Das Problem mit der zeitgenössischen Bildung
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 21. Februar 2012, 07:30 Uhr
ENL5454
Die Financial Times hatte eine Serie "Kapitalismus in der Krise". Einige der dortigen Autoren schrieben, dass die Regierung mehr Geld in die Bildung investieren solle - das schrieben selbst einige, die es besser wissen sollten.
So kommt zum Beispiel Kenneth Rogoff zu dem Schluss, dass eine "verbesserte Bildung nicht nur die Probleme lösen wird, die der heutige Kapitalismus hat, sondern (sie ist) auch ein essentieller erster Schritt hin zu jeder möglichen Lösung."
Oh? Ich habe niemals so eine Verbindung festgestellt. Das Problem ist - kurz zusammengefasst -, dass die entwickelten Länder zu viele Schulden und nicht genug Wachstum haben. Und ihre Schulden wachsen schneller als ihr Output. Wie können dann mehr Ausgaben für nicht-produktives Verhalten den Output erhöhen oder die Schulden verringern?
Die zeitgenössische Bildung ist eine Sackgasse. Die Bildungsindustrie ist von Zombies übernommen worden. Große Summen - öffentliche Gelder, private Gelder, Wohltätigkeitsgelder, Schulden, Ersparnisse, Gewinne - werden investiert. Der Output ist klein, zweifelhaft und vielleicht sogar negativ.
Ich weiß, dass in manchen Bereichen eine Person weniger weiß, je mehr sie dazu offiziell gelernt hat. Wirtschaftswissenschaften - wie an vielen Universitäten gelehrt - ist eine Disziplin, die zu solchen Subtraktionen von Wert führt.
Und in Bezug auf andere Bereiche - Politik, Soziologie, Literatur, gender studies - bin ich zweifelnd.
Mir ist auch aufgefallen, dass trotz eines großen Anstiegs der Bildungsausgaben pro Kopf in den letzten 40 Jahren die Testergebnisse nicht besser geworden sind. Dies spricht dafür, dass das Geld verschwendet worden ist.
Aber mein Zweifel geht tiefer. Ich habe den Verdacht, dass der größte Teil der Bildung - vom Bachelor bis zum Doktor - bestenfalls ein teurer Luxus ist...und schlimmstenfalls eine große Verschwendung von Zeit und Geld.
Zum ersten Teil von: Die Fastenzeit kommt…
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Josef Lehner (21.02. 2012 07:50 Uhr):
Ja, mit diesem Artikel haben sie voll den Nagel auf den Kopf getroffen, nur die schulisch akademische Verbildung ist schon so verkommen, daß diese es nicht einmal bemerken wie dumm sie selber mit all ihrer Weltweisheit geworden sind, sie wissen nicht daß sie nichts wissen, noch schlimmer, sie überbieten jegliche dagewesene Schildbürgerei!!!
Antworten - Kommentar von Sailor Jo (21.02. 2012 08:22 Uhr):
Ganz meiner Meinung. Im Gegensatz zu Herrn Bonner komme ich aus Bonn und lebe in den USA. Eine Entscheidung die sehr bedauere, aber momentan nicht kippen kann. Die Bildung in den USA is mindestens doppelt so teuer wie sie sein muesste. Im wesentlichen sind die Schulen sozialistische Einrichtungen zur Unterhaltung unmotivierter Jugendlicher. Sicher gibt es Ausnahmen. Betuchte Eltern schicken ihre Sproesslinge auf Privatschulen. Fuer die oeffentlichen Schulen bleibt die Spreu. Das kombiniert mit falschen Zielen und verstaendnislosen Eltern und einer Politik der "political carrectness" bereiten die Schueler nicht auf ein Berufsleben vor. Die nachfolgenden Colleges haben ebenfalls die falschen Zile und dienen mehr der Unterhaltung von "Studenten". Marching bands und college football und spring breaks sind wichtig, nicht eine Vorbereitung auf ein erfuelltes Berufsleben. Die Deutschen sollten einmal sehen, wie die "high school kids" mit stretched limos zu Veranstaltungen wie "prom" gefahren werden und sich dann die Hucke vollsaufen. Dekadent. Wenn ich eine Chance haette, wuerde ich die Schuletats um 60 bis 70% kuerzen. Dann wuerden die Schulen besser funktionieren.
Antworten - Kommentar von Alban (21.02. 2012 11:07 Uhr):
Auch wenn ich ihnen in den meisten Punkten zustimme, bin ich doch der Ansicht, dass den Miseren der Bildung und der Bildungsinstitutionen nicht durch Abschaffung und Weglassung abzuhelfen ist, sondern eher durch Selbstbesinnung und Selbstreflexion. Also durch Bildung im eigentlichen Sinn. Das meinte vielleicht auch Kenneth Rogoff mit "verbesserter Bildung". Wollen Sie die Verschuldungsproblematik auf der Welt mit Menschen ohne Bildung lösen?
