Das Schweigen im Walde
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 03. Februar 2005 12:00 Uhr
ENL5454
Will man einen Linken dazu bringen, mal für fünf Minuten den Rand zu halten, muss man ihn nur mit der Wahrheit konfrontieren. (So ähnlich sagt es hierzulande jedenfalls der Volksmund.)
Ähnliches ist seit der Wahl im Irak am Sonntag zu beobachten: Betretenes Schweigen all der Besserwisser, die sich letzte Woche noch mit düsteren Debakelszenarien wichtig machten. In der Tat muss der vergleichsweise glatte Ablauf der Wahl so traumatisch eingeschlagen haben, dass klassische Übersprungshandlungen an den Tag gelegt werden. (Immerhin wurde Bill Clinton seinerzeit mit einem guten Drittel weniger Wahlbeteiligung wiederewählt ... und es schneite nicht mal im November 1996!)
Dem Huhn gleich, das im Sand scharrt, weil es die Schlüsselaffekte von Hunger (Korn im Napf) und Flucht (Hühnerhabicht am Himmel) nicht gleichzeitig verarbeiten kann, machte der skurille Bürgerrechtler und ewige Präsidentschaftskandidat Al Sharpton heute Wind um die Rechte ebendieser Hühner, mit einem Boykottaufruf gegen Kentucky Fried Chicken. Vornamensvetter Al Qaeda spielte derweilen mit Soldaten-Puppen ... anscheinend kamen die aus deutschen Universitäten für den antidemokratischen "Widerstand" gesammelten Spendengelder diesen Monat noch nicht an.
Bei Wahlkritikern Jimmy Carter, George Soros und Amerikas Antwort auf den seligen Karl-Eduard Schnitzler des Ostfernsehens, Michael Moore, herrscht geradezu eisiges Schweigen.
Und die Democrats fühlen sich nach ihrer Abreibung anhand der amerikanischen Wähler nun anscheinend derart vom irakischen Elektorat verdroschen, dass sie in einem Zustand geistiger Verwirrung den ausgemachten Kretin Howard Dean ernsthaft als Parteivorsitzenden erwägen.
Selbst aus Europa hört man nur noch gelegentliche turrets-ähnliche Ausbrüche ("George Bush" und "Cowboy") als Leerplatzhalter all der eingebildeten Borniertheit, die sich nun wieder einmal als chronischer Mangel an Rückgrat und Weitsicht herausgestellt hat.
In anderen Worten: Es ist eine Freude zu leben!
*** Vielleicht hat die irakische Kopfwäsche aber auch gute Seiten für Europa – und besonders Deutschland. Mit einer Horror-Arbeitslosenzahl von bundesweit 12,1 %, Tendenz steigend und jetzt schon mehr als das Doppelte des amerikanischen Hochstandes von 2001 und 2002! – haben die Politiker und Gutmenschen wahrlich genug auf dem Teller als sich weiterhin aktiv der Etablierung der Demokratie im Nahen Osten entgegenzustellen.
Insbesondere im Vergleich mit dem Erfolg der amerikanischen Wirtschaftspolitik schneiden die europäischen Besserwessis ja doch eher dürftig ab.
Die heutige Zinserhöhung der Federal Reserve auf 2,5 % war nämlich wieder einmal die offizielle Bestätigung, dass es mit dem Konjunkturaufschwung in den USA rapide voran geht.
So zeitigte auch das amerikanische Durchschnittseinkommen im Dezember einen Anstieg von 3,7 %. Zugegeben, dies ist ein Artefakt aus einem realen Zuwachs von 0,6 % und der einmaligen Diviendeausschüttung von Microsoft. Das höhere Einkommen schlug sich jedoch umgehend in höherem Verbrauch nieder: Consumer spending stieg um 0,8 %.
Für's Kalenderjahr 2004 ergab sich demnach ein durchschnittlicher Einkommenszuwachs von 5.4 %, mit Konsumanstieg von 6,1 % – die beste Leistung seit 2000.
Was wenig Beachtung gefunden hat, ist dass der Output des Privatsektors ebenfalls um erstaunliche 5,5 % angestiegen ist, zum Teil auch wegen eines 15 %igen Wachstums im business investment. So sprang "Cap-ex" auf Geräte und Software um 13 %. Corporate Profits stigen gar um 20 % gegenüber dem Vorjahr.
So ganz sicher bin ich nicht, woher man in Europa das Chutzpah nimmt, sich negativ über die amerikanische Wirtschaft auszulassen. Die gute Nachricht: Auf Chutzpah allein dürfte sich die Euro-Bubble nicht wesentlich länger ausweiten lassen! Und in Wirtschaften, in denen die grössten Wachstumsraten in der Zunahme der Arbeitslosigkeit liegen ist selbst diese Aussicht Goldes wert!