Das sichere Computersystem – die einfachste Art Geld zu verdienen?
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 09. Oktober 2002 18:00 Uhr
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Ich musste heute mal wieder eine dieser Diskussionen führen, die ich immer wieder in schöner Regelmäßigkeit führe. Ein Trader war auf eine seiner Meinung nach interessante Internetseite aufmerksam geworden, die ich hier nicht nennen will, allein um nicht unnötig Werbung zu machen. Auf dieser wird wieder einmal ein perfektes System angepriesen. Das sichere Geld durch computergenerierte Kauf und Verkaufsignale. In Anbetracht der Lage vieler Trader und Anleger kann man verstehen, dass einige sich nach so etwas sehnen. Das perfekte System, die sichere Art reich zu werden. In der allgemeinen Technologiefreundlichkeit, aber auch Gutgläubigkeit, finden solche Angebot natürlich immer wieder Abnehmer. Zumeist rückblickend generieren diese Systeme wirklich gute Kauf und Verkaufsignale, das hat jedoch noch keine Bedeutung. Rückblickend kann man viele Indikatoren so anpassen, dass sie gute Signale generieren, d.h. aber nicht, dass sie auch in den nächsten Wochen gute Signale generieren. Es reichen zumeist 3 Argumente, um diese Angeboten nachhaltig auszuhebeln, das erste ist noch relativ simpel:
Wenn dieses System doch so perfekt ist, warum sitzt dann der Erfinder nicht irgendwo in der Südsee und lässt seinen Computer das Geld verdienen, dass er dort mit beiden Händen ausgibt. Ich meine eine Internetseite, die Vermarktung, Kundenbetreuung und ähnliches stellen eine gehörige Portion an Arbeitsaufwand dar. Sicher tut der Anbieter es nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit. Fragt man die Anbieter selber, erhält man zumeist die lapidare, aber durchaus geschickte Antwort: Die Entwicklung des Systems habe seine letzten Geldreserven aufgebraucht und nun müsse er es leider vermarkten. Einleuchtend aber doch nur Bauernfängerei und zumeist frei erfunden.
Das zweite Argument ist etwas komplizierter, aber im Prinzip genauso logisch. Es kann und wird nie irgendein System geben, dass auf Dauer an den Börsen funktionieren wird und Verbreitung findet. Warum? Stellen Sie sich vor, ein System wird bekannt, das wirklich nachweisbar funktioniert. Jeder würde es sich, koste es was es wolle, zulegen, denn es würde jeden sofort reich machen. Doch so traurig es ist, irgendjemand müsste das Geld verlieren, das jemand anderes gewinnt, also zumindest könnten nie immer alle gewinnen und einer wäre trotzdem der letzte, der die Zeche bezahlt, bevor der Kurs wegkippt.
Und drittens: Stellen Sie sich vor, das System generiert ein Kaufsignal, und alle stürmen in den Markt, dann werden recht bald die ersten vor diesem Kaufsignal schon kaufen, später werden dann andere in dieses Kaufsignal hineinverkaufen etc. Schnell hätte dieses Kaufsignal die gleiche Aussagekraft wie alle anderen Kaufsignale der bekannten Indikatoren auch.
Nun gibt es die neuronalen Netze, "intelligente" Computerprogramme, die sich immer mehr an den Markt anpassen und mit den verschiedensten Einstellungen arbeiten. So generieren zumindest nicht alle die gleichen Kaufsignale. Damit wird das dritte Argument ausgehebelt. Dennoch können immer noch nicht alle an den Börsen gewinnen. Es wird bessere und schlechtere neuronale Netze geben, so wie es schlechtere und besser Trader gibt. Die einen werden Geld verlieren, die anderen gewinnen. Doch ich glaube daran, dass der Mensch aufgrund seiner Fähigkeit schnell zu lernen, sich komplex anzupassen und seiner Intuition zu folgen, den Computern noch lange etwas voraus haben wird, trotzdem kann man den Computer als geeignetes Hilfsmittel benutzen.
Bis jetzt fehlt noch der Beweis, dass ein Computer besser an den Börsen sei als ein Mensch. Selbst im Schach, das nach wesentlich durchschaubareren mathematischen Strukturen funktioniert als die Börse, liegt gerade wieder ein Mensch gegen das zur Zeit stärksten Schachprogramm vorne. In Manama, Hauptstadt Bahrains, stellt sich Schachweltmeister Vladimir Kramnik, dem Computer Deep Fritz 7. Zur Zeit liegt Kramnik mit 2 Siegen und einem Remis vorne.