekonzern hat im zweiten Quartal 2008 trotz der schwachen Entwicklung der amerikanische Konjunktur Umsatz und Gewinn stärker erhöht als erwartet. Das Ergebnis habe bei 1,6 Mrd. Dollar oder 0,28 Dollar je Aktie gelegen, der Umsatz bei 9,47 Mrd. Dollar, teilte der amerikanische Chiphersteller am Dienstag nach Börsenschluss in den Vereinigten Staaten mit.
Profitiert hat der Branchenprimus nach eigenen Angaben vor allem von der starken weltweiten Laptop-Nachfrage. Analysten hatten für das zweite Quartal 2008 im Durchschnitt ein Ergebnis je Aktie von 0,25 Dollar und einen Umsatz von 9,32 Mrd. Dollar prognostiziert. Im Vorjahreszeitraum hatte Intel bei einen Umsatz von 8,68 Mrd. Dollar einen Gewinn je Aktie von 0,22 Dollar erzielt.
Weniger erfreulich lief es hingegen für Computer- und Serverhersteller Sun Microsystems. Dennoch lag der Konzern mit seinem Gewinnrückgang im Rahmen der Erwartungen die Anleger. Einschließlich der Kosten für einen Stellenabbau rechnet das amerikanische Unternehmen ach vorläufigen Zahlen vom Dienstagabend für das abgelaufene vierte Geschäftsquartal mit einem Nettogewinn von fünf bis 15 Cent je Aktie nach 36 Cent vor Jahresfrist. Analysten hatten mit 10 Cent gerechnet.
Angesichts des Wirtschaftsabschwungs in den Vereinigten Staaten hatten viele Börsianer aber ein schlechteres Ergebnis befürchtet. Die Aktie legte deswegen nachbörslich fast 13 Prozent zu. Den Umsatz sieht der Konzern zwischen 3,73 und 3,8 Mrd. Dollar nach 3,84 Mrd. Dollar im Vorjahr.
Deutsche Konjunkturdaten malen dunkelgrau
Zurück nach Deutschland: Hier beherrschten zu Wochenbeginn eher dunkelgrau schimmernde Konjunkturkennzahlen die Medien. Wie die Redaktion von Boerse.ARD berichtet, fiel der ZEW-Index, welcher die mittelfristigen Konjunkturerwartungen der Anleger und Analysten für Deutschland widerspiegelt, für den Monat Juli noch schlechter aus als erwartet. Doch das kann angesichts der aktuellen Marktlage nicht wirklich schocken.
Wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mitteilte, sank das ZEW-Barometer auf ein Rekordtief. Es sackte auf minus 63,9 Punkte von minus 52,4 Punkten im Vormonat. Von Reuters befragte Volkswirte hätten demnach im Schnitt lediglich mit einem Rückgang auf minus 55,0 Zähler gerechnet.
Die Abwärtsbewegung hält an", kommentierte das ZEW die monatliche Umfrage unter rund 300 Börsianern. Gründe gibt es ja auch wahrlich genug: Der hohe Ölpreis, der starke Euro, die Krise in den USA, die Leitzinserhöhung der EZB und eine schwache inländische Konsumnachfrage. Da alles dürfte die deutschen Unternehmen in den kommenden sechs Monaten belasten.
Es ist also nach wie vor alles so ganz und gar nicht rosarot, was wir aus den Wirtschaftsmedien vernehmen. Ich könnte die Liste auch heute noch einige Seiten weiter ausfüllen. Doch es ist genug Stoff, wie ich finde. Warten wir einfach mal mit Spannung ab, was aus dem Übernahme-Spektakel zwischen Schaeffler und Conti wird.
Ich wünsche Ihnen einen guten Börsentag.
Ihre
Cindy Bach
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