Das sollten Sie wissen- die Medienschau im Insider Daily
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 17. September 2008, 10:00 Uhr
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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
die Finanzpresse wird auch heute fast ausschließlich von einem Thema beherrscht: Das Karussell "Finanzmarktkrise" dreht sich unaufhörlich und mit ihm dreht sich das Rad der Neuordnung des Bankenmarktes in den Vereinigten Staaten. Doch heute sind es nicht mehr nur schlechte Nachrichten, die wir zu lesen bekommen. Es gibt erste Silberstreifen am dunklen Horizont.
Angeschlagene AIG gerettet
Sah es gestern für den US-Versicherer AIG noch sehr düster aus, kam heute über Nacht die Rettung. Die amerikanische Notenbank rettet den ums Überleben kämpfenden Versicherungskonzern American International Group mit einem Kredit in Höhe von 85 Mrd. Dollar (60 Mrd. Euro). Im Gegenzug werde die Regierung einen Anteil von 79,9 Prozent an AIG übernehmen, erklärte die Fed gestern. Als Erklärung gab die Notenbank an, dass man nur mit der staatlichen Unterstützung aus Steuergeldern den Bankrott des Versicherers habe untergraben können. Das Weiße Haus erklärte, man unterstütze den Rettungsplan. Die angekündigten Schritte sollten die Finanzmärkte stabilisieren und den Schaden für die Wirtschaft begrenzen.
Investoren hatten zuvor ihre Befürchtungen geäußert, dass ein Konkurs des Versicherers weit reichendere Folgen für das amerikanische Finanzsystem hätte als der Zusammenbruch von Lehman. Die an der Wall Street wenig bekannte AIG hat Geschäftsverbindungen zu fast jeder Finanzinstitution weltweit.
AIG hatte in der ersten Jahreshälfte einen dramatischen Umsatzeinbruch erlitten und erwirtschaftete mit knapp 34 Mrd. Dollar 45 Prozent weniger als im Vorjahr. Wie viele andere Versicherer leidet AIG unter der Verschlechterung der Kreditbedingungen im Zuge der Hypothekenkrise. Sorge bereitet Anlegern vor allem, dass die riskanten so genannten strukturierten" Finanzmarktprodukte, die AIG versichert hat, sich immer mehr als faul herausstellen könnten.
Deutsche Versicherer scharf auf AIG-Teile
Wie in verschiedenen Medienberichten heute Morgen zu lesen ist, sind auch einige große deutsche Versicherer an Geschäftszweigen des einst größten Versicherers der Welt interessiert. So soll die Allianz beim taumelnden amerikanischen Rivalen angeklopft haben. Nur zwei Tage bevor AIG vom Staat aufgefangen wurde, habe die Allianz ihr Angebot unterbreitet, schreibt die Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf zwei eingeweihte Personen.
Die Münchener hätten sich dazu mit dem amerikanischen Finanzinvestor J.C. Flowers verbündet. Finanzielle Details nannte Bloomberg nicht. Auch die Allianz selbst wollte sich dazu nicht äußern. Doch AIG hatte nur das Rückversicherungs- oder Leasinggeschäft. Beides war wohl für die Allianz nicht von Interesse. Konzerchef Diekmann erklärte jedoch, sollten andere Bereiche zum Verkauf stehen, werde man dies in Ruhe überprüfen.
Auch die Münchener Rück ist an einer Übernahme von Teilen des angeschlagenen amerikanischen Versicherers interessiert. "Grundsätzlich sind viele Bereiche für uns interessant. Entscheidend ist, ob es in unsere Strategie passt und ob der Preis stimmt", sagte Münchener-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard dem Handelsblatt". Es gebe sehr interessante Schnittmengen" mit allen drei Geschäftsfeldern der Münchener Rück.
Interessant seien für die Münchener unter anderem die Erstversicherungsaktivitäten in Osteuropa und Nischen zum Beispiel in der Industrieversicherung, sagte der Münchener-Rück-Chef. Bisher gebe es aber noch keine Gespräche mit dem angeschlagenen Konzern. Von Bomhard zeigte sich indes durchaus überrascht von der Größe der Probleme bei AIG. "Im Gegensatz zu anderen waren wir aber nie der Meinung, dass die Krise auch nur annähernd vorbei ist."
"Erleichternde" Quartalszahlen bei Morgan Stanley
Gute Nachrichten gab es auch von der US-Bankenseite. Morgan Stanley hat im dritten Quartal zwar einen Gewinnrückgang verzeichnet, mit ihren Quartalszahlen aber die Markterwartungen übertroffen. Für den Zeitraum zwischen Juni und August wies das New Yorker Finanzhaus einen Gewinn von 1,43 Mrd. (Vorjahr: 1,54 Mrd.) Dollar aus. Die Einnahmen stiegen leicht um 1 Prozent auf 8,05 Mrd. Dollar.
Zudem wurde in einem Bericht des Fernsehsenders CNBC gemunkelt, die Investmentbank prüfe einen Zusammenschluss mit einem Wettbewerber. Bislang gebe es zwar keine Gespräche in diese Richtung. Bei einem weiteren Verfall der Morgan-Stanley-Aktie müsste das Unternehmen aber seinen Kurs ändern und sich einen Fusionspartner suchen. Vorstandschef John Mack wolle nicht die Fehler der Führung von Lehman Brothers wiederholen und zu lange warten. Weiser Entschluss, nur ob es tatsächlich helfen wird? Mittlerweile gelten nur noch wenige Investmentbankhäuser in den USA als "ungefährdet und stabil".
Britische Barclays holt sich Teile von Lehman Brothers
Die britische Bank Barclays streckt ihre Greifarme über den großen Teich aus und kauft laut Medienberichten Teile der insolventen amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers. Der Kauf müsse noch vom Insolvenzgericht abgesegnet werden, hieß es weiter. Die Übernahme umfasse das Investmentbanking von Lehman in den Vereinigten Staaten sowie das Kapitalmarktgeschäft.
Barclays werde aber keine Teile von Lehman kaufen, die mit hochriskanten Immobiliengeschäften verbunden seien, berichtete auch die "Financial Times". Diese Konzernteile werden wohl durch die Insolvenz abgewickelt werden. Durch die Übernahme für rund 2 Mrd. Dollar (1,4 Mrd. Euro) könnten rund 9.000 Lehman-Beschäftigte unter dem Dach von Barclays ihren Job behalten, berichtete das Wall Street Journal Online". Eine gute Sache, immerhin stehen Lehman rund 25.000 Stellen auf der Abschuss-Liste.
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Mittwoch.
Ihre
Cindy Bach
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