Das Renten-KGV als Kriterium
Jürgen Nowacki in Investoren Wissen
vom 18. Juli 2011, 16:00 Uhr
ENL5454
Um fest zu stellen, ob sich die Märkte in einem aktienfreundlichen Umfeld befinden arbeiten US-Anleger gerne mit dem Renten-KGV. Dahinter steht die Idee, dass es eine Konkurrenzsituation zwischen einer vermeintlich sicheren Anlage in Rentenpapiere einerseits und der Aktie mit Dividende und Kurschance andererseits gibt. Ist das Zinsniveau des Rentenpapiers attraktiv hat es die Aktie im Vergleich schwerer das Kaufinteresse auf sich ziehen. Fallen die Renditen aber auf ein unattraktives Niveau zurück, dann kann oftmals auch gleich in die Aktie investiert werden. Ein weiterer Aspekt ist: Sind die Zinsen niedrig kann sich das Unternehmen billig am Rentenmarkt refinanzieren. Beispielsweise notieren Anleihen von BMW und Daimler mit 10 Jahren Laufzeit bei runden 4 Prozent Zinsen. und das fördert wiederum das Börsenumfeld auf mittlere Sicht.
Niedrige Zinsen, und so ist die Faustformel zu verstehen, lassen die Unternehmensgewinne steigen, was für einen allgemeinen Kursanstieg spricht.
Wenn es jetzt darum geht eine Faustformel aufzustellen mit der man schnell feststellen kann ob Aktien gegenüber dem Rentenmarkt zu billig sind, wird das Renten-KGV ermittelt. Rechnen sie beispielsweise mit einer Anleihe die ihnen 4 % Zinsen bringen soll. Dann würde es (ohne Zinses-Zins) 25 Jahre dauern bis sie Ihr Geld über die Zinsen zurück erhalten würden. Die Anleihe hat demnach ein Kurs-Gewinnverhältnis von 25 (100 : 4 % Zinsen = 25).
Folglich werden Aktien mit einem KGV unter 25 als billig betrachtet. Rechnen wir jetzt einmal anhand eines aktuellen Beispiels mit einer Unternehmensanleihe des französischen Ölkonzerns TOTAL (Rating AA) und einer Laufzeit von 10 Jahren. Das Rentenpapier mit der WKN A1A02M handelt an der Börse Düsseldorf mit einem Zinskupon von 3,125% und einem Kurs von 96,88 Prozent. Das ergibt eine Rendite von ca. 3,50% und damit (100 : 3,50= 28,57) einem Renten-KGV von 28,57. Die Aktie handelt momentan bei 38,125 Euro und die letzte Dividende lag bei 2,28 . Sollte die nächste Dividende für 2011 genauso hoch ausfallen wie die letzte würde die Dividendenrendite bei knapp 6 % liegen.
Halten wir fest, dass es für einen Anleger der Chancenorientiert ist, mehr Sinn macht die Aktie zu kaufen und nicht das Rentenpapier, denn zusätzlich zur Dividende besteht, bei günstigen Begleitumständen, noch zusätzlich die Chance auf Kursgewinne. Gut bewertete Unternehmen bezahlen, das können wir ebenfalls festhalten, momentan für Laufzeiten von 10 Jahren zwischen 3,5 und 4 % Zinsen für Ihre Unternehmensanleihen. Bei Kupons mit 4 % ergibt sich ein Renten-KGV von 25. Betrachten Sie einmal die Aktien im DAX dann werden Sie feststellen, dass je nach Branche auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzungen der Im DAX enthaltenen Aktien das Kurs/Gewinn Verhältnis (KGV) bei 12 bis 15 liegt. Das würde bedeuten, dass DAX-Aktien im Vergleich zum Renten-KGV um 40 bis 50 Prozent unterbewertet wäre.
Viel Erfolg am Markt wünscht Ihnen
Jürgen Nowacki
Coach Trading & Sales