Antworten- Antwort von Peter Harting (22.02. 2012 10:58 Uhr):
In den 50ern lehrte an einer Berliner Kunstakademie ein Politiker des Senats Pädagogik und erklärte seinen Studenten stolz: Unser (preußisches) Bildungssystem ist jetzt 150 Jahre alt! Ein Student darauf: Und seit 150 Jahren gibt es bei uns auch keine Goethes und Schillers mehr! - Mag übertrieben sein, da mit Fontane, Mann und Benn zumindest in der Literatur noch einige Namen, vielleicht Nachzügler, zu den Goethes usw dazugekommen sind. Doch heute regiert der Schwachsinn. Prinz Asfarate, der in Äthiopien Kaiser sein könnte, konstatierte (letztes Jahr in Gernsbach): Die Entwicklungshilfe fließt bezogen auf Bildung in Afrika in die Gründung neuer Universitäten. Auf der anderen "Straßenseite" verhungern Millionen, weil sie nicht mehr wissen, wie man seinen Lebensbedarf anbaut und sich gegen das Wetter schützt. Wenn bei uns mal die Regale leer sind (kann schnell gehen, wie Japan gezeigt hat), wissen die "gebildeten" Abiturienten kaum noch, wie man sich ein Stück Land zum Überleben herrichtet. Dieses Land liegt aber brach umher oder verkrautet, dank unserer Umweltpolitiker und sonst wie "farbig" gebildeten Obrigkeit.
- Antwort von Peter Harting (22.02. 2012 10:58 Uhr):
- Kommentar von Livia (21.02. 2012 11:07 Uhr):
Die Bildungs- wie auch die Familienpolitik ist von Millieutheoretikern besetzt, die glauben, biologische Gegebenheiten durch wegleugnen aus der Welt schaffen zu können! Regel Nr. 1: Man erhöht das Niveau NICHT, indem man die Anforderungen heruntersetzt um so mehr Leute zu höheren Bildungsabschlüssen zu bekommen. Regel Nr.2: Dummen Leuten ein Mindestmaß an Bildung zu vermitteln ist sehr teuer. So kostet ein Hilfschüler etwa ein Drittel mehr als ein Gymnasiast, doppelt so viel wie ein Haupt- oder Realschüler und fünf mal soviel wie ein Grundschüler! Die Hilfsschüler in die Regelschulen zu stecken, ist aber auch keine Lösung - für keine der Gruppen! Rein biologisch vermehrt sich Dummheit durch Masse während sich Klasse auf wenige Nachkommen beschränkt. Das muß man nicht noch unterstützen, indem man in den letzten Jahrzehnten die Frauenpolitik u.a. auf den Spruch reduzieren könnte: Kann sie was, macht sie Karriere, kann sie nichts, wird sie Mutter! Da war die DDR in ihren letzten 20 Jahren schlauer: Man staffelte das Kindergeld nach dem Bildungsabschluß der Mutter und förderte die Schwangerschaft von Studentinnen. Wir hatten von Kaiser Wilhelms Zeiten an bis 1970 praktisch das Beste Schulsystem aller Zeiten - bis daß es gründlich verwässert wurde! Leute, die weniger Spaß an Büchern, dafür am Wekzeug haben, müssen nicht bis 16 allgemeinbildend schulpflichtig sein; mit 14 sind die viel lernfähiger für die Tätigkeit, die sie mal ihr Leben lang machen werden. Und andererseits muß man nicht die Leute, die später studieren sollen, immer schneller durchs Gymnasium scheuchen! Vor allen Dingen muß die Schulbildung die Voraussetzungen schaffen, daß die Ausbildungen, die sie ermöglichen soll, auch geschafft werden! Studium oder Lehre abbrechen ist für den Betreffenden schlimmer, als nach der Grundschule nicht aufs Gymnasium oder die Realschule zu kommen. Der Betreffende wird für sein Leben demoralisiert und wir alle haben die Ausbildung bis dato für die Katz bezahlt. Bringt das Bildungssystem sinngemäß auf die Anforderungen von 1960 und die Familienförderung so, daß vor allem gebildete Eltern Kinder kriegen. Mendels Erkenntnisse lassen sich durch Wegleugnen ebensowenig aus der Welt schaffen wie die Gallileis.
