Das schwere Leben des „kleinen Mannes“
Eric Fry in Traders Daily
vom 16. Juli 2009, 12:00 Uhr
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Wie sieht es aus, das schwere Leben des kleinen amerikanischen Mannes (und der kleinen amerikanischen Frau)?. Ein "kleiner Mann" ist, grob definiert, irgendein Arbeitnehmer der Vereinigten Staaten, der nicht unter den „Freunden" auf der Facebook-Seite des einstigen amerikanischen Finanzministers Hank Paulson auftaucht.
Eine andere Definition von „kleiner Mann" hält fest, dass es jeder ist, der Ben Bernankes Handy-Nummer nicht unter den ersten fünf auf der Freundesliste eingetragen hat und oder jeder, der keine direkte Kreditlinie zur Zentralbank aufweisen kann.
„Egal, wo man heute hinblickt", so stellte ich zuletzt einmal fest, die „großen Männer" wirken verdammt gerissen. Gleichzeitig leiden die kleinen Leute wie nie zuvor."
Bei dem, was Sarah Baxter von der "Sunday Times" in London eine "Mancession" nennt, leiden die amerikanischen Männer unverhältnismäßig stärker unter der finanziellen Not. „Die Wirtschaftskrise lässt die Arbeitsplätze der Männer schneller verschwinden als die der Frauen in Amerika", erklärt Baxter, „und das ist eine Vorankündigung des Anfangs einer so genannten ‚Mancession'".
Mark Penn vom Wall Street Journal bezeichnet die wachsenden Zahlen der unbeschäftigten Männer als „GLBs" (Guys Left Behind - Jungs, die nicht mehr hinterherkommen), und er vermutet, dass ihr Leid ein schlechtes Vorzeichen für die amerikanische Wirtschaft ist.
Die Feststellungen von Baxter und Penn aufgreifend, stellt die Financial Times fest:
„Die Männer haben fast 80% der 5,1 Millionen Stellen verloren, die in den Vereinigten Staaten seit Beginn der Rezession verschwunden sind. Das ist eine dramatische Umkehrung des Trends der vergangenen Jahre, als sich der Anteil der weiblichen und männlichen Beschäftigungszahlen kaum unterschied."
Diese seltsamen Statistiken könnten wertvolle makroökonomische Einsichten bereitstellen. Männer verlieren ihre Arbeitsplätze insbesondere deshalb, weil Amerikas metallverarbeitende Industrie verödet.
„Die Männer sind unverhältnismäßig stark betroffen", erklärt die Financial Times, „weil sie Industrien beherrschen, die zermalmt wurden: Neun von zehn Arbeitern im Baugewerbe sind männlich, sieben von 10 Angestellten in der Produktion. Allein diese beiden Sektoren haben ungefähr 2,5 Millionen Stellen abgebaut. Frauen haben dagegen meist Jobs, die in den Wirtschaftszyklen stabil bleiben und sie machen 75% der am stärksten isolierten Sektoren aus: Bildung und Gesundheitsversorgung."
„Die breiter werdende Spanne zwischen der männlichen und weiblichen Arbeitslosigkeit bedeutet, dass viele amerikanische Familien heute ausschließlich vom Einkommen abhängig sind, das die Frauen ins Haus bringen", schließt die Financial Times. Diese breiter werdende Spanne bedeutet auch, dass die amerikanische Wirtschaft auf eine gefährliche Weise von den Dienstleistern und von der Finanzindustrie abhängig sein wird, und nicht von den produzierenden Industriezweigen.
Sicher, ein Gehaltsscheck ist ein Gehaltscheck, egal, ob er von einer "Ms" oder einem "Mr" eingelöst wird... und ein Kündigungsschreiben ist ein Kündigungsschreiben, ganz egal, welches Geschlecht der Empfänger hat. Aber das ist nicht das Gesamtbild. Wenn eine „Ms" aus dem Dienstleistungssektor ihr Gehalt abholt, während ein „Mr" aus dem produktiven Sektor sein Kündigungsschreiben erhält, dann werden die Schwierigkeiten nicht mehr lange auf sich warten lassen.
Das ist keine Frage von männlich-weiblich: Es ist eine Frage des nationalen Wohlstands. Große Ökonomien können nicht allein von der Dienstleistungsindustrie leben. Und große Ökonomien erholen sich auch nicht, während der produktive Sektor schrumpft. Das heißt also, dass sich die amerikanische Wirtschaft nicht erholt, ganz egal, wie sehr sich die Leute das auch wünschen mögen.
Selbst wenn wir uns die aktuellen Wirtschaftszahlen durch eine geschlechtsneutrale Brille ansehen, erkennen wir ein Bild der nationalen Not und nicht der nationalen Erholung. Wir erkennen steigende langfristige Arbeitslosigkeit in Verbindung mit Verbraucherausgaben auf dem Existenzniveau.
Amerikas Arbeitslosenrate beträgt in den Schlagzeilen 9,4%. Da ist schon ziemlich schlimm. Aber die wahre Arbeitslosenrate könnte bei 16% liegen, und das ist schrecklich. Tabellen zeigen steil ansteigende Werte, wenn man die Arbeitslosen, diejenigen, die Teilzeitstellen haben, aber gerne Vollzeit arbeiten würden und diejenigen, die es aufgegeben haben, eine Stelle zu suchen, auch wenn sie arbeitslos sind, zusammenzählt.
Diese Tabellen sprechen für sich. Wenn hier etwas keimt, dann muss es Unkraut sein.