Das Problem mit den Schulden
John Myers in Investors Daily
vom 14. Mai 2004 18:00 Uhr
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"Ich sehe die Wirtschaft als die erste und wichtigste republikanische Tugend, und öffentliche Schulden als die größte Gefahr, die wir fürchten müssen."
- Thomas Jefferson
Die Mehrheit der amerikanischen Aktien- und Anleiheninvestoren hat eine unheilvolle Zukunft vor sich. Das einzige, was noch höher als die Spannungen im Mittleren Osten ist, ist der Erdölpreis. Währenddessen stellt mittlerweile auch in den USA die breite Presse die Wiederwählbarkeit des Präsidenten in Frage.
Sie denken, ich spreche von der aktuellen Situation? Nein, ich habe von 1979 gesprochen ... aber die Parallelen zu 2004 sind unabstreitbar. Präsident George W. Bush ist ganz bestimmt aus einem anderen Holz geschnitzt als der damalige Präsident Jimmy Carter, aber die Probleme, die Amerika in den späten 1970ern hatte – steigende Schulden, langsames Wachstum und ein explosiver Mittlerer Osten – sind wieder da.
Diejenigen unter uns, die zumindest ein paar graue Haare haben, erinnern sich an die 1970er. Nicht nur an die ausgefallenen Kleider und die sinnlose Musik, sondern auch an die Probleme mit den Benzinpreisen. Und wer könnte den jahrzehntelangen Bärenmarkt bei Aktien und Anleihen vergessen? In den 1970ern war das Konzept von ewigen Staatsschulden zumindest in den USA noch eine relativ neue Idee. Denn zu Beginn der 1970er waren die USA noch der größte Gläubiger der Welt. Seitdem haben allerdings die folgenden Präsidenten und Kongresse keine deflationären Perioden mehr zugelassen. Wenn eine große Gesellschaft wie Chrysler vor der Pleite stand, dann wurde dieser Gesellschaft eben mit Steuergeldern weiter geholfen. Das wurde bei diversen Krisen in den 1980ern auch bei den Banken so gehandhabt.
Es scheint so, als ob es in Problem gäbe, das Washington nicht mit Steuergeldern wegwischen könnte. Aber genauso wie es Grenzen dafür gibt, wieviel Erdöl wir aus der Erde holen können, gibt es auch Grenzen dafür, wieviel Geld sich die USA leihen können, ohne eine wirtschaftliche Krise zu verursachen. Eine Regierung verdient schließlich kein Geld. Sie kann nur auf 2 Wege an Geld kommen: Durch Steuern oder durch Schuldenmachen. Und dieses Jahr wird die US-Regierung voraussichtlich 500 Milliarden Dollar neue Schulden machen. Und trotz dieser besorgniserregenden Tatsache gehen der Präsident und der Kongress weiterhin neue Verpflichtungen ein. Da sind die 100 Milliarden – und mehr – Dollar, die für das amerikanische Engagement im Irak bezahlt werden müssen. Und die 14 Milliarden Dollar für den "Krieg gegen den Terror". Und in diesem Umfeld will Bush die Steuern senken und die Wirtschaft ankurbeln. Und dann sind da noch die Zinskosten für all diese Schulden.
Die amerikanischen finanziellen Verpflichtungen sind so groß, dass sie kein reines Fantom sind. Man kann es so beschreiben: Das jährliche amerikanische Haushaltsdefizit entspricht ungefähr dem Wert der gesamten Güter und Dienstleistungen, die Kanada in einem Jahr produziert. Bis zur Mitte der 1970er blieben die Schulden der amerikanischen Bundesregierung in etwa konstant. Aber von da an sind sie fast ohne Pause gestiegen. Und es gibt Prognosen, die für das Ende dieses Jahrzehnts ein jährliches US-Haushaltsdefizit von 1 Billion Dollar PRO JAHR sehen – dank des "Kanonen-UND-Butter-Kurses".
Vor gar nicht langer Zeit argumentierten die Volkswirte so: Staatsschulden seien nicht so wichtig, da das Geld ja dem eigenen Volk geschuldet würde. Das ist bei den USA nicht mehr der Fall. Von den 3 Billionen ausstehenden Staatsanleihen halten die Ausländer mehr als die Hälfte. Mit anderen Worten: Der Rest der Welt – von dem ein Großteil auf die amerikanische Lebensart neidisch ist – finanziert die amerikanischen Sozialausgaben, die Zinsausgaben der US-Regierung und sogar die amerikanischen Verteidigungsausgaben.
Wenn die Ausländer ihre US-Staatsanleihen verkaufen würden, dann würde das den Dollar abstürzen lassen und den Anleihenmärkten fallende Kurse bringen. Amerika ist mittlerweile so abhängig vom ausländischen Geld – besonders von dem der ausländischen Zentralbanken – geworden, dass es ohne dieses Geld nicht wüsste, wie zu überleben.
Militärisch gesehen ist die Macht der USA unangefochten ... aber dennoch sind die USA wirtschaftlich verwundbar. Das Ausland hält US-Vermögensanlagen im Wert von 8 Billionen Dollar – darunter 13 % aller US-Aktien und 24 % aller US-Unternehmensanleihen. Und die Ausländer haben die Möglichkeit, diese Investments langsam aber sicher abzustoßen. Und ich glaube, dass genau das im letzten Jahr passiert ist.
Eins scheint sicher: Angesichts einer gesamten amerikanischen Schuldenlast (Staat, Unternehmen, Verbraucher), die 4 Mal so groß ist wie das Bruttoinlandsprodukt, werden diese Schulden nicht zurückbezahlt werden können. Es ist wahrscheinlich sicher zu sagen, dass sich kein Imperium seit dem Römischen in einer so bestürzenden Ausgangslage befand.
Die amerikanische Schuldenblase ist so groß geworden, dass es nur noch einen Ausweg gibt – den Dollar zu inflationieren und die realen Zinskosten damit zu verringern. Um das zu tun, darf die Fed die Zinsen nicht erhöhen.
Die Zinsen müssten gar nicht stark steigen, um zu einem Kollaps der mit Schulden überladenen Wirtschaft zu führen. Das letzte Mal, dass die Fed die Zinsen erhöhte (1999 bis 2000) führte das schließlich zu einem Kollaps am Aktienmarkt und einer folgenden Rezession. Heute ist die US-Wirtschaft noch erheblich abhängiger von Preissteigerungen bei Immobilien, Aktien, Anleihen. Deshalb würde ein starker Zinsanstieg eine ernste Deflation in Papier-Vermögensanlagen bringen.
Die Schulden werden ausgeweitet werden, bis keine neuen Geldgeber mehr gefunden werden können. Dann wird die Regierung auf die Fed zurückgreifen, und diese wird die Haushaltsdefizite der US-Bundesregierung finanzieren. Diese monetäre Inflation würde praktisch einen Bullenmarkt beim Gold, Silber und den Rohstoffen allgemein garantieren.
Drucken Sie weiter Geld, Mr. Greenspan, drucken Sie weiter Geld ...