Antworten - Kommentar von Franz Müller (21.02. 2012 12:20 Uhr):
Sehr geehrter Herr Bonner, mit vielem, was Sie schreiben, haben Sie durchaus recht, manchem kann ich nicht zustimmen, aber Ihre heutigen Auslassungen zum Thema Bildung strotzen in einem Ausmaß an Ignoranz, dass ich wirkich verblüfft bin. Man kann über die Qualtität der heutigen Bidungssysteme, vom Kindergarten bis zur Universität, geteilter Meinung sein. Wenn Sie behaupten und kritisieren, dass in einem bestimmten Teilbereich - Sie sprechen hier die Wirtschaftswissenschaften an - heute "Fachidioten" herangezüchtet werden, die noch dazu so indoktriniert werden, dass sie nicht einmal dazu in der Lage sind, in ihrem Fachbereich die Mainstreamthesen kritisch zu hinterfragen - darüber kann man diskutieren. Deshalb aber den Sinn von Bildung und Ausbildung komplett zu leugnen, und daraus abzuleiten, staatliche Ausgaben für Bildung wäre kontraproduktiv und bestenfalls hinausgeworfenes Geld, ist aber eine völlig absurde Schlussfolgerung. Sie schreiben zuletzt auch: Ich habe den Verdacht, dass der größte Teil der Bildung - vom Bachelor bis zum Doktor - bestenfalls ein teurer Luxus ist...und schlimmstenfalls eine große Verschwendung von Zeit und Geld. Nun, ich hege den Verdacht, dass Sie Ihren eigenen Kindern einen derartigen Luxus, der doch nur Zeit- und Geldverschwendung ist, sehr wohl und gerne finanziert haben. Und sollte diese Vermutung zutreffen, (was ich mit ziemlicher Sicherheit annehme), dann ist das, was Sie da geschrieben haben, zu allem Überfluss noch die reinste Heuchelei. Es war lange Zeit der Wunsch mancher "Eliten", unter sich zu blieben und den gemeinen Pöbel möglichst blöd sterben zu lassen. Dass dieser Ansatz aber für die ganze Gesellschaft fatale Folgen hat, ignorieren inzwischen aber nur mehr die allerverbohrtesten unter den "Konservativen".
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- Kommentar von Alexander Butscher (21.02. 2012 14:35 Uhr):
Mir ist bewusst, dass ich hier mit meiner Meinung wohl in einer absoluten Minderheit bin - dennoch widerspreche ich Herrn Bonner gänzlich: Ich halte immer noch viel von dem "Humboldtschen Bildungsideal". Es ist der Gedanke, dass der Mensch sein Potential erst in der Auseinandersetzung mit anderen Menschen und mit Kulturgütern wie Wissenschaft, Literatur, Kunst, Glaube etc. entwickelt und entfaltet. Das klingt antiquiert, ich weiß. Ich persönlich mache aber die Erfahrung, dass ich es geistig und seelisch viel anregender und angenehmer finde, mit Menschen zu sprechen, die sich mit abstrakten Fragen schon mal beschäftigt haben, die Bücher gelesen haben, die eine grobe Vorstellung von der geschichtlichen Entwicklung haben, Antike und Mittelalter auseinanderhalten können und vielleicht auch schon einmal vor einem Gemälde gestanden und nachgedacht haben. Das sind alles Tätigkeiten und Themen, die sich wohl nicht sofort in barer Münze niederschlagen - vielleicht nie. Aber es sind Tätigkeiten und Themen, die einen Menschen nach meiner persönlichen Erfahrung als Charakter reicher, interessanter machen und ihn auch in die Lage versetzen, anderen Menschen etwas zu geben. Ich persönlich leide unter dem immer stärker werdenden Zeitgeist, der alle Tätigkeiten nach materiellen Gesichtspunkten messen und bewerten will. Meines Erachtens ist dies eine Sackgasse, die unserem Menschsein nicht gerecht wird. Ich meine das u.a. in den USA zu sehen - dem Land, das an fast alle Fragen sehr pragmatisch herangeht. Hier hält man im Allgemeinen nicht viel von Bildung. Und das spüre ich, wenn ich mit Amerikanern zu tun habe. Mir wird dann, ehrlich gesagt, recht schnell langweilig. Deshalb halte ich viel von Bildung, auch von solcher, die sich erst einmal nicht zu Geld machen lässt.
Antworten - Kommentar von JGundacker (21.02. 2012 20:32 Uhr):
Was heisst verbesserte Bildung? Es ist der Traum der Aufklärung und gehört zu den Eckpfeilern unseres Fortschrittsglaubens, dass mit steigender Bildung auch die Bereitschaft des Einzelnen wächst, Armut zu überwinden, autoritäre Strukturen abzuwerfen und andauernden Wohlstand und Glück zu sichern. Dieser Traum hat sich nicht nur nicht bewahrheitet, es konnte von Anfang nicht funktionieren! Bildung wurde mit zunehmendem Nützlichkeitsdenken der industrialisierten Welt und der damit einhergehenden Rationalisierung aller menschlichen Tätigkeiten sukzessive an die externen Faktoren des Marktes und der technologischen Entwicklung ausgerichtet. Wir stehen heute vor den Trümmern des klassischen Bildungsideals. Das kapitalistische Denken selbst ist das Problem! Wir müssen das Bildungssystem fundamental neu gestalten.
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